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Transparentpapier aus Hohenofen

Bis zum 30. September 1990 wurde produziert Transparentpapier aus Hohenofen

In diesem Jahr erlebt die ehemalige Papierfabrik in Hohenofen ihr 175-jähriges Bestehen. Bis zum Jahr 1990 wurde auf dem Industriegelände in dem kleinen Ort bei Neustadt noch in vollem Umfang gearbeitet und vorzugsweise Transparentpapier hergestellt.

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So sah die Patent-Papierfabrik Hohenofen einst aus.

Quelle: REPRO: KNAAK

Hohenofen. Im Jahr 2013 erlebt die ehemalige Papierfabrik in Hohenofen ihr 175-jähriges Bestehen. Bis zum Jahr 1990 wurde auf dem Industriegelände in dem kleinen Ort bei Neustadt noch in vollem Umfang gearbeitet und vorzugsweise Transparentpapier hergestellt.
Bedingt durch die neuen wirtschaftlichen Ausrichtungen, die die deutsche Wiedervereinigung Ende 1989 mit sich brachte, kam es am 30. September 1990 zur endgültigen Abschaltung der Papiermaschine und des Kesselhauses auf dem Fabrikgelände in Hohenofen. Auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern für das Werk, die insgesamt erfolglos verliefen, wurden letztendlich zum 31. Dezember 1991 alle Beschäftigten entlassen. Seitdem herrschen Ruhe und Stillstand, dennoch ist die gesamte Papierlinie einschließlich der Papiermaschine bis heute erhalten geblieben. 

Johann Jacob Kayser  war der erste Faktor 

Im Jahre 1836 begannen in Hohenofen Bauarbeiten für eine Papierfabrik unter der Bauleitung des königlichen Bauleiters Kloht und der Verwaltung des bisherigen Kanzleisekretärs der Seehandlung Berlin Rau. Auch der künftige Fabrikleiter – man nannte ihn auch Faktor – Johann Jakob Kayser wirkte von Anfang an mit, galt es doch eine Fabrikationsanlage mit Papiermaschine, die dem damaligen Stand der Technik entsprach, zu errichten. Der Standort war wegen der Lage an der Dosse geeignet, und so erwarb die Seehandlung Berlin das Grundstück, auf dem bereits in zurückliegender Zeit Erz „verhüttet“ wurde. 

Die Entwicklung bei der maschinellen Herstellung von Papier ging seinerzeit rasant voran. 40 Jahre zuvor war die Papiermaschine noch gar nicht erfunden. Das benötigte Papier wurde sämtlich von Hand im Schöpfverfahren von Papiermachern hergestellt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war man jedoch allgemein zu der Erkenntnis gelangt, dass der handwerksmäßige Betrieb des Schöpfens bei dem immer größer werdenden Bedarf unzureichend wäre. Trotz der Doppelformen, zu denen man übergegangen war, um die Leistung zu erhöhen, betrug das Tagwerk eines Schöpfers nur wenige tausend Bogen und die gesamte Erzeugung war zu gering, um den Bedarf zu decken. Der Preis des Erzeugnisses, das so viel Handarbeit erforderte, war demzufolge entsprechend hoch. 

Die allgemein einsetzende Mechanisierung der Erzeugungsvorgänge griff nun auch auf die Papiermacherei über, denn die Werkarbeit war im Sinne der Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft – Beginn der Arbeit früh gegen vier Uhr und Ende abends gegen sechs – sozial kaum noch zu rechtfertigen. In den Nachwehen der Französischen Revolution kamen deshalb vielfach Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern auf. Die Handpapiermacher fühlten sich unentbehrlich in ihrer „Kunst“ und kamen mit Forderungen daher, die kaum zu erfüllen waren. 

Ein Franzose hatte die  Idee für die Mechanisierung 

So war es auch ein Franzose, nämlich Nicolas Louis Robert, der sich dem Problem der Mechanisierung des Erzeugungsvorgangs von Papier zuwandte. Er schildert in seiner Patentschrift, die aus dem Jahre 1798 stammt, folgendes: „Es ist mein Traum gewesen, den Arbeitsvorgang, Papierblätter zu bilden, zu vereinfachen, … Papierbogen von außergewöhnlicher Länge auf rein maschinelle Weise, ohne die Hilfe von Papierarbeitern herzustellen … So ist eine Maschine zustande gekommen, die meine Erwartungen erfüllt …“ 

Nicolas Louis Robert war selbst jedoch nicht in der Lage, seine Erfindung wirtschaftlich zu verwerten und trat sie daher an seinen Arbeitgeber Didot ab. Der wiederum wendete sich an den englischen Papiermacher Gamble, der im Jahre 1803 das Patent für die Erfindung erwarb. Gamble interessierte die Londoner Papierhändler Henry und Sealy Fourdrinier für das Vorhaben, die ihrerseits Bryan Donkin, den technischen Angestellten einer englischen Maschinenfabrik, mit dem Bau einer Papiermaschine betrauten. 

Donkin vervollkommnete die Idee von Nicolas Louis Robert und fertigte so im Jahre 1803 die erste verwendungsfähige Papiermaschine mit einer Breite von 76 Zentimetern, im folgenden Jahr auch schon eine solche mit 152 Zentimetern Breite, die in einer englischen Papierfabrik in Betrieb genommen werden konnte. Was aber dieser Maschine und vielen weiteren, die in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten gebaut wurden, noch fehlte, war die mechanische Trocknung der Bogen. Die Bahn wurde feucht aufgerollt und anschließend auf umständliche Weise auseinandergenommen, um geleimt und getrocknet zu werden. 

