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Tausende beim Erntefest in Bechlin

Riesentrubel auf der Dorfstraße Tausende beim Erntefest in Bechlin

Zum gemeinsamen Erntefest der Neuruppiner Ortsteile kamen am Sonnabend tausende Besucher ins kleine Bechlin. Die Einwohner hatten ihre Grundstücke herausgeputzt. Nach einem Festgottesdienst und dem Auffrischen der Städtepartnerschaft zwischen Neuruppin und dem polnischen Babimost setzte sich ein bunter Ernteumzug in Bewegung.

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Bechlin feierte zugleich das 700-jährige Bestehen des Ortes.

Quelle: Cornelia Felsch

Bechlin. Früh am Morgen war für viele Bechliner am Sonnabend die Nacht zu Ende. Schon in der Dämmerung regte sich Leben auf der Dorfstraße. Ausgestopfte, festlich gekleidete Strohpuppen harrten zwischen Sonnenblumen und Kürbissen der Dinge, die da kommen sollten. Nur noch wenige Stunden, dann musste alles rollen und funktionieren. Die Kirche geschmückt sein, wenn der Erntedankgottesdienst beginnt und Blaskapelle und Chor aus der polnischen Partnerstadt Babimost dort einziehen.

Bechlin war am Wochenende Schauplatz des zentralen Erntedankfestes der 13 Neuruppiner Ortsteile und feierte zugleich sein 700-jähriges Bestehen – 1315 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Bevor Ritter, feine Damen in barocken Gewändern, Kuhhirten, Wäscherinnen und vornehme Herren des öffentlichen Lebens die Straße beim Festumzug bevölkerten, versammelten sich die Bech­liner und ihre Gäste in der kleinen Feldsteinkirche.

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Zum gemeinsamen Erntefest der Neuruppiner Ortsteile waren am Sonnabend Hunderte auf den Beinen. Höhepunkt war der bunte Umzug durchs liebevoll geschmückte Dorf.

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Pfarrerin Susanne Graap hielt den Festgottesdienst. Sie dankte der Dorfgemeinschaft, dem Förderverein und der Kirchengemeinde, die sich in den vergangenen Jahren stark gemacht hatten, um die Sanierung der Kirche voranzutreiben. „Nun ist der Turm in Ordnung gebracht und die Wetterfahne auf dem neuen Dach sieht man schon von der Autobahn aus leuchten“, sagte sie. In ihrer Predigt erinnerte sie noch einmal daran, dass rund zehn Jahre bis zur Ausführung verstrichen sind. „Den Gedanken, die gesamte Kirche zu sanieren, haben wir bald wieder verworfen. Das überstieg unsere Möglichkeiten. Wir mussten überlegen, was unbedingt nötig ist.“ Nun ist die Turmsanierung abgeschlossen, die Turmuhr ist eingebaut und auch die Dohlen haben ihr neues Quartier bezogen. Zeit also, um Dank zu sagen, zu feiern und zu singen: „Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen...“

Städte erneuern ihren Partnerschaftsvertrag

Die Städtepartnerschaft Neuruppins zur polnischen Stadt Babimost wurde im Anschluss an den Gottesdienst feierlich aufgefrischt. Bernard Radny, Bürgermeister in Babimost, und Neuruppins stellvertretendes Oberhaupt Arne Krohn unterzeichneten in der Kirche den Partnerschaftsvertrag; der polnische Gast trug sich in das Ehrenbuch der Stadt Neuruppin ein. „Ich freue mich darüber, dass es in Europa heute möglich ist, in Frieden und Freundschaft miteinander zu leben“, sagte Arne Krohn. „Ich hoffe, dass es uns auch künftig gelingt, Partnerschaften weiter zu verdichten, vielen Dank für die deutsch-polnische Freundschaft.“

Der Chor aus Babimost begleitete den Gottesdienst musikalisch, die Blaskapelle der Babimoster Feuerwehr führte anschließend den liebevoll ausstaffierten Ernteumzug an. Bevor dieser allerdings startete, wetteiferten die Bürgermeister im Wikingerschach. Unter den Gästen aus Polen waren auch sechs Imker, die auf Einladung des Alt Ruppiner Imkervereins zum Gegenbesuch in das Ruppiner Land gekommen waren. Sie unternahmen am Nachmittag eine Kremserfahrt in die Heide. In den vergangenen Jahren weilten die deutschen Imker bereits mehrmals in Babimost zum Erfahrungsaustausch.

Dicht gedrängt erlebten die Zuschauer am Straßenrand die Geschichte der Region in lebendigen Schaubildern. Der Bechliner Reitverein und die Paddelklatscher präsentierten sich froh gelaunt, der Landwirtschaftsbetrieb Leinitz fuhr mit moderner Großtechnik vor. Die Wulkower Feuerwehr ließ die Sirene ertönen, der alte Trecker vom Waldhof Dathe meldete sich mit seinem tiefen Sound. Die Dorffrauen aus Radensleben winkten vom bunt geschmückten Wagen den gut gelaunten Besuchern am Straßenrand zu, der Wulkower Landwirt Sven Deter kam mit seinen beeindruckenden Fleischrindern nach Bechlin.

Frauen haben 245 Stunden an der Erntekrone gearbeitet

245 Stunden ihrer Freizeit haben die Bechliner Frauen geopfert, um aus Gerste, Hafer, Weizen und Roggen eine ansehnliche Erntekrone zu fertigen. Nun tragen sie die prächtige Krone stolz durch die Dorfstraße. Landwirtschaftstechnik von damals und heute rollt durch Hauptstraße und lässt die Menschenmenge winzig klein aussehen. Und auch der Pfarrer – dargestellt von Gerhard Neumann – in seinem langen schwarzen Talar lässt es sich nicht nehmen, am festlichen Umzug teilzunehmen. Zahlreiche regionale Anbieter säumen mit ihren Ständen den Straßenrand. Die Firma Wildlinge spendete 700 Douglasien, die an die Besucher verteilt wurden. Die freiwillige Spende dafür soll dem Erhalt der Bechliner Dorfkirche dienen.

Für das gute Gelingen des zentralen Erntefestes waren 70 Helfer im Einsatz, an vorderster Stelle mühte sich Andreas Schulz vom Förderverein der Bechliner Dorfkirche um den perfekten Ablauf. Obwohl zwischenzeitlich ein herrenloser Hund vermittelt werden musste, klappte doch alles wie am Schnürchen. Belohnt wurden die fleißigen Helfer schließlich von der Stadt Neuruppin – mit einer Geburtstagstorte.

Von Cornelia Felsch

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