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Theaterpremiere in Katerbow

Moderne Samaritergeschichte Theaterpremiere in Katerbow

Vor 18 Jahren probte der damalige Katerbower Pfarrer mit Jugendlichen ein Theaterstück ein. Inzwischen hat Katerbow längst keinen Pfarrer mehr. Die Theatergruppe führt aber immer noch jedes Jahr ein neues Stück auf.

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Die Laienspieltruppe von Katerbow.

Quelle: Frauke Herweg

Katerbow. Als die Katerbower Theatergruppe ihr erstes Stück gab, war Kevin Brzosa noch ein Kleinkind. In seinem Wohnzimmer hatte der damalige Pfarrer ein Theaterstück mit Jugendlichen eingeübt. Inzwischen hat das Dorf längst keinen Pfarrer mehr. Doch die Theatergruppe trifft sich immer noch. Brzosa, heute 20 Jahre alt, ist eines ihrer Stammmitglieder. Meist übernimmt er den Part des Erzählers. „Es freut mich, wenn man die Leute zum Lächeln bringt.“

Am Sonnabend präsentierte die Theatergruppe in der voll besetzten Katerbower Kirche ihr inzwischen 18. Stück. Nach Aufführungen von „Peter und der Wolf“, „Hänsel und Gretel“ oder Dickens Weihnachtsgeschichte hatte die Truppe erstmals ein eigenes Stück geschrieben – eine moderne Variante des barmherzigen Samariters. Nicht jedes Wort saß, mitunter musste der Souffleur aushelfen. Doch als Michelle Brzosa und Michaela Böttcher in der Rolle von zwei Jugendlichen in den Altarraum stürmen, sind die Zuschauer gebannt. Hemmungslos entkorken die beiden Darstellerinnen Bierflaschen in der Kirche, machen Selfies mit dem auf dem Boden liegenden Verletzten – das war großartig wie beklemmend gespielt.

„Wir hoffen, mit diesem Stück die Herzen weit zu machen“, sagt Regisseur Peter Oblaski. In der Woche arbeitet Oblaski als Mediziner in Berlin, an den Wochenende ist er in Katerbow. Er ist der einzige in der Gruppe, der einmal ein professionelle Schauspielausbildung absolviert hat. „Das war eine tolle Zeit damals“, sagt er. „Da lernt man sich kennen.“ Oblaski gefällt es, etwas mit dem Dorf und für das Dorf zu machen. An die ersten Stücke der Gruppe erinnert er sich noch gut. Damals, sagt er, sei die Kirche noch nicht beheizt gewesen. „Eltern brachten einen Kanonenofen mit“, sagt er. „Die ganze Kirche roch nach Diesel.“

14 Leute gehören in diesem Jahr zum Ensemble – die Techniker miteingerechnet, die für künstlichen Nebel in der Kirche und die Bild- und Texteinspielungen sorgen. In der Theatergruppe, in der am Anfang vor allem Jugendlichen spielten, machen inzwischen alle Generationen mit. Jürgen Apelt ist mit 70 Jahre der älteste Darsteller und zugleich eines der Stammmitglieder der Truppe. Seit gut zehn Jahren ist er mit dabei. „Ich bin das älteste, aber nicht das dienstälteste Mitglied der Gruppe“, sagt er mit einem Lächeln.

In Dickens Weihnachtsgeschichte hatte Apelt den bösen Geizhals Scrooge gegeben. Im aktuellen Stück mimt er einen selbstbezogenen Neurotiker, der sich mehr mit den kaputten Gehwegplatten beschäftigt als mit dem verletzten Reisenden, der seine Hilfe braucht. Für seinen Part hat Apelt einen längeren Monolog auswendig lernen müssen. Eine Herausforderung, wie er findet. „Man merkt schon, dass es inzwischen länger dauert, solche Passagen zu lernen“, sagt er. „Aber dieses Gefordertwerden gefällt mir eben auch.“

Im September, manchmal schon im August beginnen die Proben für das jeweilige Stück. „Das ist Stress“, sagt Kevin Brzosa, dessen Schwestern inzwischen auch Theater spielen. Im nächsten Jahr will er trotzdem wieder dabei sein – „weil wir eine so eingeschworene kleine Gemeinschaft sind.“

Von Frauke Herweg

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