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Totschlag im Suff

Wittenberge Totschlag im Suff

Wenn Heiko G. getrunken hat, ist er unberechenbar und kreuzgefährlich. Mehrfach bereits war er deshalb auf der Anklagebank. Am Freitag musste er sich vor dem Landgericht in Neuruppin verantworten, weil er alkoholisiert einen Bekannten so geschlagen haben soll, dass dieser starb. Erst Jahre später kam diese Tat ans Licht.

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Quelle: dpa

Wittenberge. Für Heiko G. geht es um viel. Sollte das Gericht ihn für schuldig halten, droht dem 45-jährigen Wittenberger Gefängnis.

Für die Staatsanwaltschaft ist er derjenige, der im Januar 2007 den 30-jährigen Marko F. so geschlagen hat, dass der an den Folgen starb. Das Opfer wurde Tage später in seiner Wohnung in Perleberg tot aufgefunden, ein Täter lange Zeit nicht ausgemacht. Erst im Juni 2015 zeigte ein Neffe Heiko G. an, nachdem dieser sich ihm als möglicher Totschläger offenbart hat.

Wegen dieser und anderer Gewalttaten, muss sich Heiko G. seit Januar vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Immer wieder rutscht ihm die Hand aus, wenn er Alkohol getrunken hat. Dann sind es oft Kleinigkeiten, die ihn ausrasten lassen, wie auch sein Vorstrafenregister zeigt. Immer wieder saß er wegen Körperverletzungen auf der Anklagebank und hinter Gittern.

G. hält sich selbst nicht für einen Säufer

G. hat zugeben, Marko F. geschlagen zu haben. Er sei aber davon ausgegangen, dass dieser nicht schwer verletzt war, als er die Wohnung verließ. Er selbst bezeichnete sich nicht als alkoholabhängig. Er „Aber immer, wenn ich trinke, passiert etwas“, sagte er. Dann setzt er sich ohne Führerschein ans Steuer, sucht Streit oder schlägt zu. „Ich muss die Finger vom Alkohol lassen“, gab sich der Anklagte reuig. Alkohol lasse bei ihm den Frust hochkommen, so G., der sich vom Leben oft ungerecht behandelt fühlt. Er hat schon einmal sechseinhalb Jahre wegen versuchten Totschlages im Gefängnis gesessen – unschuldig, wie er beteuert.

Zu Schulzeiten war G. aktiver Ringer, warf dann aber alles hin. Als Jugendlicher kam er nach Prügeleien und Schwarzfahrten in ein Spezialheim. Anschließend lernte er im Nähmaschinenwerk Wittenberge den Beruf des Drehers; war dann nach der Wende für eine Hamburger Firma auf Montage und hat als Fachverkäufer in einem Baumarkt gearbeitet. 2010 wurde er der Haft entlassen worden und zog zurück in seine Heimatstadt Wittenberge. Dort lernte er seine Lebensgefährtin Angelika N. kennen.

Die Freundin war plötzlich eine Verlobte

Die 49-Jährige hatte bei ihrer polizeilichen Vernehmung 2016 umfassend ausgesagt – offenbar nicht zu Gunsten ihres Freundes. Am Freitag vor Gericht wollte sie davon nichts mehr wissen. Sie berief sich darauf, dass ihr als Verlobter des Angeklagten ein Zeugnisverweigerungsrecht zustehe. „Dass Sie verlobt sind, ist uns neu“, wunderte sich Richter Udo Lechtermann. Doch, beteuerte Angelika N. Sie und Heiko G. hätten sich im November 2014 in Schwerin verlobt und gleich Ringe gekauft. Zu diesem Zeitpunkt war der Angeklagte allerdings noch verheiratet.

„Wir sind wirklich verlobt“, beteuerte sie immer wieder. Darauf würde sie auch einen Eid schwören. Sie habe G. einen Brief ins Gefängnis geschrieben, dass sie zu ihm halte und ihn heiraten wolle.

Das konnte das Gericht nicht widerlegen und deshalb auch die Aussage der Freundin vor der Polizei nicht verwerten. Denn: „Wenn das für Heiko negativ ist, erlaube ich das nicht“, sagte Angelika N.

Zeugen beschreiben den Angeklagten als aggressiv

Der Angeklagte wurde bisher von allen Zeugen als aggressiv beschrieben, der getötete Marko F. dagegen als sehr ruhig und friedfertig, Das bestätigte auch dessen Schwester. Sie hatte bei ihrem Bruder im Dezember 2006 ein handtellergroßes Hämatom an der Schulter festgestellt. Seiner Erklärung, er sei gestürzt, habe sie nicht geglaubt.

Mit einem Urteil wird für den 24.Februar gerechnet.

Von Dagmar Simons

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