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Teures Schweigen: Dealer als Zeuge verweigert Aussage

Zeugenvernehmung gescheitert Teures Schweigen: Dealer als Zeuge verweigert Aussage

18 Kilogramm Marihuana soll ein 29-Jähriger zwischen April und Oktober 2015 in Lindow erworben haben. Das für Mittwoch geplante Urteil musste verschoben werden. Der Mann, der dem Angeklagten Drogen verkauft haben soll und unter anderem dafür bereits 2016 zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, stand als Zeuge vor dem Landgericht Neuruppin – und schwieg.

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Quelle: dpa

Neuruppin. Nein, er sagt nichts. Weder gutes Zureden noch die Verhängung eines Ordnungsgeldes brachten Mario G. dazu, am Mittwoch als Zeuge vor Gericht auszusagen.

Wegen Handels mit Marihuana im Kilobereich vor Gericht

„Wir wollen wissen, ob und gegebenenfalls welche Geschäfte Sie mit dem Angeklagten gemacht haben“, fragte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann. Wegen Drogenhandels muss sich Robin E. derzeit vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29-Jährigen vor, zwischen April und Oktober 2015 insgesamt 18 Kilogramm Marihuana in Lindow erworben zu haben. Außerdem soll er am Lindower Bahnhof ein weiteres Kilogramm gekauft haben.

Der Zeuge Sebastian K. hatte am ersten Verhandlungstag den Angeklagten als einen der Abnehmer von Mario G. bezeichnet. G. war im vergangenen Jahr wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Sein ehemaliger Nachbar, Sebastian K., hatte ihn damals belastet. „Ich war sein Laufbursche“, das wiederholte der 22-Jährige am Dienstag vor Gericht. Sebastian K. war es demnach, der auf Anweisung von Mario G. aus einem Erdversteck in der Nähe der Sportschule Lindow mit dem Fahrrad die georderte Menge Marihuana holte und sie dem jeweiligen Abnehmer an einem vereinbarten Treffpunkt übergab. Und einer der Abnehmer soll Robin E. gewesen sein.

Für Verteidiger ist Zeuge ein „dreister Lügner“

Der Angeklagte aus Oberhavel soll es auch laut Sebastian K. gewesen sein, dem er selbst einmal ein Kilogramm Marihuana auf eigene Rechnung verkauft hat. Das Geschäft kam über Maik K. zustande. Übergabeort war der Bahnhof in Lindow. Dort stieg Sebastian K. in einen weißen Audi, in dem der Angeklagte und Maik K. saßen. Beide überprüften den Stoff und gaben ihm einen Briefumschlag mit dem vereinbarten Geld. Statt der ausgemachten 4800 Euro waren es nur 2000 Euro wie sich später herausstellte.

Für seine Handlangerdienste habe er nichts bekommen, hatte Sebastian K. vor Gericht ausgesagt. In einer anderen Vernehmung hatte er jedoch von einem Botenlohn gesprochen. Für Verteidiger Thomas Penneke hat sich der Zeuge damit „als dreister Lügner entlarvt“, auch in Bezug auf seinen Mandanten.

Verurteilter Dealer verweigerte die Aussage

Aufklärung erhoffte sich das Gericht nun von Mario G. , der aus der Haft vorgeführt wurde. Er ist für die Vorwürfe, die im vorliegenden Fall zur Rede stehen, bereits rechtskräftig verurteilt. Doch der 38-Jährige berief sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht. Grund: Gegen seine Frau läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren. „Deshalb soll ich nichts sagen, hat mein Anwalt gesagt“, so Mario G. Ihr wird vorgeworfen, zwischen Januar und März 2016 zwei Kilogramm Marihuana für 10 000 Euro auf Kommissionsbasis verkauft zu haben. Das betrifft einen Zeitraum, in dem ihr Mann bereits in Untersuchungshaft saß.

„Wir sehen kein Aussageverweigerungsrecht, das Ihnen zusteht“, sagte Richter Lechtermann. Das akzeptierte Mario G. so nicht, er wollte seinen Verteidiger fragen und ihn auch für seine Zeugenvernehmung als Beistand an seiner Seite haben. Das lehnte die Strafkammer ab.

Auch Ordnungsgeld brach das Schweigen nicht

Daraufhin schaltete Mario G. auf stur. Ja, er kenne Robin E., aber ob er ihm Drogen verkauft habe, daran könne er sich nicht erinnern. „Das glaube ich Ihnen nicht“, sagte Lechtermann. Man könne das Verhalten von G. als Aussageverweigerung werten, das mit Ordnungsgeld, -haft oder Beugehaft belegt werden könne.

Nach dieser Belehrung fragte Lechtermann: „Ändert sich etwas?“ Mario G. blieb dabei: „Wenn ich mich nicht erinnern kann, kann ich mich nicht erinnern.“ Daraufhin verhängte das Gericht ein Ordnungsgeld von 500 Euro ersatzweise zehn Tage Ordnungshaft. „Abführen!“ ordnete Lechtermann an. Mario G. musste zurück ins Gefängnis, aber nicht nach Luckau-Duben, wo er bisher einsitzt, sondern vorübergehend nach Wulkow. Zeuge Maik K. verweigerte die Aussage, weil gegen ihn ein Verfahren wegen der vorliegenden Vorwürfe läuft.

Statt des für Mittwoch geplanten Urteils setzte das Gericht einen weiteren Termin für den 4. Januar an. „Zu dem werden wir Mario G. noch einmal zu uns bitten“, sagte Lechtermann. In der Hoffnung auf etwas mehr Gesprächsbereitschaft.

Von Dagmar Simons

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