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Hermann Höcker ist der Neue in Netzeband

Saisonauftakt für den Theatersommer Hermann Höcker ist der Neue in Netzeband

Er hat den „Pinochio“, das „Dschungelbuch“ und „Die Schatzinsel“ inszeniert. Bald beginnen die Proben für „König Richard III.“ Hermann Höcker ist der neue künstlerische Leiter des Netzebander Theatersommers.

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Gestrandet auf der Schatzinsel: Hermann Höcker in der Rolle des „Long John Silver“.

Quelle: Peter Geisler

Netzeband . Man könnte es sich einfach machen. Man könnte sagen: Richard III. ist der Skrupelloseste unter den Skrupellosen. Der Entsetzlichste in einer entsetzlichen Welt. Doch Hermann Höcker macht es sich nicht einfach. Er will den äußerlich so wenig ansehnlichen Richard als „großen Verführer, als fantastischen Strategen, guten Schauspieler“ zeigen. Höcker ist fasziniert von dem machthungrigen König. „Er ist so ein moderner Typ“, sagt er. „Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie man in einen Schlangengrube von Gleichgesinnten nach oben kommt.“

Ab 1. August wird Höckers Version von William Shakespeares „König Richard III.“ im Netzebander Theatersommer zu sehen sein. Erstmals hat Höcker die künstlerische Leitung des Theatersommers übernommen. Ein Titel, um den der 58-jährige Regisseur nicht viel Gewese macht.

Seit langem schon ist der in Berlin lebende Höcker dem Theatersommer verbunden. 2006 hatte er erstmals eine Wiederaufnahme von „Ronja Räubertochter“ betreut. In den Sommern danach inszenierte er „Pinochio“, das „Dschungelbuch“, „Alice im Wunderland“ und „Die Schatzinsel“ – allesamt Familientheaterstücke, bei denen es einen großen Spagat zu bewältigen gilt. „Ich möchte für die Kinder schöne Bilder schaffen und für die Erwachsenen komödiantische Elemente einbauen.“

Im vergangenen Sommer war „Die Schatzinsel“ zum ersten Mal in Netzeband zu sehen gewesen. In diesem Jahr strandet das Piratenschiff „Hispaniola“ ein weiteres Mal unter den Gutspark-Bäumen. Weil dem Ensemble der Darsteller des „Long John Silver“ abhanden gekommen ist, spielt Höcker den schlauen John Silver selbst – eine Rolle, die rein äußerlich auf den groß gewachsenen, silberbärtigen Höcker bestens passt.

Vor kurzem begannen die Proben für die „Schatzinsel“. Wie immer in den Sommermonaten richtete sich Höcker mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Judith Steinhäuser, die in Netzeband schon in vielen Rollen zu sehen war, einen Wohnwagen am Rande des Gutspark ein. Auch andere Schauspieler haben dort einen Wohnwagen. Manchmal sitzen sie Abends zusammen vor den Wagen und quatschen.

Während der Sommermonate arbeitet Höcker in Netzeband. Den Rest des Jahres tourt der Freiberufler durch den gesamten deutschsprachigen Raum. Seit vielen Jahren ist er als Regisseur und mitunter auch als Schauspieler für den größten deutschen Tourneeveranstalter unterwegs. Zuletzt stand er im „Kaukasischen Kreiskreis“ in der Rolle des Dorfrichter-Gehilfen selbst auf der Bühne. Zuvor hatte er die Tourneeleitung für eine Dramatisierung von Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ übernommen. „Wir sind fast jeden Tag woanders“, sagt er.

Nach Netzeband kam Höcker über den bisherigen künstlerischen Leiter Frank Matthus. Bei einem „Zauberberg“-Projekt lernten die beiden sich kennen. Ziemlich schnell war klar, dass sie gut zusammen arbeiten würden. „Hast du eine Idee für ein Stück, das nach Netzeband passt?“, fragte Matthus damals. Höcker antwortete spontan: „Schillers Räuber, Kleists Hermannschlacht oder Shakespeares Macbeth.“ Es wurde Macbeth.

Was Höcker an Netzeband so fasziniert? „Dieser fantastische, offene Raum“, sagt er. Die enorme Herausforderung, den großen Naturraum mit Bildern zu füllen. „Die Theaterbühne ist in sich begrenzt“, sagt Höcker. „Hier habe ich ganz andere Möglichkeiten.“

Fünf Profischauspieler sind für „Die Schatzinsel“ und „König Richard III.“ verpflichtet worden. Erfahrene und auch einige jüngere Amateure übernehmen den Rest der Rollen. Mit einigen arbeitet Höcker schon seit mehreren Sommern. „Da hat eine ganz große Entwicklung stattgefunden“, sagt er. Auch das bindet.

Im vergangenen Jahr spielten die Darsteller fast immer vor ausverkauften Plätzen. Steht Höcker unter Druck am Ende der Saison wieder eine Superbilanz zu präsentieren? „Nein“, sagt Höcker schlicht. Er sei eher „gespannt“. Meist feilt er mit seinem Team bis zum letzten Moment an Kleinigkeiten. Das gehört dazu. „Ich sage nie, ich bin fertig. Ich sage nie, ich bin mir sicher.“

Von Frauke Herweg

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