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Tennisspieler plagen Nachwuchssorgen

Wusterhausen Tennisspieler plagen Nachwuchssorgen

Vor 30 Jahren boomte der Tennissport dank Steffi Graf und Boris Becker, doch heute gehören die Vereine zu jenen, die wohl am allermeisten Nachwuchsnöte haben, zum Beispiel in Wusterhausen. Die Mitgliederentwicklung ist bei vielen Klubs alarmierend.

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Wusterhausener Tennis-Trio (v.l.n.r.): Vize-Vereinschef und Jugendwart Martin Kuska, Trainer Walter Springer und Kinder-Trainer Nils Bohnsack.

Quelle: Leßmann

Wusterhausen. Zu Fuß sind es nur ein paar Meter vom Parkplatz im Wald bis zum Tennisclub Wusterhausen. Außerhalb des Stadtkerns gelegen mit Blick über den Klempowsee, besticht das Vereinsgelände durch seine idyllische, ruhige Lage. „Der Standort ist phänomenal“, sagt Kinder-Trainer Nils Bohnsack aus Neustadt. Der Jugendwart und zweite Vereinsvorsitzende Martin Kuska aus Wusterhausen und Leistungssporttrainer Walter Springer aus Bückwitz nicken. Alle drei sind Kämpfer, wenn es um Tennis geht. Sie sind Menschen, die Tennis wirklich lieben. Und gerade sie spüren jetzt eine gewisse Ohnmacht, wenn sie an die Zukunft ihres Sports denken: „Ich glaube nicht, dass die Talsohle schon erreicht ist“, sagt Walter Springer und denkt daran, noch früher als bisher mit der Nachwuchsgewinnung anzufangen: „Wenn man nicht schon bei den Kleinsten anfängt, kommt auch nichts im Verein an.“ Die Sorgen des 45-Jährigen sind nicht unbegründet: Die Mitgliederentwicklung ist alarmierend – nicht nur in Wusterhausen.

Die großen Zeiten des Tennisbooms liegen in Deutschland lange zurück. Rund 30 Jahre ist es jetzt her, dass Boris Becker als damals jüngster Tennisspieler aller Zeiten das größte Tennisturnier der Welt in Wimbledon gewann und mit seinen 17 Jahren zum bejubelten Idol wurde. Über Nacht wurde Tennis zum Volkssport und die bereits seit den 1970er Jahren stark gestiegenen Mitgliederzahlen der Vereine legten noch mal kräftig zu. Neben Becker machten auch Steffi Graf und Michael Stich den Sport populärer denn je. Heute indes müssen Vereine wie der Wusterhausener Tennisclub mit seinen zurzeit 85 Mitgliedern von sich aus aktiv werden, um noch neue Spieler zu finden.

Felix Pogodda aus Kyritz ist seit vier Jahren dabei

Felix Pogodda aus Kyritz ist seit vier Jahren dabei.

Quelle: Ronny Leßmann

„Es fehlt die beständige Fernsehpräsenz“, ist sich Nils Bohnsack sicher: „Ich sehe mehr Fußball im Fernsehen als Tennis“, sagt der 13- Jährige aus Neustadt, der regelmäßig im Tennisverein Wusterhausen trainiert. Dass die Gründe für mangelndes Interesse vielschichtig sind, glaubt Walter Springer: „Aber klar, vor allem fehlt ein Vorbild mit der Strahlkraft eines Boris Becker.“ Die Zeiten, als Sportinteressierte die Weltrangliste so gut kannten wie die Bundesliga-Tabelle, seien längst vorbei. „Wer kennt denn heute unsere besten deutschen Spieler Alexander Zverev oder Angelique Kerber?“

Zudem sieht Springer auch in einer gestiegenen schulischen Belastung ein Problem: „Das Zeitfenster, in denen Kinder etwas unternehmen können, beschränkt sich heute maximal auf zweieinhalb Stunden.“ Hinzu komme laut dem Vize-Vereinschef Martin Kuska, dass man sich lieber zum Computerspielen verabrede als zum Sport: „Die riesige Auswahl an Freizeitangeboten ist auch ein Grund dafür, dass immer weniger und vor allem junge Menschen noch Tennis spielen.“ Die Mehrzahl laufe heutzutage neuen Trends hinterher, um sich nach einiger Zeit wieder etwas anderes zu suchen. Es sei auch schon schwierig gewesen, Leute für die Vorstandsarbeit zu gewinnen.

