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Ostprignitz-Ruppin Toter Friedhof mit zwei Soldaten-Grabstätten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Toter Friedhof mit zwei Soldaten-Grabstätten
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00:18 06.11.2016
Die sterblichen Überreste von Helmuth Hansen wurden schon einmal zum Waldfriedhof umgebettet. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Stolpe

Der letzte Oktober-Sonnabend dieses Jahres hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Solide Herbstwärme zog Bummler, Radler, selbst Paddler ins Freie. Wer rund um die Kyritzer Seenkette unterwegs war, genoss den Sonnen-Nachschlag. Selbst hinter den Wällen des Flachlandspeichers, einer von zwei Talsperren im Land Brandenburg, kamen die Spaziergänger auf ihre Kosten.

Der Weg in Richtung Bork führte sie von warmer Helligkeit in schattige Kühle. Linkerhand liegt still der alte Friedhof. Man übersieht ihn fast. Die Steine der Erinnerung liegen da wie gefällt. Das ist gewollt. Der Friedhof ist tot. Nur zwei Grabstellen blieben. Es sind Soldatengräber. Ein Stein erinnert an zehn junge Männer, die am 1. Mai 1945 starben, als sie versuchten, Truppen der Sowjetarmee aufzuhalten, die dann tags darauf in Kyritz einmarschierten. Die Namen der zehn blieben unbekannt.

Grabstätte von 10 unbekannten Soldaten auf dem Waldfriedhof Stolpe. Quelle: Wolfgang Hörmann

Nicht so beim Grab nebenan. Das Holzkreuz wurde für den 35-jährigen Helmuth Hansen aufgestellt. Wucherndes Immergrün verdeckt die Schrift. Beide Grabstätten gehören zur Geschichte von Stolpe, das kein eigenständiger Ort ist, auch kein Ortsteil, „nur“ eine Kyritzer Straße. Breit macht sich das Sammelbecken für Wasser, das der Landwirtschaft in trockenen Tagen dient, Instrument ist für den Hochwasserschutz. Es hat in den fünf Jahren Bauzeit bis 1979 eine ganze Region verändert. Vom Dorf am Obersee blieben nur Fragmente.

Der Waldfriedhof wurde „aufgelassen“. Die Gräber blieben noch, betreut von Angehörigen der Verstorbenen. Die letzte Bestattung aber gab es schon 1970. Zeit verging. Die Stadt Kyritz stellte 1996 an die „Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“ den Antrag auf Umbettung der sterblichen Überreste aus den Soldatengräbern.

Tochter schrieb einen Brief an die Stadt Kyritz

Dass es letztlich nicht dazu kam, hat auch mit einem 1999 geschriebenen Brief aus München zu tun. Absenderin war Astrid Hansen, Tochter des auf dem Stolper Friedhof beerdigten Soldaten, der ebenfalls am 1. Mai starb. Wenigstens er sollte „kein Unbekannter bleiben“, so die Schreiberin. Sie enthüllte das Schicksal ihres Vaters, eines Flugversuchsingenieurs bei den Junkers-Werken in Bernburg, unabkömmlich gestellt, aber unvorsichtig. „Anfang 1944 machte er im Kollegenkreis die Bemerkung, der Krieg könne nicht mehr lange dauern. Am nächsten Tag bekam mein Vater eine Zwangseinberufung zur SS (Brandmal in der Achsel) mit dem Befehl, Minen zu entschärfen – ein Himmelfahrtskommando. Die Zeit des Minenentschärfens überlebte er, doch wegen des SS-Brandzeichens, das er sich mit einer Zigarre weggebrannt hatte, wollte er auf keinen Fall in russische Gefangenschaft kommen. Er floh in Zivil, doch am Stolper See wurden er und andere Kameraden von den Russen gestoppt. Er wurde mit Kopfschuss getötet.“

Den Antrag auf Umbettung zurückgezogen

Nach diesem Brief, gerichtet an das Rathaus in Kyritz, zogen die Verantwortlichen den Antrag auf Umbettung zurück, „mit der Anlage Ihrer wertvollen Zeilen“, wie es in einem Antwortschreiben an Astrid Hansen hieß.

Auch sieben Jahre später hat dieser Beschluss Bestand – noch, denn eine Umbettung in eine andere Kriegsgräberstätte sei rechtlich zulässig, so Christin Diercke, zuständige Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung, „aber aktuell nicht vorgesehen“.

Von Wolfgang Hörmann

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