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Tauziehen um Tourismus-Zuschüsse

Neuruppin Tauziehen um Tourismus-Zuschüsse

Es droht ein handfester Streit um die Zuschüsse für den Tourismus in Ostprignitz-Ruppin. Kyritz, Neustadt und Wusterhausen wollen in den Tourismusverband Prignitz wechseln, aber trotzdem weiter Geld aus Ostprignitz-Ruppin kassieren. Zugleich will der Landkreis OPR das Fördermodell grundsätzlich ändern. Die Verteilungskämpfe haben begonnen.

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Besonders viele Touristen zieht es jedes Jahr nach Rheinsberg und die umliegenden Gewässer.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Dem Tourismusverband Ruppiner Seenland droht Ungemach. Denn Kyritz, Neustadt und Wusterhausen wollen in den benachbarten Tourismusverband Prignitz wechseln. „Wir fühlen uns dort besser aufgehoben, weil es in der Prignitz keine so großen touristischen Leuchttürme wie Rheinsberg und Neuruppin gibt“, sagte die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke am Montagabend beim Wirtschaftsausschuss des Kreistages in Neuruppin.

Görke glaubt, dass im Prignitzer Verband strukturschwächere Tourismusregionen besser unterstützt werden als im Ruppiner Seenland. Gleichwohl wollen Kyritz, Neustadt und Wus­terhausen die Förderung, die Ostprignitz-Ruppin bisher dem Verband Ruppiner Seenland gewährt, auch im neuen Verein genießen. Schließlich ist Ostprignitz-Ruppin seit 1999 bereits in beiden Tourismusverbänden Mitglied. Der Grund: Der Fremdenverkehrsverein Wittstock, in dem die Dossestadt und Heiligengrabe Mitglied sind, hätte sonst keine Zuschüsse vom Landkreis für den Tourismus erhalten können.

Ruppiner Seenland hat die Nase vorn

Das Ruppiner Seenland ist eine der am stärksten nachgefragten Reiseregionen in Brandenburg. Mit knapp 1,5 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr lag es in der Mark auf Rang drei.

Die tatsächliche Zahl der Übernachtungen liegt dabei weitaus höher. Denn in der Statistik tauchen lediglich Hotels und Pensionen mit zehn und mehr Betten auf. Völlig unberücksichtigt bleiben zudem die Übernachtungen auf Hausbooten. Diese Art von Urlaub erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Die Prignitz setzt indes mangels touristisch attraktiver Gewässer – außer der Elbe – mehr auf den Radtourismus und ist für das von ihr entwickelte Knotenpunktsystem für Radwanderer ausgezeichnet worden.

Mit dem geplanten Wechsel von Kyritz, Neustadt und Wusterhausen will Ostprignitz-Ruppin sein Zuschussmodell grundsätzlich ändern. Zum einen, weil die Förderung auf 120 000 Euro erhöht werden soll. Zum anderen, soll der Zuschuss künftig nicht allein abhängig von der Einwohnerzahl sein. Vielmehr soll es künftig auch sieben Cent je Übernachtung geben. Dafür soll aber der Zuschuss von bisher einem Euro je Einwohner auf 40 Cent je Einwohner sinken. Das Ruppiner Seenland würde damit trotz eines geringeren Zuständigkeitsgebietes gut 86 000 Euro erhalten und damit rund 6000 Euro mehr als in diesem Jahr. Auch der Tourismusverband Prignitz würde dann mehr Geld aus Neuruppin erhalten, nämlich knapp 24 500 Euro statt wie in diesem Jahr 19 000 Euro. Doch dieser Vorschlag fiel am Montag beim Wirtschaftsausschuss durch. Lediglich der Lindower Rainer Hollin sprach sich dafür aus. „Wir haben die meisten Tourismusbetten. Das muss sich auch im Zuschuss widerspiegeln“, sagte der SPD-Abgeordnete. Sieben Cent je Übernachtung seien zudem keine Riesensumme. Im Ruppiner Seenland gab es im vergangenen Jahr fast 1,5 Millionen Übernachtungen, in der Prignitz hingegen nur knapp 300 000.

Wittkopf: Ruppiner Seenland trägt sich selbst

„Das Ruppiner Seenland trägt sich wegen der vielen Übernachtungen problemloser selbst als die Prignitz“, widersprach die Fehrbellinerin Anja Wolff (Bündnisgrüne). Wenn einer schwach ist, müsste man diesen auch stärken, stimmte der Neuruppiner Siegfried Wittkopf (Linke) zu. Deshalb sollte das bisherige Zuschussmodell beibehalten werden – ohne einen Übernachtungsobolus. Damit würde das Ruppiner Seenland nur noch mit 58 000 Euro gefördert und müsste einen seiner vier Mitarbeiter entlassen, der Tourismusverband Prignitz erhielte indes künftig 40 000 Euro aus Neuruppin.

Peter Krause, der Chef des Tourismusverbandes Ruppiner Seenland, hat für diese Sicht der Dinge keinerlei Verständnis. „Wenn eine Region 90 Prozent der Wirtschaftsleistung erbringt, aber nur mit 50 Prozent gefördert wird, ist das nicht nur ungerecht, sondern auch wirtschaftlicht schlecht.“ Krause verwies darauf, dass die Übernachtungszahlen im Ruppiner Seenland in den vergangenen Jahren enorm gestiegen sind. 2002 gab es gut 900 000 Übernachtungen, 2015 waren es mehr als 1,4 Millionen. Indes sanken die Übernachtungen in der Prignitz im selben Zeitraum von 320 000 auf 298 000.

Entscheidung fällt im Kreistag am 6. Oktober

Mit dem Votum des Wirtschaftsausschusses ist noch keine Entscheidung gefallen. Diese liegt beim Kreistag, der am 6. Oktober in Neuruppin berät. Zuvor diskutiert am 22. September der Kreis- und Finanzausschuss über das Thema.

Von Andreas Vogel

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