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Ostprignitz-Ruppin Jeder bekommt Essen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Jeder bekommt Essen
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00:37 26.03.2018
Mitarbeiter bei der Tischlein-Deck-Dich-Ausgabe der GAB reichen einer Bedürftigen Lebensmittel über die Theke. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti
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Neuruppin

In Essen kein Essen! Das war der Aufreger Ende Februar. Die Tafel in Essen wies Ausländer ab und gab nur noch an deutsche Bedürftige neue Berechtigungskarten für Lebensmittel aus.

Die Situation in Essen habe viel Staub aufgewirbelt, sagt Gabriela Manthei, die seit 2009 Chefin der Neuruppiner Tafel und ihrer Standorte in Fehrbellin, Protzen, Rheinsberg, Lindow ist: „Bei uns gab es nie einen Aufnahmestopp, auch nicht in Spitzenzeiten. 2015 und 2016 hatten wir einen großen Ansturm, versorgten im Schnitt 90 bis 120 Haushalte bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl. Jetzt sind es 60 Haushalte.“

Für Gabriela Manthei und ihre Kollegen waren die Menschenmassen eine neue Herausforderung. „Wir sind sehr an unsere Grenzen gestoßen, auch in Sachen Verständigung“, erzählt die Tafel-Chefin rückblickend. „Bei allen Problemen hat es aber immer gut geklappt. Der Arbeitslosenverband, Träger der Tafel Neuruppin, hat es abgelehnt, dass es Extra-Tage für Einheimische und Ausländer gibt.“

Schlimme Zwischenfälle hätte es bisher nie gegeben, sagt Gabriela Manthei und fügt hinzu: „Selbst Einheimische schubsen und drängeln mal, das hat nichts mit der Nationalität zu tun.“ Da manche Tafel-Besucher aber schon morgens vor dem Haus lungerten, damit sie als erste drankamen, wurde das Losverfahren eingeführt.

Damit die Leute nicht Stunden vorher warten, werden Nummern verteilt

„Eine Stunde vor Ausgabe vergeben wir die Nummern. Sie sind durchmischt. Ist also fast egal, wann jemand erscheint.“ Jeder bekommt seine Ration Essen, versichert die Tafel-Koordinatorin Doreen Gudat: „Nur falls es wirklich mal knapp ist, wird derjenige auf den nächsten Tag vertröstet.“ Das passiere selten, auch weil die Nutzerzahlen zurückgegangen sind, erklärt Gabriela Manthei: „243 Haushalte mit 458 Personen versorgen wir im Moment an allen Standorten, davon sind 31 mit Migrations- und Fluchtgeschichte. 116 Asylbewerber sind es in Neuruppin und Rheinsberg. An den anderen Ausgaben kommen keine zu uns.“

In der Prignitz schließen Tafeln, weil das Jobcenter das Geld für MAE-Stellen gekürzt hat. „Das ist in Neuruppin nicht der Fall, sagt Gabriela Manthei. In Fehrbellin seien die Nutzerzahlen mal drastisch zurückgegangen. „Eine engagierte Bürgerin hat Unterschriften für die Weitererhaltung der Tafel gesammelt und 30 bis 40 Kunden geholt. Jetzt sind es nur noch halb so viele Haushalte. Dennoch fahren wir Fehrbellin an, immer montags.“

Die Ware wird täglich aus den Märkten abgeholt

Täglich wird die Tafel-Ware ab 9 Uhr in den Märkten in und um Neuruppin geholt, sortiert, in Kisten verpackt, eingeladen, ausgeliefert. Tafelarbeit ist kostenintensiv und im Winter leicht frustrierend.„Im Moment ist es relativ wenig, was an Lebensmitteln ankommt“, erklärt Doreen Gudat. „Vor allem Obst, Gemüse, Wurst, Joghurt fehlen. Das ist jährlich so im Februar, März. Danach wird es besser. Dennoch war früher viel mehr Ware im Angebot.“

Von Warenmangel kann Nicole Dorau von der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB) am Kyritzer Bahnhof ein Lied singen. Die GAB teilt täglich aus. „Unser großer Versorger, der Rewe, hat für ein Jahr geschlossen. Das spüren wir sehr“, klagt die GAB-Niederlassungsleiterin. „Die anderen Märkte haben anfangs darauf reagiert und mehr gegeben.“ Mit Gemüse und Frischwaren sieht es dennoch mau aus. „Generell ist es aber auch so, dass die Ware zu 60 bis 70 Prozent Abfall ist.“

Gründlich sortieren die Mitarbeiter aus. Was nicht mehr über den sozialen Ladentisch bei „Tischlein-Deck-Dich“ geht, landet neben der Ausgabe und kann auf eigene Verantwortung mitgenommen werden. An diesem Tag fristen dort halb verwelkte Blumensträuße und überreife Bananen ihr Dasein – kurz. Auch sie finden dankbare Abnehmer.

Der Inhalt der Lebensmitteltüten ist immer neu und vorab unbekannt

Einmal die Woche hat jeder bedürftige Haushalt von Kyritz über Neustadt bis Lögow Anspruch auf eine Lebensmitteltüte. Acht Personen haben sich an diesem Tag ihre Ration bei Tischlein-Deck-Dich geholt. „Für zehn Haushalte hätte es gereicht.“

Es gab jedoch schon andere Zeiten, da herrschte Lebensmittelmangel. „Als die große Flüchtlingswelle war, konnten wir niemanden neu aufnehmen, ob Einheimischer oder Flüchtling“, blickt Nicole Dorau zurück. Vergangenen Sommer wurde der Aufnahmestopp aufgehoben, jeder Bedürftige kann kommen.

Unterschiedliche Ausgabetage für Deutsche und Migranten gibt es nicht

Etwa 80 Prozent Asylbewerber versorgt die GAB Kyritz derzeit. Unterschiedliche Ausgabezeiten für Deutsche und Ausländer gibt es nicht, auch wenn der Wunsch unter den Nutzern aufgekommen war. „Wir machen keinen Unterschied, sind für Gleichberechtigung.“ Rempeleien und Pöbeleien unter den Bedürftigen haben sich weitgehend gelegt, seitdem auch in Kyritz ein Nummernsystem eingeführt wurde.

Nicole Dorau kämpft an vielen Fronten. Unterstützung sei immer willkommen, meint sie: „Wir freuen uns über jede Spende, auch von Privatpersonen. Die Bevölkerung spendet jedoch wenig.“ Außer vor Weihnachten, wenn Rewe zur Tüten-Aktion aufruft. „Das läuft gut, viele Bürger kaufen eine“, sagt Nicole Dorau.

Sowas wäre das ganze Jahr über hilfreich, findet auch Gabriela Manthei: „Immer wieder mal kommen Leute und geben uns eine vollgepackte Einkaufstüte in die Hand. Gern dürften es mehr sein.“ Möglich wäre es. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll, sind oftmals viel zu schade für die Tonne. Das wäre Essen für jemanden, der es nötig hat – ob in Neuruppin, Kyritz oder Essen.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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