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Tatverdächtiger nach Gewalttat weiter auf der Flucht

Menschen in Alt Ruppin unter Schock Tatverdächtiger nach Gewalttat weiter auf der Flucht

Nach dem gewaltsamen Tod der langjährigen Bootsvermieterin Jutta K. steht der Neuruppiner Ortsteil Alt Ruppin unter Schock. Die Polizei fahndet zwar bundesweit mit Fotos nach Friedrich-Wilhelm Koch (39). Der Mieter von K. steht in dringendem Verdacht, K. in der Nacht zum Freitag getötet zu haben. Aber noch ist der als Gewalttäter bekannte Mann nicht gefasst.

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Hinter ihrem Haus in Alt Ruppin wurde die Leiche von Jutta K.am Freitagabend von Mietern gefunden.

Quelle: Julian Stähle

Alt Ruppin. Mit Entsetzen haben viele Alt Ruppiner sowie Bekannte und Freunde auf den gewaltsamen Tod von Jutta K. (61) reagiert. Die langjährige Bootsvermieterin, die im ganzen Ort und auch darüber hinaus bekannt war, war in der Nacht zum Freitag vermutlich von einem ihrer Mieter, dem 39-jährigen Friedrich-Wilhem Koch, getötet worden. Koch, der aus der Region stammt, möglicherweise ebenfalls unter seinem Geburtsnamen Borgwarth auftritt und als sehr gefährlich gilt, befindet sich auf der Flucht. Nach ihm wird von der Polizei mit mehreren Fotos bundesweit gefahndet. Auch noch am Montag: „Die Suche läuft weiter, wir haben ihn noch nicht gefunden“, sagte eine Polizeisprecherin am Montagmorgen.

Mit diesem Bus soll der Verdächtige (kleines Bild) geflohen sein

Mit diesem Bus soll der Verdächtige (kleines Bild) geflohen sein.

Quelle: Polizei

Von Mieter um Geld geprellt

„Das ist ein Schock“, sagte am Sonntag Tobias Netta. Der Chef des Rivercafés in Molchow war mit K. gut befreundet. „Das war so eine liebe Frau.“ Regelmäßig haben sich Netta und K. getroffen und geplaudert. Dabei hatte Netta auch von den Problemen erfahren, die K. mit einem ihrer Mieter hatte. Dieser hatte die Miete geprellt. Das ausstehende Geld wollte K. natürlich zurückhaben. Sie habe nur nicht recht gewusst, wie sie es eintreiben könne, sagte Netta. Denn der Mieter sei zunächst arbeitslos gewesen. Deshalb habe K. überlegt, sich an die Eltern des Mieters zu wenden.

Ob sie das getan hat, ist offen. Klar scheint jedoch zu sein, dass die Seniorin von einem anderen ihrer Mieter getötet wurde. „Das ist schlimm. Sie war eine nette und freundliche Person, die niemanden etwas getan hat“, sagte ein Nachbar, der mit K. 40 Jahre Haus an Haus gewohnt hat, aber nicht namentlich genannt werden will. Von der schrecklichen Tat hatte der Nachbar nicht am Freitagabend erfahren, als die Leiche von K. auf ihrem Grundstück von anderen Mietern gefunden wurde, sondern am Samstagfrüh. „Die Polizei hat bei uns in der Nacht nicht geklingelt“, sagte er am Sonntag fast entschuldigend.

Sorge um den Sohn

„Sehr erschüttert“ war ebenfalls Alt Ruppins Ortsvorsteherin. Heidemarie Ahlers hat K. bereits kennengelernt, als sie nach ihrem Studium im Alt Ruppiner Kindergarten als Erzieherin begann. „Jutta K. gehörte zu meinen ersten Kita-Kindern.“ Große Sorgen macht sich Ahlers um den jüngeren Sohn von K. Dieser ist zwar längst erwachsen, hat aber ein geistige Beeinträchtigung. Er hat seine eigene Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in der Friedrich-Engels-Straße. Die Polizei geht zwar davon aus, dass der Sohn von dem Gewaltverbrechen in der Nacht zum Freitag nichts bemerkt hat. Doch das beruhigt Ahlers nur teilweise. Denn K. habe sich immer stark dafür gemacht, dass ihr Sohn nicht in ein Heim müsse. Sie sei allein für ihn verantwortlich, habe K. stets gesagt, so Ahlers. Wie der Sohn nun betreut werden wird, das ist unklar. Neuruppins Polizeisprecherin Dörte Röhrs konnte dazu am Sonntag nichts sagen.

Opfer wollte in die Politik gehen

Jutta K. hatte „Rolfs Bootsvermietung“ seit vielen Jahren allein betrieben. Rolf war ihr Mädchenname. Ihre Eltern hatten in Alt Ruppin schon zu DDR-Zeiten Ruderboote vermietet. Im vergangenen Herbst gab Jutta K. den Bootsverleih in Alt Ruppin auf und verkaufte den größten Teil der Kajaks und Kanadier. Auch viele Privatleute aus den umliegenden Dörfern und aus Neuruppin deckten sich ein. Das Heben der schweren Boote ging Jutta K. auf die Knochen, dazu die ständige Anwesenheit – die 61-Jährige wollte gesund bleiben und noch etwas vom Leben haben , wie sie damals sagte. Gleichwohl habe K. erst vor Kurzem überlegt, die neue Freizeit auch fürs Gemeinwohl zu nutzen. Der Ortsvorsteherin sagte K., dass sie jetzt Lust hätte, in die Politik zu gehen und vielleicht im Ortsbeirat mitzuarbeiten. Heidemarie Ahlers hat das begrüßt. „K. kannte sehr viele Leute im Ort und hatte Geschick zum Verhandeln.“

Von Andreas Vogel und Christian Schmettow

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