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Tierisch gut Wandern

Mit dem Lama an der Leine Tierisch gut Wandern

Einfach nur um den See zu wandern, ist manchen nicht genug. Beim „Animal Trekking“ kann man sich für den Spaziergang um den See noch ein paar Tiere dazubuchen – vom Zwergpony bis zum ausgewachsenen Lama. Warum tun Menschen das? Die MAZ wanderte mit, um das zu ergründen.

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Die achtjährige Trixi wandert mit Lama-Hengst Don Carlos.

Quelle: Christian Schmettow

Lindow. Don Carlos ist einen Kopf größer als Trixi. Und ausgerechnet mit ihm soll die Kleinste der Gruppe spazieren gehen? Die Achtjährige hat Bedenken und ziert sich. Der Lama-Hengst Don Carlos tänzelt auf seinen langen, langen Beinen um das Kind herum, spitzt seine Ohren. „Der ist genau richtig für Dich“, findet Steffen Schindel.

Wandern mit Tieren heißt jetzt „Animal Trekking“, was aber nur englisch ist und übersetzt „Wandern mit Tieren“ heißt. Seit 2012 bietet der Bio-Landwirt Steffen Schindel so etwas an. Erstmals ist das nun aber auch über die Lindower Tourist-Information zu buchen.

Christiane und Gerd-Uwe Masberg aus Wulkow bei Neuruppin schenken ihren Enkelinnen den animalischen Ausflug. Lisa ist 14, ihre Cousine Trixi acht Jahre alt. Lisa hat sich schon immer eine Wanderung mit einem Esel gewünscht. Dass sie den grauen Alex an der Leine führt, steht daher von vornherein fest.

Trixi hat sich nach zehn Minuten Beschnuppern an den langbeinigen Don Carlos gewöhnt: „Ich nehm’ das Lama“, sagt sie. Christiane Masberg geht mit dem Maultier Luzifer voran, für Gerd-Uwe Masberg bleibt das Ponymädchen Nemo übrig – auch wenn er noch lieber Ad, Steffen Schindels Hund genommen hätte – doch der bleibt bei seinem Herrchen.

„Menschen und Tiere müssen sich finden“, sagt der Landwirt. „Einem Pferd befiehlt man, Esel bittet man und mit einem Muli verhandelt man“, so der 50-Jährige. Doch das Vierbeinige Quartett, das Steffen Schindel an der Lindower Klostermühle aus seinem Anhänger lädt, ist besonders lieb und pflegeleicht. An diesem goldenen Oktobertag passt beim „Animal Trekking“ enfach alles.

Steffen Schindel schnallt die Provianttaschen auf das Maultier und gibt eine kurze Einweisung: den Strick bitte nie ums Handgelenk wickeln. Falls so ein Vierbeiner sich erschrickt und losprescht, wird man sonst gnadenlos mitgeschleift.

Dann geht es los: vorbei an der Klosterruine und auf den Wanderweg rund um den Wutzsee. Das erste Stück ist schmal, aber besonders schön: rechts Wasser, links Wasser. Warum machen Menschen das: sich den engen Weg mit vier Hufen teilen und dafür pro Person auch noch 35 Euro bezahlen? Wo man doch auch gratis um den Wutzsee wandern könnte ...

Steffen Schindel findet die Frage ketzerisch – zu Recht. „Viele Leute wollen Kontakt zu Tieren, können sich aber kein Tier leisten oder keines halten – vor allem, wenn sie in der Stadt leben“, sagt er. Er staunt, wie viele seiner Kunden sich sogar extra einen Hund dazu buchen. „Die Leute wollen Zeit mit einem Tier verbringen, ein Tier erleben, sich mit ihm auseinandersetzen“, sagt Steffen Schindel. Gerd-Uwe Masberg bestätigt das: Selbst wenn man wie er in einem Dorf lebt, in dem viele Tiere gehalten werden, kommt man nicht wirklich mit ihnen in Kontakt. „Man kann am Zaun stehen“, sagt Lisa. Aber selbst das Füttern ist schon meist verboten.

Vier Stunden mit einem Tier zu wandern ist also eine gute Gelegenheit, einmal zu erleben, wie so ein Lama, ein Esel oder eine Ziege wirklich ist. „Falls es schiefgeht, bin ich ja dabei“, sagt Steffen Schindel. In erster Linie bezahlen die Kunden nämlich den zertifizierten Natur- und Landschaftsführer, der die gesamte Tour begleitet, die Tiere anliefert und am Ende auch wieder mitnimmt.

Selbst ein Picknick ist im Preis mit drin. Am Sonnabend gab es bei der Lindower Drei-Seen-Tour passend zu Halloween Kürbisbrot, Kürbiskuchen, Kürbismarmelade und für die Erwachsenen Kürbislikör.

Auch den Tieren steht der Sinn nach etwas Leckerem. Die Pony-Dame Nemo fängt gleich an der Statue der „Schönen Nonne“ an, das Schilf zu ernten. Gütige Omas sind daher die schwierigsten Kunden für den Naturführer. Sie geben dem Tier an jeder Ecke nach: „Der will ja nur fressen.“ – Eben das ist das Problem.

Heute indes ist auch den Tieren nach einem Spaziergang. Lisa ist selig mit ihrem Esel, der ihr fast aufs Wort gehorcht. Trixi hat am Ende den Lamahengst doch gegen die Maultierdame getauscht.

Hinweis: Die Tourist-Info in Lindow ist erreichbar unter  033933/7 02 97 oder E-Mail: tourist-info@t-online.de

Von Christian Schmettow

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