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Tassen zum Verlieben in Rheinsberg

Keramikhaus ehrt Karl Fulle Tassen zum Verlieben in Rheinsberg

Es soll eine Huldigung sein: Die diesjährige Ausstellung des Keramikhauses Rheinsberg präsentiert nicht 100 Tassen eines Künstlers oder je eine Tasse von 100 Künstlern sondern 50 Arbeiten des Keramikers Karl Fulle – und dazu 50 Tassen von fünf Keramikerfreundinnen. Keramikhaus-Chef Wolfgang Titze hat das Ganze heimlich initiiert.

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Tasse von Karl Fulle.

Rheinsberg. „Es ist der humoristische Versuch, den Karl zu ehren“, sagt Wolfgang Titze. Der Chef des Keramikhauses Rheinsberg ist um Ideen rund um das Thema Keramik nicht verlegen. Beispiel: Die Aktion „Der Kanne neue Kleider“, bei der die typische Urform der Rheinsberger Teekanne durch namhafte Keramiker aus dem In- und Ausland immer wieder ein anderes Outfit erhält. Oder der Jahresbecher, der in jedem Jahr von einem anderen Künstler des Metiers in limitierter Auflage kreiert wird. Den ersten durfte der Rheinsberger Keramiker Karl Fulle gestalten – auch die erste der Kannen im neuen Kleid stammt aus seiner Werkstatt.

Karl Fulle (l) ist die Ausstellung gewidmet

Karl Fulle (l.) ist die Ausstellung gewidmet.

Quelle: Regine Buddeke

Karl Fulle ist einer derjenigen, der den Ruf der Stadt Rheinsberg als Keramikstadt maßgeblich mitprägt. In seiner Galerie stellt er nicht nur seine eigenen Arbeiten aus, sondern gibt regelmäßig auch Kollegen eine Plattform für deren Schaffen: Freunden wie Sigrid Artes und Ursula Zänker, die er vom Studium an der Burg Giebichenstein kennt und mit denen er von 1979 bis 1991 in Neuruppin ein Keramikatelier betrieben hat.

Dass er noch mehr Freunde hat, beweist die Ausstellung, die derzeit in der Remise des Rheinsberger Schlosses zu bewundern ist. „Fulle & friends“ heißt sie – der Anlass ist der 65. Geburtstag des Künstlers. „Eine Personalausstellung hat er abgelehnt“, sagt Titze über den von ihm geschätzten Kollegen. „Er fühlte sich dafür nicht alt genug.“ Vielmehr favorisierte Fulle eine gemeinsame Ausstellung mit Künstlern und Wegbegleitern – die schon viele Besucher fasziniert hat.

Tasse von Maria Ortiz

Tasse von Maria Ortiz.

Quelle: Regine Buddeke

Als kleines freundliches Gegenstück zu „Fulle & friends“ ist seit dem Töpfermarkt-Wochenende auch die Tassenausstellung „Fulle & Freundinnen“ im Keramikhaus Rheinsberg zu bewundern. Normalerweise ist es bei der 2009 erstmals ausgerichteten Schau „100 schönste Tassen“ üblich, dass im jährlichen Wechsel einmal hundert Künstler jeweils eine Tasse im riesigen Setzkasten ausstellen oder aber ein Künstler seine 100 besten Tassen präsentiert.

Die letzte Schau bestritt die Karwer Keramikerin Ursula Zänker. In diesem Jahr ist alles anders. „Ich habe Karl vor fünf Jahren gebeten, ob er die 100 schönsten Tassen machen könnte – das hat er brüsk abgelehnt“, erzählt Wolfgang Titze. „100 Unikate? Nein, das korrumpiert mich“, habe Fulle damals geantwortet. Ein wenig kann Titze es verstehen. Sein Kollege sei ein Künstler, der großen Wert auf die Qualität seiner Stücke lege, auch auf die Originalität. „Er würde nie etwas ausstellen, was nicht hundertprozentig gut ist. Und auch nie etwas, was kein Unikat ist – Serien sind nicht seine Sache.“ Daher sei es nachvollziehbar, dass 100 Tassen schon einen gewissen Leistungsdruck ausüben. „Ich habe andere Künstler gesehen. Nach 30 Tassen wird die Luft dünn“, so Titze.

Dennoch hat er sich von der Idee der 100 Fulle-Tassen nie ganz verabschiedet. Heimlich kaufte er „immer mal wieder das eine oder andere Stück“ von Fulle – wo immer er derer habhaft werden konnte. „Natürlich hat er sich irgendwann gewundert und nachgefragt“, so Titze. Er habe ein wenig herumgedruckst und gesagt, er habe nun mal viele Freunde zu beschenken, die Keramik mögen. „Zum Schluss habe ich alle gekauft. Kaum hat er welche ins Regal gestellt, da waren es schon meine“, so der Keramikhaus-Chef. Irgendwann habe er gezählt. „Immerhin 50 habe ich zusammenbekommen“, so Titze.

Tasse von Ursula Zänker aus Karwe

Tasse von Ursula Zänker aus Karwe.

Quelle: Regine Buddeke

Aber für das Regal, das 100 Tassen fasst, sei das zu wenig gewesen. Mit Seitenblick auf „Fulle & friends“ kam die Erleuchtung. „Ich wollte die Schau aber natürlich nicht Fulle und Girlfriends nennen“, so der Initiator. Aber Freundinnen sind es, die der Tassenausstellung nun den besonderen Anstrich verleihen. Tassen von Ursula Zänker, Maria Ortiz Gil, Evelyn Klam, Christina Renker und Frauke Neumeier bereichern die Form- und Farbenvielfalt der Tassen von Karl Fulle.

„Ich habe Karl beim Töpfermarkt gefragt, wie er die Tassen-Schau findet“, erzählt Wolfgang Titze.

„Er hat mich strafend angeschaut und gesagt, ich hätte ihn ruhig vorher fragen können. Er hätte dann noch schönere Exemplare beigesteuert.“

Titze jedenfalls ist zufrieden, die Ausstellung sei rundum gelungen – 20 Tassen sind bereits verkauft. Auch der Künstler habe sich inzwischen für die etwas unorthodoxe Geburtstags-Ehrung bedankt. „Ich habe mir das angemaßt“, resümiert Wolfgang Titze. „Und Karl hat es mir nachgesehen.“

Von Regine Buddeke

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