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Tränen nach der Fragestunde

Wittstock Tränen nach der Fragestunde

Jugendliche kämpften vor den Wittstocker Stadtverordneten um ihr geplantes Domizil. In der Fragestunde wollten sie Klarheit. Doch das Ergebnis empfanden sie als ernüchternd: „Wir sind so schlau wie vorher.“

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Die Jugendlichen während der Einwohnerfragestunde der Wittstocker Stadtverordnetenversammlung.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. „Es ist schade, dass sie uns so vor die Wand haben fahren lassen“, sagt Laura Schönfeld und kann ihre Tränen nicht länger zurückhalten. Sozialarbeiterin Manja Jungbluth nimmt das Mädchen in den Arm, versucht zu trösten. Einen Moment lang stehen beide so vor dem Rathaus in Wittstock. Dort haben sie und etwa 15 weitere Jugendliche einige Minuten zuvor in der Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung aus erster Hand von Bürgermeister Jörg Gehrmann (parteilos) erfahren, dass der Plan für einen Skater- und Veranstaltungsort im Lokschuppen des Bahnhofsareals vorerst auf Eis liegt. Die Firma Swiss Krono aus Heiligengrabe könnte dort vielleicht ein Tagungs- und Ausbildungszentrum einrichten (die MAZ berichtete). Bis September wolle die Firma eine Entscheidung treffen – deshalb die Warteposition.

Die Jugendlichen fühlen sich beiseite geschoben, und das, obwohl sie seit zwei Jahren vor allem innerhalb der Demokratiewerkstätten an der Gestaltung des Lokschuppens nach ihren Vorstellungen arbeiten. Deshalb traten sie am Mittwochabend vor die Stadtverordneten, um zu fragen, was nun aus ihren Plänen werden soll und ob womöglich alles umsonst war.

Höherwertig oder nicht?

Nachdem Gehrmann die Krono-Pläne als „höherwertig“ eingestuft hatte, weil mit ihnen Ausbildung und Arbeitsplätze einhergehen würden, setzte Kerstin Zillmann (Linke) dem entgegen, dass es kaum ein höherwertiges Ziel geben könne als Jugendliche hier zu halten. Sie plädierte für einen „vernünftigen Austausch“. Angelika Noack (Linke) betonte, dass den Jugendlichen eine räumliche Alternative angeboten werden müsse, in die sie ihre Ideen einfließen lassen können. All die bisherige Arbeit dürfe nicht umsonst gewesen sein. Zudem dürfe der Begriff „Kämpfen“ in diesem Zusammenhang nicht negativ ausgelegt werden. „Die Jugendlichen wollen sich Gehör verschaffen und dafür sorgen, dass wenigstens ein Gespräch stattfindet.“

„Ich finde, das ist eine Farce“

Bürgermeister Jörg Gehrmann sagte, dass ihm bisher nicht bekannt gewesen sei, dass die Pläne für ein Jugendzentrum neben dem Lokschuppen auch den Wasserturm mit einschließen. Er bekannte, dass er „sehr traurig“ wäre, wenn Krono nicht zum Zuge käme. Aus seiner Sicht sei die gesamte Diskussion verfrüht, weil das Thema „noch gar nicht gegenständlich“ sei. Er sei für Gespräche immer zugänglich und habe auch einen Alternativvorschlag auf dem Bahngelände gemacht. „Ich finde, dass das, was hier heute abgeht, eine Farce ist.“

„Wir sitzen in der Zwickmühle“, meinte Günter Lutz (FWG) und plädierte ebenfalls für eine Alternative für die Jugendlichen. Ihre Arbeit solle nicht vergebens gewesen sein, „aber im Leben geht nun mal nicht alles nach Plan“. Gleichzeitig bezeichnete er es aber auch als „einzigartig“, wie die Jugendlichen sich hier für ihr Projekt engagieren.

Vor Ort umschauen

Philipp Wacker (CDU) schlug vor, sich vor Ort umzusehen, um die Situation besser einschätzen zu können. „Wir sollten hier nicht aufeinander losgehen“, sagte Lutz Scheidemann (FDP) und wünschte mehr Informationen zum gesamten Sachverhalt.

Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Schultz (Kreisbauernverband) stellte fest, dass hier offensichtlich noch weiterer Diskussionsbedarf bestehe. Die Jugendlichen wären an einem gemeinsamen Gespräch mit der Stadt und Swiss Krono sehr interessiert, wie sie nach der Fragestunde vorm Rathaus deutlich machten. Die Enttäuschung war ihnen anzusehen.

„Wir sind so schlau wie vorher“, sagte einer aus der Runde. Und für Manja Jungbluth habe Gehrmann das alles „zu persönlich genommen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er von den Planungen für den Wasserturm nichts gewusst haben will“, sagte sie. „Es gab 17 Demokratiewerkstätten“, ergänzte ein Jugendlicher.

Von Björn Wagener

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