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Tierdressuren im Winterquartier

Zirkus „Humberto“ in Wittstock Tierdressuren im Winterquartier

Das derzeit kalte Wetter stellt für die Zirkustiere kein Problem dar. Elf Exoten stehen bei einer neuen Dressur ab März mit im Rampenlicht von „Humberto“. Doch das Familienunternehmen absolviert in jeder Winterpause einen Drahtseilakt: Futter Heizkosten, Versicherungen und Standortmiete müssen bezahlt werden.

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Die russischen Kamele trotzen dem Winter mit abgeklärtem Blick.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Der Wind weht kräftig von Nordost. Schnee knirscht unter den Schuhsohlen und legt sich wie eine zweite Haut über die Landschaft. Mittendrin leuchtet knallgelb das Schild mit der grünen Aufschrift „Circus Humberto“.

Winterpause herrscht derzeit bei den Zirkusleuten rund um Joschi Ortmann. Der 58-jährige Seniorchef führt seit der Gründung im Jahre 1992 das Zepter. Seit mehr als 20 Jahren schlägt das Zirkusteam seine sprichwörtlichen Zelte für das Winterquartier in Wittstock auf. „Das kalte Wetter ist für die Tiere kein Problem“, so Juniorchef Gino Ortmann. Futter, Heizkosten, Versicherungen oder Standortmiete müssen auch in der Winterpause bezahlt werden. Und erwiesen sich als Drahtseilakt. Seit der politischen Wende 1989 entfällt für alle Zirkusunternehmen der Anspruch auf kulturelle Förderung. Die Geldeinnahmen laufen in der auftrittsfreien Zeit fast gegen Null – deshalb tourt „Humberto“ nun wieder mit dem Hüpfburgenland umher. Sonnabend und Sonntag von 13 bis 18 Uhr können dabei Kinder und Erwachsene in der Max-Schmeling-Halle in Sewekow auf ihre Kosten kommen.

Gino Ortmann mit den Minipferden aus den Niederlanden

Gino Ortmann mit den Minipferden aus den Niederlanden.

Quelle: Christamaria Ruch

Egal ob Gino Ortmann an die russischen Kamele, Wasserbüffel, Banteng- oder Watussirinder vor Augen hat – die Tiere sind hart gesotten. „Die russischen Kamele vertragen bis zu -30 Grad“, so der 27-Jährige. Doch Winterpause heißt keineswegs, dass die Zirkustruppe die Hände in den Schoß legt. „Arbeit ist rund um die Uhr vorhanden und es wird nie langweilig“, so Gino Ortmann. Denn die 40 Tiere müssen jeden Tag beschäftigt werden. Außerdem hinterlässt jede große Zirkustournee ihre Spuren am Fuhrpark. 60 Fahrzeuge gehören dazu. „Da gibt es immer etwas zu reparieren und wir machen das alles selbst.“

Vorsicht - lang und spitz

Vorsicht - lang und spitz. Das Gehörn der Watusrinder wirkt imposant.

Quelle: Christamaria Ruch

Wenn „Humberto“ am 12. März ganz traditionell am Wittstocker Bleichwall in die neue Saison startet, überraschen die Künstler wieder mit neuen Darbietungen. „Wir bereiten seit Monaten drei neue Showauftritte mit Tieren vor“, sagt der Juniorchef. Dabei zählt für „Humberto“ das Motto „Ein Zirkus ohne Tiere ist wie ein Himmel ohne Sterne.“ Doch vor allem die Mischung aus Artistik, Tieren und Clownerie zählt mit zu den Erfolgsfaktoren. Derzeit läuft das Auswahlverfahren für die Artisten. Diese werden als Gäste für neun Monate engagiert und reisen dann unter der Flagge von „Humberto von Auftritt zu Auftritt. Neben der Ponynummer mit den sechs Miniaturpferden aus den Niederlanden wird vermutlich der Exotenzug für das größte Aufsehen sorgen. Denn Wasserbüffel, Ungarisches Steppenrind, Kamele, Banteng- und Watussirinder reihen sich dabei mit ein. „Bei diesem größten Exotenzug stehen diese elf Tiere auf einmal in der Manege“, verrät Gino Ortmann. Auch wenn es dabei ganz schön eng wird – kein Problem für den Künstler. „Der Platz ist genau berechnet und alle Ebenen in der Manege werden genutzt.“ Die Nummer mit dem Exotenzug steht schon, doch nun feilt Gino Ortmann an den Details: „Auf den Feinschliff kommt es an.“ Exotisch sind dabei nicht nur die Tiere, auch der Zeitaufwand klingt entsprechend. „Seit fünf Monaten arbeite ich an dieser Nummer, denn es ist eine besonders schwere Dressur“, sagt Ortmann. Dabei stellen vor allem die Rinder eine Herausforderung dar. Die langen Hörner sind ein echtes Problem, denn sie können sich als extrem gefährlich erweisen. Außerdem musste er zu diesen Vierbeinern über lange Zeit erst einmal Vertrauen aufbauen. „Diese Tiere müssen immer wieder gelockt werden und warten auf viel Futter als Belohnung“, sagt Gino Ortmann.

Ausblick in die neue Saison

Am 5. März, Sonnabend, steht das 8. Musikspektakel im Zirkus „Humberto“ auf dem Wittsocker Bleichwall auf dem Programm. Livemusik mit Bands aus dem In- und Ausland locken wieder zum Tanz. Mit den Einnahmen des Abends wird dem traditionsreichen Zirkus der Start in die neue Saison geebnet.

Am 12. März, Sonnabend, beginnt die neue Zirkussaison am Bleichwall in der Dossestadt.

Anschließend startet „Humberto“ zur Tournee zu 36 Standorten in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Berlin.

Die Künstler sind dann täglich von 6 bis 22 Uhr auf den Beinen. Wenn die Zelte auf- und abgebaut werden, arbeitet das Team oftmals bis Mitternacht.

Von Christamaria Ruch

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