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Ostprignitz-Ruppin TKV Ruppin startet Kurse für Flüchtlinge
Lokales Ostprignitz-Ruppin TKV Ruppin startet Kurse für Flüchtlinge
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12:04 30.01.2016
Die Kinder hatten keinerlei Berührungsängste. Schon zum Auftakt des Projektes übten sie emsig das Fallen und Rollen. Quelle: Jan Philipp Stoffers
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Neuruppin

Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte und ist über alle Sprachbarrieren hinweg in jedem Land verständlich. Die siebenjährige Ilda aus Albanien hatte am Donnerstag allen Grund zur Freude – sie und rund 40 weitere Bewohner des Treskower Übergangswohnheims waren beim Kennenlernen des neuen Sporttreffs vom Ruppiner Turn- und Kampfsportverein (TKV) dabei. „Wir wollen uns mit euch zusammentun, Sport machen und uns kennen lernen. Auf keinen Fall werden wir kämpfen“, sagt Dirk Becker. Der Aikidoka und Initiator des Projektes wollte damit vorab mögliche Missverständnisse um die japanische Kampfkunst ausräumen, die sein Verein betreibt.

Dirk Becker (l.) und Henry Neumann demonstrieren eine Technik. Quelle: Jan Philipp Stoffers

Der TKV wird in Zukunft zwei mal wöchentlich sportliche Aktivitäten und Entspannungsübungen im Sportraum des Flüchtlingswohnheims anbieten – zunächst getrennt nach Männern und Frauen. Bei dem Projekt geht es um gegenseitigen Respekt, das Kennenlernen und Akzeptieren kultureller Unterschiede und den Abbau von Sprachbarrieren – Integration durch Sport. Für Kinder bietet der Verein bunte Spiele an, stets begleitet von Trainern. „Jeder ist herzlich willkommen, natürlich auch interessierte Neuruppiner“, sagt Dirk Becker.

Die Sportler des TKV zeigten den Zuschauern Beispielübungen wie Vor- und Rückwärtsrollen und Griff- und Wurftechniken, stets von staunenden Blicken und Applaus begleitet. Im Anschluss durften die Kinder Tiere imitierend und mit Gymnastikbällen über die Matten hüpfen – es wurde laut und viel gelacht und sogar einige der zunächst eher zurückhaltenden männlichen Bewohner trauten sich mitzumachen.

„Ich denke, der Sporttreff ist eine willkommene Abwechslung hier im Heim und ein gutes Stück Integration für seine Bewohner“, sagt Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde. „Die Stadt hat immer ein offenes Ohr für den TKV. Diese Leute reden nicht nur, sondern sie tun etwas.“ Unterstützt wird das Projekt auch von den Lindower Saluskliniken, der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin und dem Kreissportbund.

Heimbewohner und -betreuer, TKV-Trainer sowie Vertreter der Stadt- und der Kreisverwaltung beim Kennenlernfest am Donnerstagabend. Quelle: Jan Philipp Stoffers

Kerstin Weiß, Referentin für Flüchtlingsinte­gration des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, überbrachte Grußworte von Landrat Ralf Reinhardt. „Das ist ein schönes Beispiel für Willkommenskultur“, sagte sie. „Hier wird von Mensch zu Mensch etwas weitergegeben.“ Sport und Spiel seien das ideale Vehikel auf dem Wege zu Integration. „Hier gibt es mehr als nur ein warmes Bett und etwas zu essen.“

Dass das Projekt auf Zustimmung stoßen wird, davon ist die Sozialarbeiterin des Heims, Franziska Seidel, überzeugt. Denn sportliche Aktivitäten stehen bei den Heimbewohnern hoch im Kurs. „Nicht alle, die wollten, konnten an der Frauensportgruppe teilnehmen, weil zeitgleich ein Deutschkurs läuft. Also haben wir auf Wunsch der Bewohnerinnen eine zweite Frauensportgruppe eingerichtet“, sagt die Sozialarbeiterin des Heims. Die Frauen übernehmen im Übrigen auch freiwillig die Pflege und Reinigung der Trainingsgeräte.

Die Rolle vorwärts klappte bei den Kindern schon ganz gut. Quelle: Jan Philipp Stoffers

„Toll ist doch, dass jeder Bewohner Zugang hat, weil das Projekt hier im Hause stattfindet“, sagt Franziska Seidel. Für viele der Flüchtlinge ist Sport eine willkommene Abwechslung vom tristen Alltag. Denn längst nicht alle der Bewohner dürfen arbeiten oder finden welche. „Durch den Sport sind die Menschen ausgeglichener, es gibt weniger Konfliktpotenzial“, so Franziska Seidel.

Am Donnerstag, 4. Februar, ab 16.30 Uhr wird Dirk Becker das erste offizielle Training für die Männer anleiten. Schon an diesem Sonnabend treffen sich die Kinder und Frauen zum ersten Training. Darauf freuten sich die kleine Ilda und ihre Freunde nach den ersten Rollen und Übungen schon am Donnerstagabend. Sie wollten am Schluss gar nicht mehr von der Matte gehen.

Von Jan Philipp Stoffers

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