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Ostprignitz-Ruppin Tag des Instrumentenbauers in Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tag des Instrumentenbauers in Rheinsberg
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02:15 17.03.2016
Andreas Sommer prüft das Akkordeon von Mona Linzke (2. v. r.) auf Herz und Nieren. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

„Kann man das noch retten?“, fragt Mona Linzke und wuchtet ein altes Akkordeon auf den Tisch. Andreas Sommer, Handzuginstrumentenmacher, überprüft das Erbstück – ein Instrument aus dem Hause „Weltmeister“ aus Klingenthal – mit geübtem Blick und flinken Fingern auf Herz und Nieren. „Es taugt nur noch als Ersatzteillager“, stellt er nach ein paar Minuten fest. „Es müsste generalüberholt werden“, weiß er und nennt eine Summe von 600, 700 Euro als Hausnummer. „Das lohnt sich aber nur, wenn Sie wirklich darauf spielen wollen.“ Nein, das will Mona Linzke nicht – sie kann gar nicht spielen. So wie sie kommen zum Tag des Instrumentenbauers viele Akkordeon- und Geigenbesitzer in die Werkstatt des Rheinsberger Geigenbauers Jan Dayß und lassen sich von den beiden beraten, wie viel ihr Instrument noch wert ist. Oder ob es wieder repariert werden kann. „Auch ein Mann mit zwei Saxofonen war heute schon da – aber da kennen wir uns beide nicht aus“, sagt Jan Dayß, der mit Andreas Sommer zusammen in der Klingenthaler Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau sein Handwerk gelernt hat.

Werkstatt-Session. Quelle: Buddeke

Seitdem treffen sich die beiden regelmäßig – auch zum Tag der offenen Werkstatt am Instrumentenbauer-Tag, der seit drei Jahren besteht und rege besucht wird. „So 20, 30 Leute kommen immer vorbei“, erzählt Jan Dayß. „Alles quer Beet – ein bis zwei Besonderheiten sind aber immer dabei.“ Aber auch viele „Klingenthaler Stradivaris –schlechte Fälschungen des 19. Jahrhunderts“, wie er erklärt. Die echten würde man schnell an der extrem sorgfältigen Verarbeitung erkennen – „ganz egal aus welchem Jahrhundert sie stammt. Eine echte Stradivari ist ein Mythos.“ Er selbst spielt – so sagt er – eine bessere Guarneri-Kopie. Von der Decke seiner Werkstatt baumeln jede Menge Violinen und auch andere Instrumente – eine originelle Sammlung „unrettbarer“ Instrumente. Etwa die „Topfdeckel-Gitarre“. „Ich wollte schon immer ne Dobro-Gitarre haben“, sagt Jan Dayß schmunzelnd und offeriert das Instrument. Da, wo sie kaputt war, hat er einen kupfernen Topfdeckel eingebaut. „Überraschung – sie klingt wieder“, sagt er und klimpert ein wenig darauf herum.

Jan Dayß mit seiner Topfdeckel-Dobro. Quelle: Buddeke

Unterdessen ist Günter Brüssow hereingekommen. Der Neuruppiner Alleinunterhalter schwingt eine kleine Rarität auf den Tisch: ein Akkordeon mit geschwungener Tastatur. „Ein Show-Instrument aus den 20er Jahren“, sagt Andreas Sommer und seine Augen leuchten. Brüssow will es verkaufen, es spielt nicht mehr. „Ich hab ne italienische Scandalli – die hier ist mir eh zu schwer“, sagt der Musiker, der früher viel durch die Ruppiner Kulturhäuser getingelt ist. Der Akkordeon Profi schraubt das Instrument auf. Die Tasten sind verschoben, auch die Ventile tun ihren Dienst nicht mehr, wie sie sollen. „Das Ding hängt nur noch an den Nägeln – es müsste generalüberholt werden“, sagt Sommer. „Die meisten Leute, die zu uns kommen, denken, sie hätten nur ein kleines Problem“, erklärt er. Meist sei das Gegenteil der Fall. Andersherum seien manche kaputt geglaubten Instrumente in Sekundenschnelle wieder klangfest. „Da klemmt dann manchmal nur ein Staubkorn zwischen der Tonzunge“, sagt Sommer. Klar sei indes: „Nach sechzig Jahren sind die meisten Instrumente zumeist hin, wenn sie nicht regelmäßig gespielt und gewartet werden“, so der Experte. Und wird sich mit Brüssow schnell handelseinig. Auch wenn er selber gar nicht spielen will. „Ich kann sie stimmen und reparieren – aber nicht spielen“, sagt er.

Jan Dayß und Andreas Sommer brüten über dem Show-Akkordeon. Quelle: Buddeke

Immer wieder öffnet sich die Tür zu Dayß‘ Laden. Für die beiden Instrumentenbauer ist es immer spannend, was ihnen auf den Tisch gelegt wird. Für die Kunden ist es gleichermaßen eine nette Gelegenheit zum Fachsimpeln. Musik verbindet.

Von Regine Buddeke

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