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Therapeutische Gemeinschaft stellt sich vor

Griebsee Therapeutische Gemeinschaft stellt sich vor

Nach einem Leben im Vollrausch fanden in den vergangenen 24 Jahren dutzende Alkoholsüchtige Hilfe und Ruhe in der Therapeutischen Gemeinschaft Griebsee. Wie es sich auf dem idyllischen Gelände lebt und wie sich die Bewohner beschäftigen können, zeigte die Einrichtung am Samstag beim Tag der offenen Tür. Auch die MAZ kam zu Besuch und sprach mit Bewohnern.

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Ingo Rübcke (l.) und Simone Schirmer haben sich vor zehn Jahren in Griebsee kennengelernt und sind seitdem ein Paar.

Quelle: Christian Bark

Griebsee. Wie fühlt es sich an, im Vollrausch nach Objekten zu greifen, die Wohnungstür aufzuschließen oder auf dem Gehweg zu laufen? Mit spezielle Brillen, die diesen Zustand simulieren, wollte Daniela Richter von der Suchtberatung Ostprignitz-Ruppin am Samstag beim Tag der offenen Tür in der Therapeutischen Gemeinschaft Griebsee auf die Gefahren von Alkohol- und Drogenkonsum aufmerksam machen. „Wir wollen hier auch präventiv wirken“, erklärte Richter mit Verweis auf die vielen Besucher der Einrichtung an diesem Tag.

Zahlreiche Angehörige und Besucher kamen am Samstag nach Griebsee

Zahlreiche Angehörige und Besucher kamen am Samstag nach Griebsee.

Quelle: Christian Bark

Wie es sich anfühlt, jeden Tag diesen Dauerrausch zu erleben und nicht mal mehr einen Stift richtig halten zu können, weiß auch Simone Schirmer. Die aus Potsdam stammende Finanzkauffrau war vor zehn Jahren nach Griebsee gekommen. Seitdem ist sie „trocken“, wie sie sagt. In der Einrichtung fand sie relativ schnell Anschluss, liebevoll wurde sie von Ingo Rübcke umsorgt – aus der Gefälligkeit wurde mehr und seitdem sind die beiden ein Paar. Rübcke, der aus der Nähe von Wittstock stammt, kam vor 14 Jahren nach Griebsee. Alkohol war auch sein Problem, damals, als er noch in der Landwirtschaft arbeitete. Heute ist der 50-Jährige „Mädchen für alles“. Am liebsten ist er als Tischler tätig, kümmert sich aber auch um die Tiere in Griebsee. „Bei so viel Ablenkung kommt man nicht auf dumme Gedanken“, erklärt Rübcke.

Die Einrichtung

Seit 1992 gibt es die Therapeutische Gemeinschaft in Griebsee. Sie wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Kinderferienlagers der Agrargenossenschaft Freyenstein und Umgebung gegründet.

48 Plätze , davon acht für Bewohner mit intensivem Betreuungsbedarf, stehen bereit. Weitere acht Plätze gibt es für Bewohner, die sich auf ein suchtmittelfreies Leben außerhalb eines geschützten Rahmens vorbereiten.

Ähnlich viele Aufgaben übernimmt seine Lebensgefährtin. Wenn sie nicht in der Küche hilft, wird sie gerne kreativ – mit Worten. „Ich dichte gerne“, sagt sie. Einige Texte sind sogar vor den Tiergehegen veröffentlicht. Alle drei Monate kümmert sich Simone Schirmer zudem um das Journal der Therapeutischen Gemeinschaft. Während Rübecke die Fotos schießt, schreibt die 56-Jährige die Texte. Mit Rübcke teilt sie sich ein Gemeinschaftszimmer.

Micheal Müller lebt nach neun Jahren Griebsee nun in Wittstock

Micheal Müller lebt nach neun Jahren Griebsee nun in Wittstock.

Quelle: Christian Bark

„Insgesamt stehen 48 Plätze für Suchtkranke zur Verfügung“, informiert Einrichtungsleiter Axel Stachowski. 46 seien derzeit besetzt. Der Wiedereingliederungs- und Suchthilfe seien in Griebsee generell keine Grenzen gesetzt. Hauptsächlich litten die Bewohner unter oder an den Folgen von Alkoholsucht. In Griebsee fänden sie dann Ruhe, Beschäftigung und gegenseitige Unterstützung. Dabei stehe es ihnen frei, Urlaub zu nehmen, die Umgebung zu erkunden oder einer Tätigkeit im Einrichtungsalltag nachzugehen.

In der Gärtnerei hatte sich seinerzeit immer Michael Müller eingebracht. Er war insgesamt neun Jahre in Griebnitzsee und ist am Samstag mal wieder zu Besuch in der Einrichtung. „Mir geht es richtig gut“, sagt der 53-Jährige. Nach jahrelanger Therapie und einem Rückfall lebe er nun in Wittstock und arbeite dort in einer Holzwerkstatt. An seinen Kollaps nach fünf Flaschen Schnaps und die darauffolgenden Aufenthalte in verschiedenen Entzugseinrichtungen erinnert er sich heute schmerzlich. Dafür lieber an die guten Kontakte zu Axel Stachowski, seinem Team und einigen Bewohnern in Griebsee. „Das ist sowas wie eine zweite Heimat für mich“, erklärt der aus Nauen stammende Müller. „Ganz wichtig ist, dass Du danach den Kontakt zu Hilfseinrichtungen nicht abbrichst“, empfiehlt Müller. Deshalb sei er Mitglied in einer Selbsthilfegruppe, um dort mit Leidensgenossen Erlebtes zu verarbeiten und nicht in Einsamkeit zu verfallen.

Von Christian Bark

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