Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Tests rund um den Fischaufstieg in Hohenofen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tests rund um den Fischaufstieg in Hohenofen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 09.05.2016
An den Fangvorrichtungen gibt es kein Vorbeikommen. Die dort registrierten Fische werden oberhalb des Wehres erneut erwartet. Quelle: Matthias Anke
Anzeige
Hohenofen

Es rauscht im Ohr. Wasserspritzer schlagen von allen Seiten. An den Beinen drückt sich das Dosse-Wasser vorbei. Aber wenigstens scheint die Sonne. Heute zumindest. Denn es gibt auch andere Wetterlagen innerhalb der 30 Tage, an denen Lars Härtel und René Linkohr mit ihren wasserdichten Wathosen inmitten des Flussbetts stehen müssen. So lange überprüfen sie ihre Fischzählanlage, die sie dort am Dosse-Wehr in Hohenofen installiert haben. Die beiden Beschäftigten vom Ingenieurbüro IPP Hydro Consult (IHC) aus Cottbus kontrollieren damit, ob die Fischaufstiegshilfen in der Dosse funktionieren.

„Hier schwimmen Rotaugen, Barsche, Gründlinge, Schmerlen, Hasel, Döbel, Güster“, zählt Linkohr auf. Sehr artenreich sei die Dosse demnach. Das lasse sich schon jetzt sagen, obwohl sie ihren Testzeitraum noch nicht mal zur Hälfte geschafft haben. Viel wichtiger aber ist: Die Fische schaffen es auch noch weiter als bis zu diesen ersten Gitterboxen, in denen sie aufgefangen und gezählt werden. Viele von ihnen schaffen es schließlich auch die Fischtreppe hinauf und damit direkt am Hohenofener Wehr vorbei.

Es handelt sich um einen „Vertical Slot“, wie es René Linkohr fachmännisch erklärt: „Kein Fisch kommt ungesehen hier hoch.“ Denn dort werden die Tiere ein zweites Mal registriert. Dazu haben die Fachleute quasi vor die Tür der Fischtreppe eine Reuse in die Dosse gelegt, an der es ebenso kein Vorbeikommen gibt. Die Fischtreppe funktioniert also offensichtlich. Ob die gesamte Anlage jedoch auch gut genug funktioniert, werde erst im Nachhinein die Auswertung ergeben. Falls nicht, müsste wohl nachgebessert werden.

„Wir lassen derzeit die Funktionskontrolle für den Fischaufstieg durchführen. Unterhalb des Wehres ist vor einiger Zeit schließlich alles verändert worden“, erklärt Ingenieurin Mareike Eichler vom Wasser- und Bodenverband (WBV) Dosse-Jäglitz mit Sitz in Neustadt den Sinn dieser Aktion. So ist seit dem Jahr 2014 die Dosse unterhalb des Hohenofener Wehres mittels einer Mauer auf einer Länge von hunderten Metern zweigeteilt. WBV-Geschäftsführer Gernot Elftmann erläuterte seinerzeit, was dieser Bau soll: „Wir strukturieren den Fluss an dieser Stelle neu, um den Anforderungen des Fischzuges gerechter zu werden.” Schwimmschwache Fische wie etwa Quappen oder Neunaugen sollen auf diese Weise die Fischtreppe neben dem Wehr besser erreichen können.

Diesen Fischaufstieg bis in die hintersten Laichgründe zu ermöglichen, schreibt die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor. Der WBV und das Unternehmen Strabag als ausführende Firma wurden damals über das Landesumweltamt beauftragt und bekamen das mehrere Hunderttausend Euro teure und über EU-Fördergelder finanzierte Projekt vom Land vollständig bezahlt. Viele Dorfbewohner jedoch stießen sich am Aussehen der Anlage inmitten des Flusses. Sie erinnerte manchen aufgrund ihrer T-Elemente an die Berliner Mauer.

