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Ostprignitz-Ruppin Tödliche Crashs mit hohem Tempo
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tödliche Crashs mit hohem Tempo
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00:17 24.03.2016
Wenn es bei überhöhter Geschwindigkeit kracht, dann meist mit schlimmen Folgen. Quelle: Julian Stähle
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Neuruppin

Es sind Bilder wie die eines dunklen Golf, die im vergangenen Jahr in der Polizeidirektion Nord für Kopfschütteln gesorgt haben. Das Fahrzeug war Mitte Juli auf der Bundesstraße 189 zwischen Groß Pankow und Pritzwalk unterwegs, als es geblitzt wurde. Statt der maximal erlaubten 100 Stundenkilometer standen 214 km/h auf dem Messgerät. Ein Tempo, das selbst auf Autobahnen nur die wenigsten Fahrzeuge erreichen können.

Wenn es bei hohem Tempo kracht, dann richtig

Wenn es in solch einem Fall kracht, dann richtig. Das geht aus der jüngst vorgestellten Unfallstatistik für das Jahr 2015 der Polizeidirektion Nord (PD Nord) zurück. Obwohl in den Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel „nur“ knapp sieben Prozent der Unfälle auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen waren (siehe Infokasten), starben hierbei 15 Menschen. Das sei mehr als die Hälfte aller durch Verkehrsunfälle getöteten Personen, wie Bernd Halle, Leiter der Direktion, bei der Vorstellung der Zahlen in der vergangenen Woche betonte.

Gerast wird vor allem auf der Autobahn

Im Bereich der Polizeiinspektion Ostprignitz-Ruppin gingen im vorigen Jahr 181 Verkehrsunfälle auf überhöhte Geschwindigkeit zurück, in der Prignitz waren es 199, in Oberhavel 233. Dem gegenüber stehen 3352 (OPR), 2657 (PR) beziehungsweise 5698 (OHV) Verkehrsunfälle insgesamt.


In allen drei Landkreisen ging die Zahl der Unfälle durch Raserei gegenüber dem Vorjahr leicht zurück.

Auf den Bundesautobahnen hingegen ist die Zahl der Unfälle durch zu schnelles Fahren von 186 im Jahr 2014 auf 243 im vorigen Jahr gestiegen – bei insgesamt 1332 Unfällen – und damit nach Abstandsverletzungen die inzwischen zweithäufigste Unfallursache.

Bei den insgesamt 856 Verkehrsunfällen, die auf Geschwindigkeitsübertretungen des Verursachers zurückzuführen sind, gab es 357 Verletzte und 15 getöteten Personen.


Zum Vergleich: Bei mehr als 3000 Wildunfällen im selben Zeitraum wurden 42 Menschen verletzt und niemand getötet.

Ein besonders tragischer Fall in der PD Nord ereignete sich erst im September zwischen Bärenklau und Leegebruch (Oberhavel). Dort kam ein 18-Jähriger nachts mit seinem Fahrzeug von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. Der 16-jährige Beifahrer starb noch an der Unfallstelle, zwei weitere jugendliche Insassen wurden zum Teil schwer verletzt. Auch in diesem Fall geht die Polizei von überhöhter Geschwindigkeit als Unfallursache aus.

Bernd Halle macht „immer mehr Hektik“ im Verkehr aus. Er setzt weiterhin auf „repressive Verkehrsüberwachungsmaßnahmen“, um „eine dauerhafte positive Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer zu erzielen“. Fast 1000 Raser gingen den Blitzern in der Direktion 2015 ins Netz – pro Tag. Doch die Auswirkungen sind gering. Zwar ging die Zahl an Unfällen durch überhöhte Geschwindigkeit in allen drei Polizeiinspektionen zurück, dafür stieg sie auf den Autobahnen, die gesondert erfasst werden, um mehr als 30 Prozent.

Staus erhöhen das Aggressionspotenzial

Nina Wahn, Verkehrspsychologin beim ADAC, macht als einen Stressfaktor Termindruck aus, der in Verbindung mit Staus oft zu überhöhter Geschwindigkeit führt. „Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen verstärkt das Aggressionspotenzial“, sagt Wahn. Wer ein Navigationsgerät nutze, bekomme eine Zielzeit angezeigt. Ließe sich diese Zeit durch die veränderten Verkehrsverhältnisse nicht einhalten, würden viele Fahrer zum Druck aufs Gaspedal verleiten. Blieben negative Rückmeldungen aus, werde das zu schnelle Fahren leicht zur Gewohnheit. „Die Kontrolldichte sollte aber nicht das Einzige sein, was zählt“, so Wahn.

Denn gerade beim schnellen Fahren würden die eigenen Fähigkeit oft überschätzt. Oft seien es junge Fahrer, die mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs seien. Hier ist im Bereich der PD Nord zumindest ein positiver Trend erkennbar. Waren Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren vor fünf Jahren noch für fast 1500 Unfälle verantwortlich, hat sich die Zahl inzwischen fast halbiert. Vielleicht ein Silberstreif am Horizont.

Von Mischa Karth

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