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Ostprignitz-Ruppin Tiermedizin-Student mit Bio-Ambitionen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tiermedizin-Student mit Bio-Ambitionen
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06:04 14.08.2017
Der Schönberger Veterinärmedizin-Student, Rudi Mixdorf, ist Landwirt im Nebenerwerb. Er will Ökolandbau betreiben und freut sich über die Bienen an seinen Sonnenblumen. Quelle: Cornelia Felsch
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Schönberg

Buchweizen, Klee, Sonnenblumen, Borretsch, Nachtkerzen, Rainfarn, Schafgarbe, Wegerich und Phacelia blühen auf der Wiese der Mixdorfs am Ortsrand von Schönberg bei Lindow. Gleich fünf Bienen sitzen an einer Zucchini-Blüte. Glaubt man Brandenburgs Imkern, so mangelt es den Bienen zum Sommerende an Nahrung. Gerade im Juli und August finden die Pollensammler zu wenig Blüten. Ackerraine, die früher durch ein buntes Blumenmeer auffielen und kleine Mädchen zum Blumen pflücken lockten, gibt es kaum noch. Doch Bienen brauchen gerade im Hochsommer eine Vielzahl blühender Pflanzen, um später erfolgreich überwintern zu können.

Rudi Mixdorf und seine Eltern wurden darum selbst aktiv. Sie pachteten Ackerbrachland, säten Phacelia und Klee aus und funktionierten auch ihren Garten kurzerhand in eine Bienenweide um, für ein Gemüse- und Blumenbeet reicht der Platz dennoch. Die Bienen, die am Waldrand fast verschwunden waren, sind zurückgekehrt. 1994 zogen die Eltern von Berlin nach Schönberg. Der Sohn wuchs in der Natur auf. Seit Januar ist der Student Rudi Mixdorf Landwirt im Nebenerwerb; er ist Mitglied bei Bioland, will Ökolandbau betreiben und befindet sich seit März in der Umstellungsphase.

Langsam erholt sich der Boden von Düngemitteln

Weil sich der Boden nur langsam von Düngemitteln und intensiver Landwirtschaft erholt, dauert es lange, bis darauf angebaute Pflanzen wirklich Bio-Qualität haben können. So müssen zum Beispiel für Getreide die Richtlinien des ökologischen Anbaus schon zwei Jahre vor der Aussaat auf der Fläche befolgt worden sein. Weiden und Mähwiesen brauchen ab dem Moment der letzten konventionellen Maßnahme wie etwa einer Düngung oder einem Pflanzenschutzmitteleinsatz zwei Jahre, bis sie als ökologisch gelten.

Auch die Bestäubungsarbeit der Bienen ist für den angehenden Bio-Bauer ein wichtiger Bestandteil der ökologischen Landwirtschaft. Aber nicht nur Nutzpflanzen auch viele Natur- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Honigbienen angewiesen. Ohne Bestäubung gibt es keine Samenbildung. Die wiederum ist Grundlage für den Fortbestand der Pflanzen. Und viele Kleinstlebewesen und Vögel sind auf diese Nahrungsquellen angewiesen. Fehlen Bienen, wird dieser geschlossene ökologische Kreislauf erheblich gestört.

Ein gut strukturierter Boden speichert Nährstoffe optimal

Der 24-jährige Schönberger kann nur schwer Verständnis dafür aufbringen, dass Landwirte in der Region jahrelang Mais auf ihrem Acker anbauen, ohne auf Fruchtfolgen zu achten oder Zwischenfrüchte anzubauen. Denn nur ein gesunder, gut strukturierter Boden kann doch schließlich Nährstoffe optimal speichern und den Pflanzen zur Verfügung stellen. Mit den Händen nimmt er Boden von seinem Acker: „Das riecht doch richtig gut und aromatisch“, sagt er. „Diesen typisch erdigen Geruch hat der Boden vom Maisacker nicht mehr.“

Rudi Mixdorf studiert Veterinärmedizin und hat das 8. Semester gerade abgeschlossen. Er möchte später gern mit Tieren arbeiten und auch zu seinem Landwirtschaftsbetrieb sollen sie dazu gehören. Ackerbau und Tierhaltung sollen aneinander gekoppelt sein. „Schweine und Rinder könnte ich mir vorstellen, allerdings sollten es alte, vom Aussterben bedrohte Rassen sein.“ Rudi Mixdorf ist bereits Mitglied in der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Sundheimer-Hühner auf dem Hof

Bisher gibt es auf dem Hof der Mixdorfs allerdings nur Bienen und Hühner – Sundheimer, die zu den seltenen Rassen Europas gehören und als gefährdete Haustierrasse gelten. August – so heißt der Hahn – wacht akribisch über seine fünf Hennen. Er hat es allerdings nicht einfach, denn die Hühner haben freien Auslauf auf dem Grundstück, das unter Büschen, hohem Gras und vielen Wildblumenstauden zahlreiche Deckungsmöglichkeiten bietet. Hühner gehörten früher weder für Rudi Mixdorf noch für seine Mutter zu den Lieblingstieren.

Das hat sich in den vergangenen Monaten gründlich geändert, seit sie die Bedürfnisse und die Verhaltensweisen der Tiere genauer studiert haben. Begeistert erzählen sie davon, wie die Tiere morgens in den Garten starten und ihre Freiheit genießen, Insekten jagen, aber auch pünktlich schlafen gehen. Wie die Küken zufrieden im Sand liegen, mit den Flügeln schlagen oder sogar in der Sandkuhle ein Nickerchen machen.

Bei Pflanzen will er auf alte Sorten setzen

Auch bei den Pflanzen will Rudi Mixdorf auf alte Sorten setzen. Er möchte Leindotter und Öllein anbauen, um daraus Öl zu gewinnen. „Wir haben hier so ziemlich den schlechtesten Boden in Deutschland und müssen deshalb Sachen anbauen, die auch auf Sandboden wachsen.“ Leindotter ist eine sehr alte Nutzpflanze, die bereits in der Jungsteinzeit genutzt wurde. Sie ist tolerant gegenüber Trockenheit und Frosteinbrüchen und ist in der Bodenwahl sehr anspruchslos. Sowohl auf Sand- wie auf stark kalkhaltigen Böden ist der Anbau möglich. Das Öl enthält einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren.

„Es gibt noch viele andere Möglichkeiten“, sagt der künftige Tierarzt, der auch Risiken eingeht und Misserfolge bei seinen Anbauversuchen akzeptiert. „Ausschlaggebend ist für uns, im Einklang mit der Natur zu leben.“ Neben seinen wissenschaftlichen Studien muss er nun vor allem mit der Praxis klar kommen. „An das Schlachten werde ich mich erst gewöhnen müssen“, sagt er. Für ihre Ökolandwirtschaft mit summenden Bienen hätten die Mixdorfs gern noch die Nachbarwiese gepachtet. Doch das ist ihnen bisher nicht gelungen. Die Wiese gehört der Deutschen Agrar Holding, die im vergangenen Jahr die Flächen der insolventen KTG-Gruppe erworben hat. Auf einem Teil der Fläche steht bereits eine Pappelholzplantage – also nichts für die Bienen, sondern Nahrung für die Energieerzeugung.

Von Cornelia Felsch

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