Die früheste Idee von geheizten Trockenzylindern verdanken wir dem deutschen Papiermacher Adolf Keferstein aus Weida im Jahre 1816. Dieser Gedanke wird auch in England bekannt und 1820 dem englischen Erfinder Crompton ein Patent erteilt. Im Jahre 1818 wurde in Berlin eine Papiermaschine nach englischem Muster vom Engländer Josef Corty aufgestellt, die vermutlich als die Erste auf deutschem Boden gilt. 

So reiht sich der Bau der Patent-Papierfabrik in Hohenofen in die Reihe erster Papiermaschinen ein, die in Deutschland ihren Betrieb aufnahmen. Im November des Jahres 1837 begann der englische Mechaniker Grabb in Hohenofen mit dem Aufstellen der Papiermaschine von Bryan Donkin & Co, gemeinsam mit den englischen Facharbeitern Charles Harries, John Offord und George Humphrys. 

Am 3. Juni des Jahres 1838 fand schließlich die Einweihung der neuen Fabrik statt. Nach einigen Probeläufen konnte dem damaligen Steueramt in Neustadt an der Dosse mitgeteilt werden: „Das Papiergeschäft hat am 1. Juli 1838 begonnen.“ In Deutschland gab es 1846 noch über tausend Schöpfbütten und insgesamt erst 150 Papiermaschinen.  

Auch wenn die Originalmaschine von Bryan Donkin in Hohenofen heute nicht mehr vorzufinden ist, so lässt doch die erhalten gebliebene komplette Papierlinie, die von der Stoffaufbereitung in den Bleich- und Mahlholländern bis hin zur Papiermaschine mit Sieb-Pressen- und Trockenpartie reicht, einen Eindruck auf den damaligen Fortschritt erahnen, den die maschinelle Fertigung von Papier brachte. Die einzigartige Bedeutung dieser Fabrik für die Geschichte der deutschen Papierindustrie beruht auf der Bewahrung der Tradition der ersten deutschen Papierfabrik mit der ersten Papiermaschine in Deutschland, ihrer einstigen Muttergesellschaft, der Patent-Papier-Fabrik zu Berlin. 

Von Bodo Knaak 

Quellen: Armin Renker: Das Buch vom Papier, Inselverlag, 1950; Hohenofen Eisen und Papier, Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Papierfabrik Hohenofen; Klaus. B. Bartels: Papierherstellung in Deutschland: Von der Gründung der ersten Papierfabriken in Berlin und Brandenburg bis heute,  be.bra, 2011 

„JACKE WIE HOSE – KLEIDER AUS PAPIER“ – KUNSTAUSSTELLUNG ZUM JUBILÄUM

175 Jahre Papierfabrik Hohenofen sind für den Verein „Patent-Papierfabrik Hohenofen“ ein Grund, in diesem Sommer eine Kunstausstellung zu veranstalten. Sie trägt den Titel „Jacke wie Hose – Kleider aus Papier“. 

Als am 1. Juli 1838, fast auf den Tag genau vor 175 Jahren, die Papierfabrik in Hohenofen ihre Produktion aufnahm, wurde Papier fast ausschließlich aus Leinen-Lumpen hergestellt. Im Gegensatz zu heute, wo Textilien massenhaft und billig zu haben sind, waren Lumpen damals rar und unter den Papierproduzenten tobte ein ständiger Kampf um den Rohstoff. Das Lumpenhaus auf dem Gelände der Papierfabrik, in dem die Lumpen angeliefert, sortiert und aufbereitet wurden, erinnert noch heute an diese Zeit. 

Auf dieser historischen Grundlage haben sich vier Künstlerinnen und Künstler das Thema „Kleider aus Papier“ gesetzt. Eva-Maria Schön aus Berlin, Antje Scholz aus dem Oderbruch und Petra Walter-Moll und TO Helbig aus Mecklenburg-Vorpommern arbeiten ausschließlich oder vorzugsweise mit dem Material Papier. Sie nutzen es als Träger für Bilder, Fotos und Zeichnungen, in der Ausstellung zeigen sie jedoch hauptsächlich dreidimensionale Arbeiten – Rauminstallationen, Skulpturen und Objekte, die zum Teil extra für diesen Ort entstanden. Dabei handelt es sich nicht um „Kleider“ im eigentlichen Sinne, sondern um freie Arbeiten, die den ehemaligen Produktionsort in neue Zusammenhänge setzen und die Besucher zum Erleben und Assoziieren einladen. TO Helbig hat zum Beispiel das Werk „Rettungswesten“ geschaffen, das teils melancholisch, teils augenzwinkernd den Untergang dieses Produktionsortes thematisiert. 

Die Ausstellung wird am Sonnabend, dem 13. Juli, eröffnet. Besucher sind ab 14 Uhr dazu willkommen. Die Tänzerin Janine Schneider und die Künstler Eva-Maria Schön und TO Helbig werden Performances gestalten. Die Eröffnungsrede hält der Moderator und Übersetzer Bernhard Robben. 

Die Papierfabrik Hohenofen ist bis zum 8. September immer samstags und sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Wer sich für die Technologie und Geschichte der Fabrik interessiert, kann sich für einen einstündigen Rundgang über das ehemalige Fabrikgelände einen Audioguide ausleihen. 

Das Projekt wird gefördert durch das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER). Weitere Informationen unter www.papierfabrik-hohenofen.de

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