Nur schwimmstarke Fische kamen durch

Stefan Blechschmidt erklärte seinerzeit als Referatsleiter für Gewässerunterhaltung im Landesumweltamt, weshalb so gehandelt werden musste: „Die Sohlgleite hin zum Wehr, das Anfang der 2000er Jahre gebaut wurde, funktionierte nicht. Nur schwimmstarke Fische kamen durch.” Der Wasserdruck sei mit 21 Kubikmetern je Sekunde zu hoch. Bereits seit 2009 hätten Fachleute deshalb darüber nachgedacht, wie das verbessert werden könnte. So sollte der Wasserdruck mittels der langen Mauer in der einen Hälfte des Flusses gesenkt werden. Die Funktion sei dabei wichtiger als die Ästhetik. Am Ende wurde die Mauer von oben her dann aber doch etwas gestutzt.

Jetzt soll laut Mareike Eichler vom WBV aber auch gewährleistet sein, dass alles so funktioniert, wie es gedacht war. Laut Lars Härtel und René Linkohr kommen oberhalb des Wehres jedenfalls täglich zwischen einem bis zu 150 Fische an. An einem der ersten Tage jedoch verfälschten Diebe ihr Ergebnis: Die etliche Kilo schwere Reuse oberhalb des Wehres wurde über Nacht hochgezogen und geleert.

Schilder warnen vor dem Betreten

Seither warnen Schilder davor, sich der Anlage zu nähern. Sie wird videoüberwacht. Zudem wurde ein behördliches Schreiben befestigt: „Hier findet im Auftrag des Wasser- und Bodenverbandes Dosse-Jäglitz in Absprache mit der Unteren Fischerei- und Naturschutzbehörde und dem Landesanglerverband Brandenburg eine Funktionskontrolle der Fischwanderhilfen statt. Alle Fische werden bestimmt, dokumentiert und schonend zurückgesetzt.“

Um den Fischbestand zunächst zu erfassen, wurde das Gewässer vorigen Herbst mittels einer Elektroanlage untersucht. Zum Erstaunen der Fachleute zeigten sich im Unterwasser Barben und sogar eine Äsche. Oberhalb wie auch unterhalb des Wehres wurden Hechte und zudem ein Aal sowie eine Quappe erfasst. „Das kann sich schon sehen lassen“, sagt René Linkohr. Einen so seltenen Fisch wie das Flussneunauge bekam er allerdings noch nicht zu sehen. „Das wäre ja auch der Wahnsinn.“

Von Matthias Anke

Sie verwaltet die Geschichte ihres Heimatdorfes Sewekow. Heidi Kübler übernahm vor acht Jahren das Ehrenamt der Ortschronistin. Bei der 64-Jährigen fließen die Fäden der Geschichte zusammen. Doch die Chronik verstaubt nicht nur im Regal: Im „Sewekower Rundbrief“ lesen die Einwohner spannende Geschichten von damals.

09.05.2016
Prignitz Späte Ankunft, schnelles Gelege - Tetschendorfs Störche sind zurück

Viele Störche gibt es in der Region um Tetschendorf nicht: Die Landschaft bietet nicht allzu viele Futterquellen für die eleganten Segler. Seit 2001 gibt es jedoch wieder einen Horst in Tetschendorf, der bis auf ein Jahr auch regelmäßig besetzt war. Das diesjährige Storchenpaar kam spät, bebrütet aber nach rund einer Woche bereits sein Gelege.

07.05.2016

Im langen Gehrock, mit auf dem Rücken verschränkten Armen und festem Schuhwerk: So könnte Theodor Fontane als Wanderer einst Brandenburg erkundet haben. Eine Kunstaktion will den preußischen Schriftsteller in Erinnerung rufen. Künstler Ottmar Hörl stellt 400 Fontane-Skulpturen in Neuruppin, der Heimatstadt des Dichters, auf.

06.05.2016
Anzeige