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Telschowsches Haus wird 450 Jahre

Denkmalschutz in Wittstock Telschowsches Haus wird 450 Jahre

Das Bürgerhaus Auf der Freiheit 8 in Wittstock hat eine lückenlose Biografie. Seit der Ersterwähnung im Jahre 1566 sind alle Besitzer und die Baugeschichte dokumentiert. Die früheren Bewohner hatten bis 1848 besondere Freiheiten: Sie waren von allen bürgerlichen Steuern und Lasten entbunden.

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Anita und Helmut Kmetsch mit dem Telschowschen Haus im Kleinformat.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Großer Bahnhof herrschte am Freitag rund um das Telschowsche Haus in Wittstock. Vor 450 Jahren wurde das Bürgerhaus erstmals erwähnt – und dieses Jubiläum feierten die Inhaber Anita und Helmut Kmetsch mit der Stadt und vielen Gästen. Das Ensemble „Flexemble“ der Kreismusikschule umrahmte den Nachmittag musikalisch.

„Wir danken allen, die uns in den vergangenen Jahren unterstützt und geholfen haben“, sagte Anita Kmetsch zum Auftakt der Feststunde. Dabei schloss sie von Förderern bis hin zu Handwerkern namentlich eine große Schar von Institutionen und Personen ein. Dank der Aufnahme in das Bürgerhausprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist das Telschowsche Haus umfassend saniert. Das Einzeldenkmal ist ein fünfachsiges und zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem hohen Mansardwalmdach. Es markiert zugleich den Zugang zum Amtshof. Im Juli 2006 kürte die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ das Haus zum Denkmal des Monats im Land Brandenburg.

Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann würdigte in seinem Grußwort das Engagement der Inhaber. „Sie haben über Jahre hinweg alles wieder hergerichtet. Bereits die Handwerker vor 450 Jahren haben hier Gutes getan und die Grundlage für den Fortbestand gelegt.“ Gehrmanns Dank an die Familie Kmetsch schloss „im übertragenen Sinne alle anderen privaten Investoren ein, die sich um ihre Häuser sorgen.“

Der Stadtsanierer Markus Hennen spannte den Bogen weit in die Geschichte zurück. „Markgraf Johann Georg schenkte das Haus am 4. Dezember 1566 dem Amtskastner Kaspar Wolter.“ Seitdem sind alle Besitzer sowie die gesamte Baugeschichte lückenlos bis zum heutigen Tag nachgewiesen und dokumentiert. Vier Umzüge liegen seit der Ersterwähnung hinter dem Telschowschen Haus. Doch nur auf dem Papier wechselte das 450 Jahre Bürgerhaus seinen Standort. Zuerst hieß die Anschrift Auf der Freiheit 14, wechselte dann zur Großen Burgstraße 68 über die Ernst-Thälmann-Straße 68 bis hin zurück zu Auf der Freiheit, aber jetzt mit Nummer 8.

Hans-Jürgen und Edith Telschow aus Berlin gehörten ebenfalls zu den Besuchern. Der 78 Jahre alte Hans-Jürgen Telschow ist ein Großcousin von Anita Kmetsch und kennt das Haus seit den 1950er Jahren. „Ich habe hier bis 1957 regelmäßig einen großen Teil meiner Ferien verbracht“, sagte er im Gespräch mit der MAZ. „Mit Anita und ihrem Bruder haben wir Gänse und Ziegen gehütet und die Gegend damals unsicher gemacht“, erinnerte er sich. Wasser und Toilette befanden sich damals noch auf dem Hof. 1920 übernahm der Malermeister Paul Telschow das Haus, und seitdem trägt es diesen Namen. Anita Kmetsch ist eine geborene Telschow und setzt nun die Familientradition im Haus Auf der Freiheit 8 fort.

Besondere Freiheiten:

Die Anschrift vom Telschwoschen Haus ist wörtlich zu nehmen: Die Straße Auf der Freiheit 8 bezieht sich auf die so genannte Amtsfreiheit. Damit gehörte dieser Bereich bis 1848 zum Amt und nicht zur Stadt.

Die Bewohner besaßen deshalb keine Bürgerrechte, hatten dennoch Freiheiten: Sie waren von allen bürgerlichen Steuern und Lasten entbunden.


Erst am 1. Oktober 1848 fiel diese Sonderstellung. Fortan gehörten die 35 Häuser und 250 Bewohner in der „Landgemeinde Amtsfreiheit“ zur Stadt Wittstock.

Der erste Bewohner des Hauses war der Amtskastner Kaspar Wolter. Dieser war im kurfürstlichen Amt für Rechnungen und Geschäfte zuständig. Zugleich übte er das Amt des Stadtrichters aus.


Von 1681 bis 1692 war in diesem Haus die erste Poststation in Wittstock untergebracht. Dies trug dazu bei, dass Wittstock eine erste regelmäßige Verkehrsanbindung erhielt. Bis Berlin dauerte eine Reise mit der Kutsche zu dieser Zeit gut 24 Stunden.

Von Christamaria Ruch

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