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Tierische Ruppiner Rasenmäher

Ziegen, Schafe und Esel als Naturschützer Tierische Ruppiner Rasenmäher

Sie sind die umweltschonendsten Rasenmäher, die es gibt. Im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land weiden Ziegen, Schafe und Esel auf Flächen, die sonst zuwuchern würden. So werden wichtige Biotope für seltene Tierarten erhalten.

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Reinhard Brehe mit seinen Ziegen in der Kiesgrube.

Quelle: Cornelia Felsch

Rheinsberg. Ziegen können hervorragend auf zwei Beinen stehen, wenn es ihnen damit gelingt, an die Nahrung zu gelangen. Nicht nur das appetitliche Grün an Bäumen und Sträuchern, sondern auch die frische Kiefernrinde wissen sie zu schätzen. „Die Tiere wissen ganz genau, was ihnen gut tut“, sagt Landwirt Reinhard Brehe. Seine Tiere fressen allerdings nicht nur, um satt zu werden, sie erfüllen damit auch eine wichtige Aufgabe bei der Landschaftspflege.

Die Weidefläche der Ziegen ist die ehemalige Kiesgrube Untermühle bei Rheinsberg. In diesem Biotop, das versteckt im Wald liegt, befinden sich fünf Kleingewässer umgeben von Trockenrasen-Bereichen und zahlreichen Gehölzen, wie Kiefern, Birken, Zitter-Pappeln, Buchen, Eichen und Weiden. Seltene Heuschreckenarten, Eidechsen, Solitärbienen und auch Fischotter haben dort ihren Lebensraum gefunden.

Gesetzlich geregelter Naturschutz

Gesetzliche Regelungen zum Vertragsnaturschutz im Land Brandenburg sind seit 2004 Bestandteil des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes.

Um Naturschutzziele umzusetzen und Landschaftspflege zu betreiben, werden individuelle Verträge auf freiwilliger Basis abgeschlossen.

Die entsprechenden Flächen werden im Pflege- und Entwicklungsplan des Naturparks sowie in der Managementplanung für die im Naturpark enthaltenen Natura 2000-Gebiete ausgewiesen.

Auf Begutachtung und Vermessung der Flächen folgen Absprachen mit Eigentümern und Nutzern. Projektskizzen und Vorkalkulationen werden erstellt.

Wird das Projekt in die Prioritätenliste aufgenommen und später im Haushalt bestätigt, können die Verträge mit den Vertragspartnern abgeschlossen werden.

Vergütet werden Leistungen, wie Landschaftspflege mit Tieren, naturschonende Techniken, ökologisches Grünlandmanagement und biotopverbessernde Maßnahmen.

Helfer des Naturschutzbundes Nabu haben in den vergangenen Jahren bereits viele kleinere Gehölze entfernt, um zu verhindern, dass die offenen sonnenbeschienenen Flächen wieder zu einem Wald werden. Im Herbst vergangenen Jahres war dort die Nabu-Gruppe Rheinsberg-Lindow aktiv. „Das Entbuschen ist sehr aufwendig und verursacht hohe Kosten“, sagt Heiko Strobel vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. „Deshalb wollen wir jetzt versuchen, diese Biotope auf sinnvollere Art zu erhalten.“ Die Beweidung durch Ziegen und Schafe ist eine optimale Variante.

Anfang Juli, wenn die Orchideen verblüht sind, zieht Reinhard Brehe mit seinen Schafen und Ziegen in die Landschaft. Geduldig vor sich hinmümmelnd sorgen Buren-Ziegen, Thüringer Waldziegen und Pommernschafe dafür, dass sich der Wald das Terrain nicht wieder zurück erobert. Etwa anderthalb Wochen können sich die Tiere Zeit lassen, bevor Reinhard Brehe Zäune, Ziegen und Schafe auf eine benachbarte Fläche umsetzt. Die Beweidung soll möglichst schonend geschehen, deshalb grasen dort nur zehn Tiere.

„Natürlich könnte ich auch mit 30 oder 40 Ziegen und Schafen hier anrücken, die hätten in 14 Tagen alles runter gefressen“, sagt der Tierzüchter. „Aber das ist ja nicht der Sinn der Sache – es ist besser, wenn es langsamer und schonend geschieht.“ Er weist auf die kleinen frisch ausgetriebenen Bäume: „In zwei drei Jahren wäre hier ein kleiner Wald, wenn man die Pflanzen wachsen lassen würde.“ Auf den Güldenhofer Züchter der bei Menz vom Aussterben bedrohte Haustierrassen hält, ist Verlass, das weiß Heiko Strobel, der sich im Naturpark um den Vertragsnaturschutz kümmert. „Man muss sich schon auf die Leute verlassen können, wenn man ihnen einen wertvollen Lebensraum anvertraut“, sagt er.

Der 60-jährige Tierzüchter ist ein Vertragspartner, der viel Erfahrungen gesammelt hat und mitdenkt. „Wir haben eine gemeinsame Zielstellung und wissen, wohin es gehen soll“, sagt Heiko Strobel. „Wir wollen gefährdete Lebensräume und daran gebundene Arten erhalten.“

Nicht nur Ziegen und Schafe, sondern auch Esel setzt Heiko Strobel für den Vertragsnaturschutz ein, denn jede Tierart hat ihre spezifischen Vorlieben, was das Futter anbelangt. In den Zechower Bergen sorgen die Esel von Steffen Schindel dafür, dass der fast verschollene Federgrasbestand wieder zum Leben erweckt wird. Die stark verkrautete und verfilzte Grasnarbe wird von ihnen beseitigt, so dass die Gräsersamen wieder austreiben können. Auch in diesem Jahr werden die Esel dort ab Ende August wieder ihr gutes Werk tun, denn die Maßnahme hat sich bewährt, der Bestand hat sich ausgebreitet.

Im Naturpark gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten, für solche und ähnliche Projekte. Nicht nur für die Beweidung, auch für die Mahd. Bei Alt Ruppin mäht Thomas Klugow regelmäßig eine Wiese und sorgt so, jedes Jahr für eine blühende Orchideenpracht. Um den Bewohnern von Feuchtwiesen Schutz zu bieten, werden Landwirte dafür honoriert, dass Flächen feucht bleiben, schonender und später bearbeitet werden. Der überwiegende Anteil der Vertragsnaturschutzflächen befindet sich allerdings auf ungenutzten Territorien, wie der Rheinsberger Kiesgrube. Flächen gibt es ausreichend. „Doch das Geld ist knapp und Vertragspartner zu finden ist nicht so einfach“, sagt Heiko Strobel. „Der Naturpark ist groß und wir haben viele Ideen. So könnten Feuchtwiesen durch Wasserbüffel oder Auerochsen beweidet werden. Wichtig ist, dass die Mittel sinnvoll verwendet werden.“

 

Von Cornelia Felsch

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