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Textile Gemälde in Neuruppin zu sehen

Fadenspiele Textile Gemälde in Neuruppin zu sehen

Sie sehen aus wie Pastelle – sind aber aus Fäden und Fasern gestaltet. Landschaften, Blüten oder abstrakte Formen – aus der Hand eines Ehepaars, dass sich schon seit Jahrzehnten mit der Textilkunst beschäftigt. Bärbel und Klaus Kühn leben seit 2001 in Rheinsberg und stellen ihre einzigartige Kunst derzeit in der Siechenhauskapelle Neuruppin aus.

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Bärbel (2. v. l.) und Klaus Kühn (2. v. r.) mit Laudator Günter Rieger (r.)

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Ein Teich inmitten goldener Felder, eine karg-romantische Moorlandschaft, ein Weg, der sich zwischen zwei Bergen hindurchschlängelt, ein lichtes Birkenwäldchen. Die postkartengroßen Landschaften strahlen innere Ruhe aus. Dabei leuchten sie in sanften Farben – wie mit Buntstiften oder Pastellkreide gemalt, scheint es. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass es doch kein Pastellgemälde ist. Das Bild besteht aus Wolle, Fäden und textilen Fasern. In feinsten Farbabstufungen, Faden über Faden geschichtet, wirken sie wie gemalt. Weiße, zerzauste Fasern wirken wie feine Zirruswolken, den Bäumen verleihen die gekräuselten Wollstrukturen Plastizität und naturnahe Optik. Die gekordelten Fadenstränge geben dem Wasser eine bewegte Wellenstruktur.

Eine Landschaft, wie von den Impressionisten gemalt

Eine Landschaft, wie von den Impressionisten gemalt.

Quelle: Regine Buddeke

Bärbel und Klaus Kühn sind europaweit die einzigen, die solcherart textile Malerei schaffen. Nicht ganz von ungefähr: sie ist Textilfachverkäuferin und Handweberin, er ist Handweber und Textilgestalter in dritter Generation und machte seinen Abschluss an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg. Bis 2001 lebte das Paar im sächsischen Hainichen in einem 1786 erbauten Innungshaus der Tuchmacher, das sie liebevoll sanierten und als Handweberei nutzten. Seit 2001 leben sie in Rheinsberg und stellen – das erste Mal öffentlich – ihre Werke aus: in der Neuruppiner Siechenhauskapelle.

Abstrakt

Abstrakt.

Quelle: Regine Buddeke

25 Gäste sind zur Vernissage gekommen, darunter viele Freunde der beiden aus den Zeiten in Hainichen. Es sei dies wohl der erste Beitrag zu den heranrückenden Fontanefestspielen, beschreibt es Laudator Günter Rieger. Denn auf den Fadengemälden ließen sich nur zu gut die Wanderungen nachvollziehen, die auch Fontane in freier Natur so inspiriert haben zur Kunst. „Sehr poetische Landschaften, sehr einfühlsam gesehen“, schwärmt er. Und das aus diesem so ungewöhnlichen Material, das in früheren Zeiten sehr viel mehr in den künstlerischen Alltag gehört hat – man denke nur an die prächtigen Gobelins in Schlössern und Burgen. „Ein Material, das wärmt“, sagt er und lobt die Ausstellung als „eine Entdeckung, eine Überraschung und eine Bereicherung für alles, was wir bislang über textiles Kunsthandwerk und Malerei wissen.“

Fein geschichtet wie Sediment

Fein geschichtet wie Sediment: eine Gebirgslandschaft.

Quelle: Regine Buddeke

Die Gäste sind neugierig und belagern die Werke. Auf einem Tisch liegen briefmarkengroße Miniaturen – man muss schon fast die Nase daranhalten, um die Machart zu erkennen. „Die mache ich mit der Lupe“, gesteht Bärbel Kühn. Zur besseren Veranschaulichung hängen auch vergrößerte Foto-Drucke einiger Werke an der Wand. „Ein Maler ist mit dem Pinsel schneller“, sagt Bärbel Kühn. Manchmal dauere ein Bild bis zu sieben Tage, erklärt sie, während ein Malerfreund von ihr nach einem Morgenspaziergang mit gleich drei, vier fertigen Aquarellen zurückkam. Die abstrakteren Bilder – eines mutet an wie eine exotische Blüte – stammen aus ihrer Feder. „Mein Mann ist der fürs akkurat gelegte“, sagt sie. „Ich mache die romantischen Landschaften.“ Grundsätzlich jedoch gilt – beide arbeiten eng miteinander. „Jede Arbeit geht bei uns immer durch vier Hände“, sagt Klaus Kühn. Das gilt insbesondere für die handgewebten Beiderwand-Teppiche, die auch ausgestellt sind. Ihr Ursprung ist de Orient, im 18. Jahrhundert kamen sie nach Europa. Das Gewebe zeichnet sich dadurch aus, dass sich das Motiv auf der Rückseite umgekehrt wie ein Negativ wiederholt.

Eine Landschaft wie im Morgennebel

Eine Landschaft wie im Morgennebel.

Quelle: Regine Buddeke

Die Idee zu den Fadengemälden ist einem Zufall zu verdanken. Für einen großen Gobelin-Auftrag galt es, Vorlagen-Skizzen für die Weber anzufertigen. Die wurden normalerweise gezeichnet – in Ermangelung der passenden Farben für den Entwurf fertigte Klaus Kühn ihn gleich aus den Textilfasern, die im Gobelin zum Einsatz kommen sollten. „Eine befreundete Architektin wollte uns damals die Entwürfe abkaufen“, erzählt Bärbel Kühn. So entstand die Idee, die Fadenbilder als eigenständige Kunstgattung weiterzutreiben.

Von Regine Buddeke

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