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Tabak-Schockbilder schockieren kaum

Neuruppin Tabak-Schockbilder schockieren kaum

Seit 14 Tagen sind in Neuruppin und Umgebung die ersten Zigarettenschachteln mit teils drastischen Fotos im Handel. Mit Bildern von verteerten Lungen und Schlaganfallpatienten sollen Raucher vom Glimmstängel abgehalten werden. Händler und Kunden sind jedoch wenig überzeugt von der EU-Maßnahme.

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Noch sind Schachteln mit Schockbild in der Minderheit.

Quelle: Mischa Karth

Neuruppin. Die Liste der Schattenseiten des Rauchens ist lang. Krebserkrankungen, Durchblutungsstörungen und Potenzprobleme sind nur einige der möglichen Gefahren. Gemäß einer EU-Richtlinie müssen diese Risiken ab sofort in Form von drastischen Fotos auf Tabakwaren abgebildet werden. Verteerte Lungen, Raucherfüße und Schlaganfallpatienten sind inzwischen auch auf deutschen Schachteln angekommen. Seit etwa 14 Tagen werden die ersten Produkte mit „Schockbildern“ in Neuruppin und Umgebung verkauft.

Georg van der Mee, Inhaber mehrerer Tabakwarengeschäfte in der Region, hat bei seiner Kundschaft vielfach „eine Trotzreaktion“ auf die Einführung der neuen Warnhinweise festgestellt. Er erklärt: „Das Motto bei vielen Kunden lautet: ’Ihr glaubt doch nicht, dass ihr mich durch so ein Bildchen vom Rauchen abbringen könnt.’“ Vereinzelt werde zwar nach Überziehern oder Aufklebern gefragt, das Gros der Kunden zeige sich jedoch unbeeindruckt. Manch einer nähme die Maßnahme aus Brüssel auch mit Humor. „Es gibt die Ersten, die sammeln die Bilder schon“, berichtet van der Mee. Er hält die Maßnahme selbst für albern. „Ich rauche seit 50 Jahren. Da könnte es unter Umständen sein, dass ich schon mal davon gehört habe, dass Rauchen ungesund ist“, sagt der Tabakwarenhändler mit einem Augenzwinkern.

Lieferprobleme bei losem Tabak

Ganz handfeste Probleme haben van der Mee und einige seiner Kollegen derzeit durch Lieferengpässe zu verzeichnen. Offenbar kommen die Produzenten gerade beim losen Tabak nicht nach, Behältnisse mit Schockbildern in ausreichender Stückzahl zu produzieren und in die Region zu liefern. So hat unter anderem der Tabakwarenladen in der Rheinsberger Schlossstraße vergangene Woche eine ganze Reihe von Marken nicht erhalten, auch Neuruppiner Händler berichten von ähnlichen Problemen.

Christoph Vick, Inhaber eines Tabakwarenladens in der Karl-Marx-Straße, glaubt nicht, dass die drastischeren Warnhinweise etwas am Rauchverhalten ändern werden. „Es mag sein, dass sich am Eintrittsalter etwas ändert“, sagt Vick. Die Einführung von Warnhinweisen à la „Rauchen kann tödlich sein“ hätte aber auch keinen spürbaren Effekt gehabt.

Warnhinweise auch für Alkohol?

Eine Kundin, die den Laden betritt, verlangt „zweimal F6, aber ohne Horror-Bild, bitte.“ Dem Wunsch kann Vick nicht nachkommen. Die Marke der Wahl ist nur noch mit dem Foto eines Raucherfußes zu haben. „Na ja, dann packe ich sie eben in eine alte Schachtel“, sagt die Kundin. Eine andere Kundin findet die Maßnahme „lächerlich.“ Sie glaubt, dass der pädagogische Effekt „gleich null ist – wie bei allen Versuchen, die Zahl der Raucher zu reduzieren.“ Wenn Zigaretten einen Warnhinweis bekämen, müsse vor dem Verzehr von Alkohol und Fleisch in gleicher Form gewarnt werden.

Das Statistische Bundesamt verzeichnet indes einen Trend, der sich anders deuten lässt. Im zweiten Quartal 2016 ist die Zahl der in Deutschland hergestellten Zigaretten um gut 15 Prozent zurückgegangen. Allerdings lässt sich hierdurch nur begrenzt auf den Absatz schließen. Viele Hersteller hatten im ersten Quartal überdurchschnittlich viel produziert, denn für die Erzeugnisse ohne Schockbilder gilt ein Bestandsschutz. Sie dürfen noch ein Jahr lang verkauft werden. So bietet sich in vielen Läden derzeit ein uneinheitliches Bild. Großflächige Warnhinweise auf der einen Seite, kleinere auf der anderen. Gerade bei Tabakdosen fallen die Bilder krass aus. „Einige Firmen haben jetzt auf viereckige Behälter umgestellt“, erklärt Georg van der Mee. „Die Hinweise müssen ja nur an zwei Seiten angebracht werden.“ Auch für die Auslagen der Schachteln und Tabakpackungen haben sich die Vertreter der Tabakindustrie etwas einfallen lassen. Kleine Steckkarten sollen den größten Teil der Packungen künftig verdecken.

„Der eine hat Glück, der andere nicht.“

Eine Neuruppinerin sieht in den Schockbildern eine Bevormundung der Raucher. „Wo bleibt denn noch die Freiheit?“, fragt sie. Sie verstehe die ganze Aufregung auch deshalb nicht, weil der Staat finanziell vom Rauchen profitiere. „Die Zigaretten an sich sind billig“, sagt die Frau. „Das meiste Geld einer Schachtel geht an den Staat.“ Ein Passant in der Karl-Marx-Straße ist sich sicher, dass die Maßnahme nichts bringen wird. „Ich rauche jeden Tag 15 Zigaretten“, erzählt der Mann. „Mich können die Bilder nicht schockieren. Was soll sich schon ändern? Der eine hat eben Glück, der andere nicht.“

Von Mischa Karth

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