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Ostprignitz-Ruppin Tiere fliehen vor Böllern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tiere fliehen vor Böllern
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00:15 03.01.2018
Tierheimbetreiber Sven Galle bekommt in den stressigen Tagen zum Jahreswechsel Unterstützung von seinem Sohn Patric Galle. Quelle: Cornelia Felsch
Papenbruch

Noch herrscht Ruhe im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Doch am Silvesterabend sorgt der Krach von Böllern und Raketen für Angst und Panik bei den Vierbeinern. Hunde zittern, Katzen verschwinden unter der Couch. Für Sven Galle beginnt dann die stressige Zeit des Jahres. „Sobald die ersten Blitzknaller verkauft wurden, beginnt unser Einsatz“, sagt der Tierheimbetreiber, der in manchen Jahren bis zum Neujahrsnachmittag unterwegs war, um vor Angst geflüchtete Tiere wieder einzufangen. „Silvesterhunde – so nenne ich sie – sind oft stark verängstigt“, sagt Sven Galle. „Deshalb kann von diesen Tieren eine Gefahr ausgehen. Sie zwingt mich oftmals, die unschöne Fangstange zu verwenden.“

Sein Sohn Patric Galle wird den Silvesterdienst übernehmen

Jahrelange Erfahrungen haben den Blick des ausgebildeten Tierpflegers geschult, so dass er die Tiere genau einschätzen kann. Doch in diesem Jahr feiert er mit seiner Lebensgefährtin den Jahreswechsel bis in den Neujahrsmorgen hinein. Sein Sohn Patric Galle wird den Silvesterdienst übernehmen und sich um die entflohenen Kreaturen kümmern. Der Lehrling nutzt seine Ferien, um dem Vater unter die Arme zu greifen und den tierischen Heiminsassen zu mehr Bewegung zu verhelfen.

An einem Supermarkt befreit Sven Galle einen ausgesetzten Hund, der dort angekettet wurde. Quelle: Peter Geisler

Viel zu tun hat er dabei nicht, denn die meisten Gehege im Papenbrucher Tierheim sind derzeit leer. Zwei Katzen warten darauf, dass sie von ihren Besitzern wieder abgeholt werden. Von den vier Hunden ist nur Lupo zu vergeben – ein dreijähriger Deutscher Schäferhund, der einst als Polizeihund diente und über einen etwas komplizierten Charakter verfügt. Bei Sven Galle ist er gut aufgehoben. Der gelernte Dachdecker hat umgesattelt und sich zum Tierpfleger in der Fachrichtung Tierheim und Tierpension ausbilden lassen. Seit dem Jahr 2002 werden in dieser Fachrichtung Lehrlinge ausgebildet. Heute ist er Spezialist für die schwierigen Fälle unter den Vierbeinern. Seit 1996 betreibt er die Tierpension in Papenbruch und hat bereits selbst Lehrlinge ausgebildet.

Immer mehr Tiere leiden an Übergewicht

Von einem Hund gebissen wurde er noch nie. „Gefährlich sind meist auch nicht die Hunde. Die Menschen sind es oftmals, die sich falsch verhalten“, sagt Sven Galle. Ein großes Problem in der Hundeerziehung sieht der Tierpfleger in der zunehmenden Vermenschlichung, wodurch auch viele Tiere an Übergewicht leiden und sich ihre Lebenserwartung um drei bis fünf Jahre verkürzt.

Dass die Gehege im Papenbrucher Tierheim nicht immer besetzt sind, ist darauf zurück zu führen, dass Sven Galle Betreuungsverträge mit den Kommunen abgeschlossen hat. Privatleute müssen Fundtiere erst bei den entsprechenden Behörden melden, ehe der Tierheimbetreiber tätig werden kann. Verkaufen könnte er – vor allem Hunde – jederzeit. Fast täglich bekommt er Anfragen. „Der Bedarf ist ungeheuer gestiegen“, sagt er. Allerdings auch die Preise.“ Und das hat negative Folgen, denn der Handel mit Tieren aus Osteuropa blüht. Straßenhunde oder Welpen wechseln in Deutschland oftmals für viel Geld den Besitzer – auch in Tierheimen. Für Sven Galle sind das unhaltbare Zustände.

