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Ostprignitz-Ruppin Tanzen gegen Gewalt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tanzen gegen Gewalt
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15:37 21.02.2018
Weltweit hatten Vereine und Initiativen am 14. Februar zum Protest gegen Gewalt an Frauen und Mädchen aufgerufen. Quelle: Reyk Grunow
Neuruppin

Immer wieder hört Michaela Rönnefahrt von Menschen, die sich über die aktuelle Diskussion zu Gewalt gegen Frauen wundern. Die sagen, dass sie davon noch nie etwas mitbekommen haben. Die glauben, Diskussionen wie die um die Behandlung von Schauspielerinnen in Hollywood gehören nur dorthin. Michaela Rönnefahrt vom Neuruppiner Verein „Frauen für Frauen“ hat dafür wenig Verständnis. Gewalt gegen Frauen ist Alltag – auch hier. Als Mitarbeiterin im Neuruppiner Frauenhaus weiß sie das genau. Elf Frauen und drei Kinder finden dort gerade Unterkunft und Sicherheit vor den Übergriffen ihrer Partner. „Warum soll es das nur woanders geben?“, fragt sich Michaela Rönnefahrt.

Gut 150 Mädchen, Frauen und auch Männer haben sich am Mittwochvormittag auf dem Neuruppiner Schulplatz eingefunden, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen. Der Verein Frauen für Frauen, das Jugendfreizeitzentrum JFZ und die Evangelische Schule Neuruppin hatten dazu aufgerufen. Gemeinsam tanzten sie ab Punkt 11.15 Uhr fünf Minuten lang – zusammen mit Hunderttausenden anderen Menschen auf der gesamten Welt.

Klare Zeichen: Ein symbolträchtiges „Stop“ hatten viele junge Frauen am Mittwoch auf ihre Handflächen geschrieben. Quelle: Reyk Grunow

One Billion Rising“ ist eine weltweite Aktion, die die Aufmerksamkeit auf die Lage von Frauen und Mädchen in aller Welt richten will. „One Billion“, also eine Milliarde, steht dabei für die Zahl der Frauen, die selbst angeben, schon einmal Opfer von Gewalt geworden zu sein. Umfragen zufolge ist etwa jede dritte Frau davon betroffen. Zum vierten Mal beteiligten sich die Neuruppinerinnen und Neuruppiner an der Aktion.

Der Tanz ist eher Mittel zum Zweck. Er wird kaum jemanden von Übergriffen abhalten. Es geht eher darum, über die Tanzaktion die Diskussion auf das Thema zu lenken. „Wir sprechen auch vorher intensiv darüber“, sagt Michaela Rönnefahrt. Seit Wochen liefen die Vorbereitungen. Es gab Übungsabende, und auch an den Schulen wurde über Gewalt und ihre Folgen diskutiert. Die Evangelische Schule war mit weit mehr als 60 Schülerinnen und Schülern dabei, auch wenn die Jungs eher abseits standen und zuschauten. Aus Fehrbellin waren ebenfalls etliche Jugendliche und Lehrer zu der Aktion nach Neuruppin gekommen.

Gewalt gegen Frauen gibt es überall

Mit dem Thema Gewalt will sich auch die Brandenburgische Frauenwoche beschäftigen, die in Neuruppin am Dienstag, 6. März, mit dem Dokumentarfilm „Unter aller Augen“ eröffnet wird. Der 90-minütige Streifen, der vor einem Jahr in die deutschen Kinos kam, lässt nicht nur Frauen aus Bangladesch, Benin und der Republik Kongo von ihren Erfahrungen mit Gewalt berichten, sondern auch Frauen aus Deutschland. Sie erzählen von schlimmster Gewalt, die ihnen angetan wurde, von ihrem Überlebenskampf, ihren Ängsten und Hoffnungen sowie von ihren Versuchen, ein Leben jenseits der Gewalt aufzubauen. Auch Männer kommen zu Wort. Viele schildern Gewalt gegen Frauen als normalen Bestandteil ihres Alltags, getreu dem Prinzip: Wird die Frau geschlagen, hat sie es auch verdient.

Provokation zur Frauenwoche

„Selber schuld“ lautet das provokative Motto der diesjährigen Brandenburgischen Frauenwoche. „Wir wollen provozieren und uns gegen individuelle Schuldzuweisungen wehren“, sagt Marlies Grunst, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises.

In Ostprignitz-Ruppin wird ab 2. März zu gut einem Dutzend Veranstaltungen eingeladen. Sie reichen vom Weltgebetstag in der Heilig-Geist-Kirche in Wittstock am 2. März über eine Schreibwerkstatt unter dem Titel „Frauenblicke“ am 8. März im Neuruppiner Ratssaal, bis zur Frauen­disko im JFZ und dem Frauentheater Unverblümt, jeweils am 9. März in Neuruppin.

In der Siechenhauskapelle geht es am 14. März bei einer Podiumsdiskussion um die Lebensumstände geflüchteter Frauen, in den Museen „Alte Bischofsburg“ wird am selben Tag eine Sonderausstellung zur Gründung des Obertrikotagenbetriebes in Wittstock vor 50 Jahren eröffnet. Zu seiner Blütezeit arbeiteten dort 2900 Menschen, die meisten waren Frauen.

„Der Film ist sehr realistisch“, sagt Michaela Rönnefahrt. Er zeige, dass Gewalt gegen Frauen kein Einzelfall, sondern ein gesellschaftliches Problem sei, nicht nur in Asien und Afrika, sondern eben auch in Deutschland. Deshalb „ist die Frauenwoche der optimale Ort, um den Film zu präsentieren“, so Rönnefahrt.

Besonders froh sind die Organisatoren der Frauenwoche in Ostprignitz-Ruppin, dass die Dokumentation am 6. März sogar zweimal in Neuruppin gezeigt werden kann – einmal am Vormittag im Alten Gymnasium, einmal um 17 Uhr im Union-Filmtheater – und dass bei beiden Aufführungen die Regisseurin Claudia Schmid dabei sein und auch Fragen beantworten wird. „Das Grundproblem ist unter uns“, so Rönnefahrt. Auch deshalb werden bei den Vorführungen Mitarbeiterinnen des Frauenvereins mit dabei sein, die bei Bedarf Zuschauer betreuen. Der Eintritt ist jeweils frei, aber ab 18 Jahren.

Von Reyk Grunow und Andreas Vogel

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