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Trafostation mit Graffiti aufgepeppt

Blandikow Trafostation mit Graffiti aufgepeppt

Grauer und schnörkelloser Beton auf Trafostationen war gestern. Immer mehr dieser Häuschen werden zur Zielscheibe von Graffitisprayern – und das ganz legal. Derzeit ist der Berliner Steven Karlstedt in Blandidow am Werk. Dort peppt er im Auftrag vom Energieversorger Edis die Trafostation auf. Weißstorch, Blumen und Felder bringen Farbe in den November.

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Vorsicht, Hochspannung: Der Weißstorch nimmt neben dem Warnschild Konturen an.

Quelle: Christamaria Ruch

Blandikow. Das ist ja noch mal gut gegangen. Der Weißstorch breitet seine Flügel zum Abflug aus. Ganz dicht neben seinem Kopf sticht ein gelbes Achtungsschild mit der Aufschrift Hochspannung ins Gesicht. Die Gefahr vom Stromschlag ist nur einen Flügelschlag entfernt.

Zum Glück spielt sich dieses Szenario nur auf der Fassade einer nagelneuen Trafostation in Blandikow ab. Der Berliner Graffitikünstler Steven Karlstedt verwandelt derzeit die betongraue Fassade in eine Sommerlandschaft mit Storch, Blumen und Feldern. Seit Freitag vergangener Woche entstand bei diesem Auftrag ganz legales Graffiti. „Je größer ein Graffiti ist, umso besser“, sagt der 32-Jährige.

Seit 2008 ist er als selbstständiger Künstler unterwegs. Der Energiedienstleister Edis ist auch in Blandikow sein Auftraggeber. „Das ist immer ein extremer Werbeeffekt“, sagt Karlstedt. Seit 2016 arbeitet er im Auftrag von Edis und bringt in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Farbe ins Land. Gut 50 Stationen hat er bisher aufgepeppt.

Ganz legal

Ganz legal: Der Berliner Graffitikünstler Steven Karlstedt bei seiner Auftragsarbeit in Blandikow.

Quelle: Christamaria Ruch

Die Trafostation in Blandikow hat ein Standardmaß. 18 Quadratmeter Fläche werden mit Graffiti bedeckt. Im Nachbarort Papenbruch war Steven Karlstedt ebenfalls aktiv. Seit zwei Monaten können dort Autofahrer auf dem Weg nach Wittstock immer einen Blick auf die drei Dorfmotive werfen. „Das war extrem aufwendig, drei Tage habe ich jeweils zwölf Stunden daran gearbeitet“, erinnert er sich.

Der Putz und die Betonteile werden zunächst zweimal mit Acrylfarbe grundiert. Die Metallteile werden angeraut und ebenfalls grundiert. Doch dabei arbeitet er immer gegen die Jahreszeit. Denn beim Grundieren muss das Thermometer mindestens fünf Grad anzeigen – auch nachts. „Sprühen geht bis null Grad.“

Acryllack ist acht Jahre haltbar und wetterbeständig. Die Schutzmaske trägt Steven Karlstedt fast immer. „Ich mache das ja nun seit mehr als 15 Jahren und ohne Schutz würde sich das auf die Gesundheit auswirken.“

Auch die Trafostation in Papenbruch ist ein Meisterwerk von Steven Karlstedt

Auch die Trafostation in Papenbruch ist ein Meisterwerk von Steven Karlstedt.

Quelle: Christamaria Ruch

Ganz nebenbei lernt Steven Karlstedt durch seine Graffitiaktionen die weiten Landstriche hinter Berlin kennen. „Durch die Aufträge kam ich erstmals auch in die Prignitz“, sagt der Berliner. Er zeigt sich fasziniert von der Idee, die Trafostationen mit Landschaften zu verschönern. „Egal, wohin ich fahre, die bunten Stationen fallen jedem ins Auge“, so der Künstler. Bei dieser speziellen Form von Graffiti kommt es darauf an, „die Bilder so zu gestalten, dass der Betrachtungswinkel aus der Sicht der Autofahrer berücksichtigt wird“, so Steven Karlstedt. Daher pendelt er immer wieder die paar Meter zwischen Station und Dorfstraße und sucht die Perspektive der Fahrzeuge.

„Wir haben hier nur eine grobe Richtung angegeben“, sagt Robert Scholz, Ortsvorsteher in Blandikow, auf MAZ-Nachfrage. Die Mitglieder vom Ortsbeirat fanden mit dem Storch und Blumen schnell ein Motiv. Denn Meister Adebar brütet Jahr für Jahr in einem Horst neben der Kirche. „Mein erster Eindruck vom Graffiti – das ist super geworden“, sagt Robert Scholz.

Schlüsselerlebnis mit 16 Jahren

„Ich habe schon immer gern gemalt“, sagt Steven Karlstedt. Mit 16 folgte ein Schlüsselerlebnis. Ein neuer Mitschüler kam in seine Klasse und der malte alles in Graffiti. Daraufhin wurde er von diesem Virus infiziert. „Ich war dann nur noch mit der Spraydose unterwegs“, sagt Karlstedt. Auch wenn er sich mit anderen Maltechniken auseinandersetzt: „Nichts geht so schnell wie Graffiti.“ Die Palette umfasst 250 Farbtöne und davon hat er immer 200 dabei. Jedes Motiv auf einer Trafostation muss in die Umgebung passen, lautet eine Grundregel. Dabei ist vieles möglich. Steht eine Station im Dorf, spiegelt sich die Natur auf den Wänden wider. „Eine Station am Supermarkt verträgt auch Gemüse“, sagt der Künstler.

Unterdessen nimmt der Graffitistorch weiter Konturen an. Die Flügel stechen schon ins Auge und wenig später greift Karlstedt zur Dose mit knallroter Farbe für den Schnabel. Dabei wechselt er ständig seinen Blick von der Motivvorlage zur Trafostation. „Oft habe ich Fotos als Vorlage oder ich entwerfe die Motive wie hier für Blandikow“, sagt er.

Jeder Strich aus der Spraydose sitzt

Jeder Strich mit der Spraydose sitzt. Und wenn mal etwas daneben geht, „kann das problemlos übersprüht werden.“ Hat er die Schutzmaske auf und dann auch noch Kopfhörer, heißt das: bitte nicht stören. „Doch hier bellen nur die Hunde“, sagt er. Ansonsten gehen die Leute an ihm vorbei. Ab und zu legt Steven Karlstedt eine Pause ein, holt seine dreijährige Hündin „Scherry“, ein Pinscher-Terrier-Dackel-Mix, aus dem Auto, und geht mit ihr Gassi durch die weite Landschaft.

Von Christamaria Ruch

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