Mikrochip unter die Haut implantiert

Schwarze Schafe, die nur an das schnelle Geld beim Tierhandel denken, gibt es viele und deshalb sollten Hundeliebhaber genau darauf achten, wo sie ihren Hund kaufen. Gute Züchter können nicht nur glaubhaft nachweisen woher die Tiere stammen, sie übernehmen auch das Chippen des Hundes. Dadurch bekommt das Tier eine Art Personalausweis und kann jederzeit zugeordnet werden. Der Mikrochip wird dem Hund unter die Haut implantiert und verbleibt lebenslang in dem Tier. Der Code kann mit einem speziellen Lesegerät ausgelesen werden und speichert Daten zu Hund und Halter. Hinterlegt werden diese Angaben in speziellen Haustierregistern. Sven Galle stößt bei seiner Arbeit allerdings immer häufiger auf Tiere ohne Chip. In Deutschland sind die Regeln Bundesländer-Sache. In Brandenburg besteht für alle Hunde Chippflicht, deren Schulterhöhe mindestens 40 Zentimeter beträgt und die mehr als 20 Kilogramm wiegen.

Dramatischer Einsatz

Rund um die Uhr ist der Papenbrucher für das Tierwohl auf den Beinen, immer darauf eingestellt, dass ein Ordnungsamt, ein Gerichtsvollzieher oder ein Vollstreckungsbeamter der Behörden seine Hilfe benötigt. Wenn es darum geht, Fundtiere unterzubringen oder verwahrloste Tiere zu beschlagnahmen, dann ist der 48-Jährige der richtige Ansprechpartner. Und dabei geht es manchmal auch recht dramatisch zu: „Vorgestern wurde ich zu einem Fall nach Blumenthal gerufen“, erzählt er. Dort ist ein 90 Jahre alter Herr in seinem Haus gestürzt, das von einem Hund bewacht wurde. Die Feuerwehr hat den Mann durch das Fenster geborgen und ich habe dann anschließend dafür gesorgt, dass der Hund in seinen Zwinger kommt.“ In diesem Fall kümmerten sich die Angehörigen dann um das Tier. Oftmals muss der Tierheim-Betreiber die Tiere auch erst einmal auf seinem Hof unterbringen und das geschieht nicht immer ganz ohne Komplikationen. „Jedes Jahr kaufe ich zehn bis zwölf neue Hundehütten, um alte zu ersetzen, die von gestressten Tieren unbrauchbar gemacht wurden.“

200 Einsätze in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin

Im Jahr 2017 wurde Sven Galle von den Behörden zu rund 200 Einsätzen in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin gerufen. Betroffen waren rund 250 Tiere. Bei derartigen Aktionen sind allerdings nicht immer Hunde und Katzen betroffen, sondern auch Exoten, die oftmals einfach in den Wohnungen zurück gelassen werden. Da kommt es dann schon mal vor, dass Sven Galle sich um Schlangen, Schildkröten und Fische kümmern muss oder entflohene Heuschrecken jagt, die ursprünglich als Echsenfutter dienen sollten. „Manchmal ist mein Beruf schon ganz spannend und auch nicht ganz ungefährlich“, sagt er.

Die Nacht zu Neujahr verlief ruhig

Und wie war nun, dieser neue Jahreswechsel? „Die Nacht verlief ruhig, aber da kann noch was kommen“, sagt Sven Galle mit Blick auf das sonnige Wetter des Neujahrstages. Je mehr Leute spazieren gehen, desto mehr umherirrende Tiere werden erfahrungsgemäß gefunden und bei ihm gemeldet. „Laut meinem Anrufbeantworter werden aktuell zwei Hunde vermisst, davon ein Golden Retriever in Tramnitz“, so Galle. Bei ihm seien sie jedenfalls nicht. „Vielleicht sind sie ja auch schon wieder zurück.“ So, wie die beiden Hunde – je einer in Wittstock und in Blumenthal – aus der Silvesternacht.

Von Cornelia Felsch

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