Martin Kuska ist seit zwei Jahren Jugendwart

Um das Interesse am Tennis zu wecken, bieten die Wusterhausener kostenlose Schnupperstunden an. „Wer einmal auf dem Platz steht, ist infiziert“, sagt Kuska: „Wir möchten den Leuten zeigen, wie schön dieser Sport ist und mehr Menschen dafür begeistern.“ Kuska ist seit zwei Jahren Jugendwart und seit einem Jahr der zweite Vorsitzende. Tennis spielt er mittlerweile fast sein halbes Leben lang. Mit sechs Jahren gestartet und seitdem viele Turniere bestritten, lässt sich der mittlerweile 18-Jährige heute zum Erzieher ausbilden und spielt und trainiert zudem im Tennisverein dennoch drei- bis viermal die Woche vor Ort den Nachwuchs. Als Jugendwart liegt ihm vor allem die Jugendförderung am Herzen: „Es geht vor allem darum, dass die Kleinen Spaß am Sport haben. Aber auch, dass die gefördert werden, die tatsächlich mal in den Leistungssport möchten.“

Dafür bemüht er sich zusammen mit dem Verein, die Jugendabteilung weiter auszubauen. Um das zu bewerkstelligen, musste ein Konzept her. Für den Wusterhausener Tennisverein heißt dieses Konzept: In die Jugend investieren. Und neue Wege einschlagen. Deshalb hatten der Vereinsvorsitzende Fritz Meyer und Ronny Sobek vor vielen Jahren schon die Idee, mit den Schulen aus der Region zusammenzuarbeiten. Doch das genügte nicht. „Wir müssen heute schon in die Kitas gehen, weil die Entscheidungsfindung sehr früh beginnt“, sagt Martin Kuska.

In der Tennis-Weltrangliste auf Platz 74

Diese Arbeit trägt nun erste Früchte, wie es zum Beispiel Felix Pogodda aus Kyritz beweist. Er ist seit vier Jahren Mitglied im Tennisclub und kam durch dieses Projekt zum Verein. „Mir macht Tennis großen Spaß“, erzählt der Zwölfjährige, dem das im Training mit Martin Kuska auch anzusehen ist.

„Tennis ist ein anspruchsvoller Sport. Was man mit zehn Jahren nicht kann, ist schwer aufzuholen“, weiß Profitrainer Walter Springer, der einst schon Tennisgrößen wie Tomàs Behrend zum Erfolg verhalf, der in der deutschen Daviscup-Mannschaft spielte und in der Tennis-Weltrangliste Platz 74 belegte.

„Früher haben die Eltern Tennis gespielt und dann auch ihre Kinder im Verein angemeldet. Heute steckt die Begeisterung der Kinder die Eltern an“, sagt Walter Springer, der auch weiterhin auf diesen Effekt hofft. Denn dem Sport und dem Verein fühle er sich sehr verbunden: „Diese Sportart liegt mir sehr am Herzen. Und ich weiß, wie wichtig die Jugendabteilung ist. Das besondere an diesem Verein ist, dass es hier zwar um einen Einzelsport geht, aber dennoch der Teamgeist unter den Jugendlichen trainiert wird.“

Der erste Tennisplatz war neben dem ehemaligen Schützenhaus

Auch Nils Bohnsack ist voller Begeisterung und betont, wie sehr sich der Verein für den Nachwuchs einsetze. Im Alter von sechs Jahren ging er zum Tennis. „Sieben Jahre ist das jetzt her“, berichtet der nunmehr 13-Jährige. Etwa drei bis vier Mal in der Woche ist er auf dem Platz anzutreffen. „Man muss viel trainieren, um die Technik zu beherrschen. Hat man die dann einmal drauf und kann sie im Turnier umsetzen, macht das einen schon ziemlich stolz.“ Tennis ist für Nils wichtig, es ist die Abwechslung auf dem Platz, die ihn reizt: „Beim Tennis ist Action.“ Kein Spiel sei wie das andere, man müsse sich immer auf einen neuen Gegner einstellen. „Das erfordert hohe Konzentration. Wenn man dann auf dem Platz steht, denkt man an nichts anderes mehr. Es ist einfach toll“, schwärmt der 13-Jährige, der in Neuruppin zur Schule geht.

Gegründet wurde der Tennisclub Wusterhausen schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Der erste Platz befand sich damals neben dem ehemaligen Schützenhaus, das heute ein italienisches Restaurant ist. Mit dem Zweiten Weltkrieg kam Tennis in Wusterhausen allerdings fast vollständig zum Erliegen. Dieser Sport fand in der Dossestadt erst Anfang der 1950er Jahre wieder zur alten Stärke zurück. 1952 wurde die Tennisanlage eingeweiht. „Doch es mangelte an Bällen und Schlägern“, erinnert sich Fritz Meyer. Er gehörte neben Roland Meuer und Lothar Schmidt zu jenen, die Anfang der dann 1970er Jahre frischen Wind in den Verein brachten und besonders in die Nachwuchsarbeit. Neue Spielfelder entstanden, das Vereinshaus wurde gebaut.

Interessenten können sich melden

Seit dem Tod des Vereinschefs Roland Meuer hat Fritz Meyer dieses Amt inne. „Er ist einer, der sich mit ganzem Herzen für den Verein einsetzt. Ohne ihn würde es den Verein in der heutigen Qualität nicht mehr geben“, ist sich Walter Springer sicher.

Wer Interesse hat, in seiner Freizeit in Wusterhausen Tennis zu spielen, kann sich an Martin Kuska wenden unter 0172/6 00 30 12.

Von Ronny Leßmann

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