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Ostprignitz-Ruppin Syrischer Flüchtling wird Klassenlehrer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Syrischer Flüchtling wird Klassenlehrer
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00:20 27.11.2017
Seit Beginn diesen Schuljahres ist Ahmad Al Sayed in der Kyritzer Carl-Diercke-Schule Klassenlehrer einer 9. Klasse. Quelle: André Reichel
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Kyritz

Wie fast überall auf dem „flachen Lande“ war auch in der Kyritzer Carl-Diercke-Oberschule bei stetig steigendem Altersdurchschnitt der dort tätigen Lehrer lange Zeit kein Nachwuchs in Sicht. Erst vor einigen Jahren entspannte sich die Situation, denn es kamen einige junge Kollegen an die Kyritzer Schule.

Die meisten davon sind Quereinsteiger, einige haben aber auch ein Lehramtsstudium absolviert. Mit dabei ist auch der Syrer Ahmad Al Sayed. Der 27-Jährige unterrichtet in der Kyritzer Carl-Diercke-Schule und ist im gesamten Land Brandenburg einer von nur rund zwei Dutzend Leuten, die als Flüchtlinge ins Land kamen und hier nun regulär als Lehrer tätig sind.

Ahmad Al Sayed ist in Damaskus, der Hauptstadt Syriens, zur Welt gekommen und dort auch aufgewachsen. Der junge Syrer hat nach dem Abitur englische Literatur studiert und arbeitete anschließend als Lehrer in seiner Heimatstadt in einer großen Schule.

Ahmad Al Sayed mit seiner Co-Klassenlehrerin Christine Otto. Zu ihr hat der Syrer ein sehr gutes Verhältnis. Quelle: André Reichel

Vieles ist dort anders als in Deutschland musste Ahmad Al Asyed feststellen. Beispielsweise sind die Klassen in syrischen Schulen mit bis zu 60 Schülern gut doppelt so groß wie hier in Deutschland. „In meiner Heimat ist ein Lehrer gesellschaftlich hoch anerkannt und eine Respektsperson für jeden einzelnen Schüler, dass scheint hier nicht ganz so zu sein“, stellte Ahmad Al Sayed außerdem noch fest. Vor zwei Jahren trat der damals 25-Jährige zusammen mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Nour die Flucht aus dem kriegsgeschundenen Heimatland an.

Nach knapp drei Wochen abenteuerlicher Flucht kamen sie unversehrt in Deutschland an. Anfangs wohnten die Brüder im Flüchtlingsheim in Wusterhausen, inzwischen leben sie in Kyritz in einer eigenen Wohnung.

Für Ahmad Al Sayed stand schon bei seiner Ankunft in Wusterhausen fest, dass er niemanden auf der Tasche liegen und selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen möchte. Am liebsten wollte er schon damals in seinem alten Beruf arbeiten. Doch er sprach zu dem Zeitpunkt noch kein einziges Wort Deutsch. Mit Fleiß und Ehrgeiz paukte Ahmad Al Sayed Vokabeln und machte rasch große Fortschritte.

Ahmad Al Sayed hilft der Schülerin Celina Stadie beim Schreiben von Bewerbungen. Quelle: André Reichel

Nun wagte sich die junge Syrer an die Verwirklichung seines Traumes, wieder als Lehrer zu arbeiten. „Über 50 Bewerbungen habe ich geschrieben und mehr als 20 Vorstellungsgespräche geführt“, berichtet Ahmad Al Sayed. Aus der Carl-Diercke-Schule bekam der Syrer schließlich im Februar dieses Jahres eine Zusage. Für ein halbes Schuljahr arbeitete er als Englisch-Lehrer in der Stadt-Schule. „Es war eine spannende Zeit, denn vieles war neu, doch die Kollegen sind alle nett und sehr hilfsbereit“, sagt Ahmad Al Sayed.

Seit den Sommerferien ist er nun zusammen mit der Lehrerin Kristine Otto Klassenlehrer in einer der drei 9. Klassen. Beide sind für die Belange von 25 Mädchen und Jungen verantwortlich. Dazu gehören unter anderen Gespräche mit Eltern, die Durchführung von Projekten und natürlich der Unterricht.

Ahmad Al Sayed ist in der Kyritzer Carl-Diercke-Schule Klassenlehrer einer 9. Klasse. Der 27-jährige Syrer ist einer von nur 24 Lehrern im Land Brandenburg, die als Flüchtling nach Deutschland kamen. Quelle: André Reichel

Ahmad Al Sayed wird von seinen Schüler voll akzeptiert. Lustig findet es der junge Lehrer, wenn er mal ein deutsches Wort nicht ganz korrekt ausspricht und dann seine Schüler fragen muss. „Wir lernen voneinander, das ist in Ordnung“, sagt dazu der 27-Jährige. So kann der junge Syrer gut seine eigenen Erfahrungen einbringen, wenn , wie aktuell gerade im Unterricht das Schreiben von Bewerbungen geübt wird. „Davon habe ich ja genug geschrieben“, so Ahmad Al Sayed.

Von André Reichel

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