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Theodor Fontane als „scharfer Beobachter“

Neuruppin Theodor Fontane als „scharfer Beobachter“

Der Schauspieler Alexander Bandilla ist in diesem Sommer an vier Abenden in der Neuruppiner Siechenhauskapelle zu Gast – im Gepäck: jede Menge Neugier auf das Werk Theodor Fontanes. Am Freitagabend will Bandilla zunächst der Frage nachgehen, wie „das Kulinarische“ in die Texte des Schriftstellers einfloss.

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Zuletzt war Alexander Bandilla im Januar mit einer Lesung in Neuruppin zu Gast.

Quelle: Cornelia Felsch/Archiv

Neuruppin. Für Alexander Bandilla besteht das Werk Theodor Fontanes aus weit mehr als aus den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ und den berühmten Romanen wie „Der Stechlin“ und „Effi Briest“. An vier Abenden wird sich der 56-Jährige den Sommer über in Fontanes Geburtsstadt mit spezifischen Themen im Werk des Apothekersohnes auseinandersetzen. So geht es unter anderem um Fontanes Verhältnis zur Stadt Berlin sowie die recht unbekannte Kriminalgeschichte „Quitt“.

In den vergangenen Jahren war Bandilla bereits mehrfach in Neuruppin zu Gast. Der Theater- und Fernsehschauspieler („Glastage“, „In aller Freundschaft“) sieht sich dabei weniger als Experten, denn vielmehr als „Leser auf Entdeckungsreise“. „Fontane muss ein sehr wacher Zeitgenosse gewesen sein“, glaubt Bandilla. „Er war ein sehr genauer Beobachter Berlins und Preußens.“ Im Gegensatz zu Schriftstellern, die sich nach innen kehrten, sei Neuruppins berühmtester Sohn an der Gesellschaft interessiert gewesen – und habe die Beobachtungen auf unterschiedliche Art und Weise in seine Werke einfließen lassen. „Ich habe eine Doktorarbeit über Fontane und die Technik gefunden. Alleine darüber ließe sich eine ganze Vorlesung halten“, sagt Alexander Bandilla und ergänzt: „Manches steht auch bei Fontane zwischen den Zeilen geschrieben.“ Zum Auftakt am 22. Juli widmet sich Bandilla „dem Kulinarischen“ bei Theodor Fontane. „Die Frage ist doch: Wie geht der Mann auf so etwas Profanes wie Essen und Trinken in seinem Werk ein, das für uns alle Alltag ist?“, gibt Bandilla die Richtung vor.

„Literatur sollte Spaß machen“

Begünstigt worden sei sein Interesse für den Autor nach eigenem Bekunden durch das Elternhaus. In der Jugend fielen Bandilla zunächst Gedichte Fontanes in die Hände. Im Laufe seines Lebens begegnete ihm der Schauspieler immer wieder bei seiner Arbeit in Brandenburg und Berlin. Dabei interessierten Bandilla unter anderem die journalistischen Beiträge Fontanes und dessen Einlassungen zu technischen Entwicklungen am Anbeginn des Industriezeitalters. Auch wenn Bandilla als studierter Kulturwissenschaftler den Blick eines Akademikers mitbringt, so geht es ihm nach eigener Aussage darum, „Literatur zu genießen. Sie sollte Spaß machen.“ Zugleich böten gerade die Schilderungen eines Fontane die Möglichkeit, eine Art Folie für das reale Leben zu bilden. Heute populäre Stoffe wie die Serie „Game of Thrones“ hingegen seien märchenhaft und derart klar in Gut und Böse unterteilt, dass sie hierfür nichts taugten.

Hinweis: Die Auftaktveranstaltung findet am 22. Juli um 18 Uhr in der Neuruppiner Siechenhauskapelle statt. Der Eintritt beträgt 9 Euro. Die weiteren Termine sind der 5. und der 26. August sowie der 9. September jeweils zur gleichen Zeit.

Von Mischa Karth

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