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Theodor Calmons Grab entdeckt

Kyritz Theodor Calmons Grab entdeckt

Während die Menschen hierzulande auf den Friedhofsgräbern Blumen niederlegen, sind es in der jüdischen Gedenkkultur Steine. Und so hatten sich Kyritzer Diercke-Oberschüler auch welche mitgenommen, bevor sie sich kürzlich auf die Suche nach dem Grab des früheren Kyritzers Theodor Calmon in Berlin begaben und es fanden. Es sind zudem besondere Steine.

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Steine aus dem Gehweg der Kyritzer Prinzenstraße liegen jetzt auf dem Calmon-Grab.

Quelle: privat

Kyritz/Berlin. Seit März erinnern zwei Plaketten im Pflaster vor dem Haus der Kyritzer Prinzenstraße 1 an die beiden letzten jüdischen Bürger der Stadt: Theodor Calmon, geboren 1856 in Kyritz, wurde 1936 aus seiner Heimat vertrieben und starb wenig später in Berlin. Seine Tochter Henny Lucie hatte die Stadt schon Jahre zuvor verlassen. Sie wurde 1942 ins Konzentrationslager Sobibor deportiert und dort ermordet.

Bei der Veranstaltung rund um die Verlegung der sogenannten „Stolpersteine“ erinnerten Schüler der Kyritzer Carl-Diercke-Oberschule an die Geschichte der Kaufmannsfamilie Calmon. Zu dieser hatten sie ausgiebig geforscht und sich dabei auf die jüngsten Recherchen der früheren, mittlerweile aber verstorbenen Kyritzer Heimathistorikerin Dorte Schmeissner berufen können. Und sie ließen nicht locker: „Wir haben vor einigen Tagen auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee das Grab von Theodor Calmon gefunden“, berichtet Kathrin Hoppe. Sie ist die Religionslehrerin der Diercke-Schüler.

Der Religionskurs der Klasse 10 a von der Kyritzer Carl-Diercke-Oberschule vor dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee

Der Religionskurs der Klasse 10 a von der Kyritzer Carl-Diercke-Oberschule vor dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee

Quelle: privat

Das vom Sockel gestürzte und verwilderte Grabmal legten sie kurzerhand frei. Als respektvolle Geste zierten die Schüler es anschließend mit drei Pflastersteinen. Denn in der jüdischen Gedenkkultur werden eben Steine statt Blumen verwendet.

Die Zehntklässler befreiten den umgestürzten Stein zunächst von allerhand Gestrüpp

Die Zehntklässler befreiten den umgestürzten Stein zunächst von allerhand Gestrüpp.

Quelle: privat

Die Schüler hatten dazu jene Steine aus der Kyritzer Prinzenstraße dabei, an deren Stelle sich jetzt die vom bundesweit bekannten Aktionskünstler Gunter Demnig verlegten, mahnenden Steine mit der typischen Messing-Plakette befinden. „Bevor es irgendwelche Steine gewesen wären, nahmen wir lieber diese als ein Stück aus der alten Heimat von Theodor Calmon mit“, erzählt die Zehntklässlerin Julia Krassel. Und Kathrin Hoppe ergänzt: „So schließt sich ein Kreis.“

Auch den Kyritzer Heimatverein haben die Schüler darüber jetzt informiert. Entsprechendes Bildmaterial ist nun auch dort vorhanden.

Von Matthias Anke

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