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Tagebuch von Tucholskys erster Frau entdeckt

Rheinsberg Tagebuch von Tucholskys erster Frau entdeckt

Die Erzählung „Rheinsberg, ein Bilderbuch für Verliebte“ ist weltbekannt. Viele wissen, dass Tucholsky das Werk schrieb, nachdem er 1911 mit Else Weil, seiner späteren ersten Frau, in Rheinsberg ein Wochenende verbrachte. Aber was hielt Else Weil von dem Ausflug? Diese Frage könnte nun geklärt werden. Denn in London wurde jetzt ein Tagebuch von Else Weil entdeckt.

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Die Nichte von Else Weil auf einem Foto von 1936.

Quelle: privat

Rheinsberg. Es könnte sich eine kleine Sensation anbahnen: Gabriele Weil, die Nichte von Kurt Tucholskys erster Ehefrau Else Weil, hat in den ihr hinterlassenen Unterlagen jetzt auch eine Art Tagebuch von Else Weil entdeckt. Möglicherweise finden sich in diesen Aufzeichnungen, die die Jahre 1909 bis 1917 betreffen, auch Notizen zu einem Ausflug im Jahre 1911 von Berlin nach Rheinsberg. Dieser Ausflug, den Else Weil mit Kurt Tucholsky unternahm, gilt als literarische Vorlage für Tucholskys wohl bekanntestes Werk – die Erzählung „Rheinsberg, ein Bilderbuch für Verliebte“.

Museumschef fährt im Oktober nach London

Entsprechend aufgeregt ist Rheinsbergs Vize-Bürgermeister Peter Böthig. Zum einen ist Bö­thig zugleich Chef des Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums, zum anderen wird Bö­thig Mitte Oktober die Nichte von Else Weil in London besuchen. Gabriele Weil war 1939 mit ihrer Familie als kleines Kind nach England emigriert und lebt seitdem dort. Böthig hat vor Kurzem mit der inzwischen fast 90-Jährigen telefoniert. „Sie hat sich sehr über den Anruf gefreut und hat mich dringend eingeladen.“ Gabriele Weil ist die einzig noch lebende Verwandte von Else Weil. Ihre Ehe mit Tucholsky dauerte nur knapp vier Jahre und wurde bereits 1924 geschieden. Else Weil wurde Ärztin und wegen ihrer jüdischen Herkunft im September 1942 von den Nazis im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

Auch deshalb gibt es für Literaturforscher noch weiße Flecken in der Geschichte von Else Weil. Böthig hofft, dass sich einige Lücken durch die Tagebuchnotizen aufklären. „Ich werde sie auf jeden Fall abfotografieren“, sagte der Museumschef am Dienstag.

Die Nichte schenkte dem Museum schon einige Dokumente

Insgeheim hofft Böthig, dass Gabriele Weil die gut 100 Jahre alten Aufzeichnungen dem Rheinsberger Literaturmuseum eines Tages sogar überlassen wird. Immerhin hat Weil dem Museum auch schon zwei Fotos von Else Weil sowie einen ganzen Koffer mit Dokumenten der Familie geschenkt, darunter befinden sich Briefe des Großvaters, der aus Prenzlau (Uckermark) stammt sowie die Speisekarte mit dem Hochzeitsmenü der Eltern in Reimform samt einem Foto. „Es ist sehr selten, dass derartige Dokumente von einer jüdischen Familie erhalten bleiben“, so Bö­thig. Denn meist konnten sich Familien nur mit dem nötigsten vor den Nazis retten. Unterstützt wird die Reise von Böthig von der Moses-Mendelssohn-Stiftung.

Bekannt von Else Weil ist, dass sie als ältestes von drei Kindern eines jüdischen Kaufmannes im Juni 1889 in Berlin geboren wurde. Nach dem Besuch einer Höheren Töchterschule hatte sie 1910 an der Hohenzollernschule in Berlin-Schöneberg ihr Abitur abgelegt und begonnen, an der heutigen Humboldt-Universität zu studieren – erst Philosophie, nach einem Semester wechselte sie aber die Fachrichtung und studierte Medizin. Als eine von nur 90 Frauen in Deutschland erhielt Else Weil 1918 die Zulassung als Ärztin. Die Nazis entzogen jedoch 1938 allen jüdischen Ärzten die Approbation. Else Weil emigrierte nach Frankreich und wurde dort 1942 interniert und dann im KZ Auschwitz getötet. In Erinnerung bleibt sie den meisten als freche Claire im Rheinsberger Bilderbuch für Verliebte.

Von Andreas Vogel

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