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Tempo 30 vor allen Kitas und Schulen

Wittstock Tempo 30 vor allen Kitas und Schulen

Runter vom Gas. Tempo 30 gilt seit dem Frühjahr vor Schulen, Kitas, Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern für alle Verkehrsteilnehmer. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Bundesrat grünes Licht für eine Änderung der Straßenverkehrsordnung gegeben. Nun ist der Landkreis in der Pflicht, diese Gesetzesvorgabe praktisch umzusetzen.

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Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Runter vom Gas. Tempo 30 gilt seit dem Frühjahr vor Schulen, Kitas, Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern für alle Verkehrsteilnehmer. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Bundesrat grünes Licht für eine Änderung der Straßenverkehrsordnung gegeben. Nun liegt allen Landkreisen ein Rundschreiben des Brandenburger Verkehrsministeriums vor, das die Umsetzung regelt. Für die Kommunen ist das quasi die Aufforderung beziehungsweise die Freigabe, entsprechend zu handeln

Dazu teilt die Pressestelle vom Landkreis in Neuruppin auf Nachfrage der MAZ mit: „Der entsprechende Erlass des Ministeriums sieht vor, dass bis zum Beginn des Schuljahres Anfang September alle in Frage kommenden Straßenabschnitte zu prüfen sind. Dies wurde veranlasst. Über ein Ergebnis kann dann entsprechend informiert werden. Die Anordnung entsprechender Begrenzungen und deren praktische Umsetzung, das Aufstellen der Schilder, wird erfahrungsgemäß dann nochmals einige Wochen dauern.“

Aufatmen in Berlinchen

Aufatmen herrscht auch in der Kita „Regenbogen“ in Berlinchen. Die Einrichtung machte seit Oktober vergangenen Jahres immer wieder auf die Problematik der zu schnellen Fahrzeuge vor der Kita auf sich aufmerksam (die MAZ berichtete). „Wir freuen uns sehr, dass nun Tempo 30 gilt“, sagt Kitaleiterin Angela Böhm auf MAZ-Nachfrage. Zugleich zieht sie ein Fazit: „Das war ein langer Weg bis zu diesem Erfolg. Der Protest war uns vor allem wegen der vielen Schwerlaster, die durch Berlinchen fahren, wichtig.“ Nun fühlt sich die Kitaleiterin gemeinsam mit den Eltern sicherer, wenn es um das Wohlergehen der Kitakinder geht. „Ich frage mich nur, warum das alles nicht schon eher neu geregelt werden konnte“, sagt Böhm

„Diese Regelung ist gut, endlich wird mal wieder etwas für unsere Kinder getan“, sagt Dietlinde Bolduan, Kitaleiterin im „Haus der kleinen Strolche“ in Heiligengrabe. Sie kann ebenfalls ein Lied von den Verkehrsproblemen vor der Kita singen. Die Einrichtung befindet sich direkt an der Bundesstraße 189, die durch Heiligengrabe führt und den Landkreis Ostprignitz-Ruppin mit der Prignitz verbindet. „Nicht mal die Verkehrsinsel vor der Kita hat für eine Verkehrsberuhigung gesorgt und dazu beigetragen, dass die Autofahrer sich an das bisher gültige Tempo 50 gehalten haben“, sagt Bolduan. Eine Bedarfsampel für Passanten vor der Kita drosselt den Verkehr. Ist sie aber abgeschaltet, passieren die Autos oftmals ungezügelt die Verkehrsinsel. „Es kommt immer wieder vor, dass wir mit einer Kitagruppe bei Grün über die Straße gehen, dann die Ampel wieder umschaltet und die Autos gar nicht alle Kinder über die Straße lassen“, sagt Dietlinde Bolduan.

Diese Sorgen kennt Leiterin Liane Schunke von der Kita „Trollblümchen“ in Blumenthal zum Glück nicht. „Die Kita befindet sich in einer Straße, die am Bahnhof endet und daher fahren die Autos nicht so schnell“, sagt sie. Und: „Tempo 30 vor den Kitas ist eine schöne Sache.“ Mit Blick auf die anderen Einrichtungen wie etwa die Kita in Heiligengrabe sagt sie: „Das bringt endlich für große Kitas mehr Ruhe.“

Neustadt wartet auf die Prüfungsergebnisse

In Neustadt wartet Amtsleiterin Kathrin Lorenz auf die Prüfungsergebnisse des Landkreises. Fast überall gelte vor entsprechenden Einrichtungen schon das Tempo­limit. Ausnahmen sind die Kindertagesstätten in Dreetz und in der Hohenofener Straße in Neustadt. „Das muss der Landkreis prüfen“, sagt Kathrin Lorenz. Die Ausnahme zur Regel zu machen, findet aber auch sie richtig: „Der Verkehr hat zugenommen und das sind ja meistens große Kindereinrichtungen.“ Da langsamer und besonders vorsichtig zu fahren, sei das mindeste. „Ich hab ja an manchen Stellen schon bei Tempo 30 Angst.“

Kein Bedarf mehr in der Gemeinde Wusterhausen

Als zuständige Fachbereichsleiterin in der Gemeindeverwaltung Wusterhausen erwartet Martine Vogel für die Stadt und die anderen Gemeindeteile wenige Auswirkungen. „Wir brauchen da keinen Bedarf mehr anzumelden. Wir haben schon alles erledigt.“ Vor sämtlichen sozialen Einrichtungen in der Gemeinde bestehen seit Jahren Tempolimits. Und das habe sich bewährt. Martina Vogel kann sich jedenfalls nicht erinnern, wann es zum letzten Mal einen Unfall mit Kindern vor Schule oder Kita gegeben hat. „Das mit dem Tempo 30 ist schon wichtig.“

Schulleiterin aus Kyritz begrüßt die neue Regelung

In der Kyritzer Lindenschule begrüßt Schulleiterin Gabriele Jennrich den neuen Grundsatz aber ausdrücklich: „Ich freue mich über die Regelung. Bisher hatte man uns ja noch nicht bedacht.“ Die Lindenschule in der Perleberger Straße ist eine der ganz wenigen sozialen Einrichtungen in der Stadt, vor denen Autos noch mit der vollen Geschwindigkeit unterwegs sein dürfen. Gabriele Jennrich hält das durchaus für ein Risiko – trotz Sperrgeländer und Fußgängerampel. Irgendwie habe es mit dem Tempo 30 bisher nie geklappt. „Nun ist ja auch unsere Schule endlich dran.“

Die zuständige Kyritzer Amtsleiterin Katharina Iredi verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Verkehrskonzept der Stadt, dessen Bestandteil solche Fragen ja seien. „Das heißt, dass wir solche Bereiche auch immer wieder auf den Prüfstand stellen werden.“ Ein weiteres Beispiel sei die Senioreneinrichtung in der Pritzwalker Straße. Bislang gilt Tempo 30 dort nur zeitlich befristet. Unter Umständen werde sich das nun ändern. Katharina Iredi hält das neue Gesetz für vernünftig. Es macht es den Kommunen leichter, aktiv zu werden. „Das ist ganz wichtig – gerade im Bereich von Kitas und Schulen.“

Von Christamaria Ruch und Alexander Beckmann

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