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Ostprignitz-Ruppin Trinkfester Diplomat, erfolgloser Vermittler
Lokales Ostprignitz-Ruppin Trinkfester Diplomat, erfolgloser Vermittler
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00:18 13.02.2017
Modell der vollständigen Bischofsburg in den Museen Alte Bischofsburg in Wittstock.– nur wenig ist von den alten Bauten noch übrig. Quelle: Claudia Bihler
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Wittstock

An Wunderstätten habe es kurz vor der Reformation keinen Mangel gegeben, schrieb J. Gebauer im Jahr 1888 in einer wissenschaftlichen Beilage zur Geschichte der Reformation im Bistum Brandenburg: In Stepenitz, Techow und Wilsnack habe es Hostienwunder gegeben, anderswo hätten Marienbilder die Leiden der Menschen wirkungsvoller geheilt als alle Kunst der Ärzte. Klöster und Bettelorden waren allenthalben zu finden. Doch Wittenberg, die Wirkungsstätte Martin Luthers, war nicht weit – die Inhalte seiner Thesen machten bald auch die Runde im Volk, während sie von den Eliten eher „ungnädig“ aufgenommen worden seien.

Doch bevor Luther seine Thesen veröffentlichte, hatte er diese zunächst dem Brandenburger Bischof Hieronymus Schulz vorgelegt – jenem Bischof, der in Brandenburg der Vorgesetzte Martin Luthers war und der später als vorletzter katholischer Kirchenfürst des Bistums Havelberg in Wittstock starb und in der Marienkirche beigesetzt wurde.

Disputieren, nicht nominieren

Die Worte, die Martin Luther am 22. April 1518 an seinen Vorgesetzten richtete, waren so flehentlich wie klar: „Nehmt deshalb diesen meinen schwächlichen Versuch gütig auf, und damit alle sehen, wie fern mir dreiste Behauptungen liegen, erlaube ich Euch, ja bitte ich Euch auf den Knien, verehrungswürdiger Vater, nehmt die Feder und tilgt aus, wovon es Euch nötig scheint, oder werft das Ganze ins Feuer, es soll mir nichts daran gelegen sein. Ich weiß, Christus bedarf meiner nicht und wird ohne mich kundtun, was seiner Kirche dient.“ Disputieren, nicht nominieren habe er wollen, betonte Luther.

Hieronymus Schulz hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine steile diplomatische Karriere hinter sich. Abgesehen von dem Umstand, dass er in Gramschütz in Schlesien geboren wurde, ist wenig über seine Herkunft bekannt. Während einige Quellen ihn als Edelmann bezeichneten, weisen andere auf seine Herkunft aus einer bäuerlichen Familie hin. Die überwiegende Meinung ist, dass er als Sohn eines einfachen Dorfschulzen geboren wurde und sich durch hohe Intelligenz, umfangreiche Bildung und diplomatisches Geschick zum Vertrauten des Kurfürsten hochgearbeitet hat. Studiert hatte er unter anderem an der Artistenfakultät in Leipzig. Im italienischen Ferrara hatte er den zweithöchsten akademischen Grad der Theologie erworben. Auch für sein rhetorisches Talent war er bekannt; so habe er drei Stunden fesselnd erzählen können, schreibt Adolf Schimmelpfennig 1880 in der deutschen Biografie.

Erfolgreich gegen Straßenräuber, Pate des Kurfürstensohns

Hiernoymus Schulz hatte den Kurfürsten Joachim I. unter anderem bei den Verhandlungen mit dem polnischen König zur Eindämmung der Straßenräuberei in Cottbus begleitet. Der Kurfürst hatte ihn zu den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Karl V. entsendet oder auch nach Dänemark, wo er mit einer unbekannten diplomatischen Aufgabe betraut worden war. Schließlich war er sogar bei der Taufe des Kurfürstensohnes dabei – als dessen Pate.

1507 wurde Schulz Bischof in Brandenburg. In dieser Funktion wurde er als Luthers Vorgesetzter auch zum Vermittler um Luther eingesetzt. Zu Beginn hat er wohl keine ablehnende Haltung gegenüber Luther bezogen, ihm jedoch geraten, auf eine Veröffentlichung seiner Thesen zu verzichten. Luther hatte sich dem Wunsch seines Bischofs zunächst gebeugt. Nachdem der Disput um die Thesen insbesondere mit dem Ablassprediger Johann Tetzel aber neue Eskalationsstufen erreichte, konnte auch ein persönliches Gespräch des Bischofs mit seinem aufrührerischen Theologieprofessor diesen nicht mehr zur Umkehr bewegen – mit den bekannten Folgen der Reformation. Schulz wurde zum entschiedenen Gegner Luthers, schlug jedoch auch die Exkommunikationsbulle nicht in Wittenberge an – offenbar aus Angst vor der Aufruhr im Volke. Aber selbst auf dem Wormser Reichstag versuchte er weiter, Luther zur Umkehr zu bewegen.

Kampfabstimmung ums Bischofsamt

Während Luther den Reichstag als Vogelfreier verlässt, sind des Bischofs Vermittlungsversuche gescheitert. Dennoch sollte Schulz später auf Betreiben des Kurfürsten auch das Bistum von Havelberg übernehmen.

Die Abstimmung, mit der Hieronymus Schultz ins Amt befördert wurde, glich dabei einer Kampfabstimmung. Nach dem Tode des vorherigen Havelberger Bischofs Johannes von Schlabrendorff hatte das Havelberger Domkapitel bereits Georg von Blumenthal zum Nachfolger gewählt. Doch Schultz war der Wunschkandidat des Kurfürsten. Und auch, wenn der Vertraute des Herrschers nur zwei Stimmen auf sich vereinigen konnte, konnte der Kurfürst seinen Kandidaten im Amt installieren. Offenbar hatte die römische Kurie auch deshalb dem Wunsch Joachims nachgegeben, weil sie den brandenburgischen Kurfürsten in den turbulenten Zeiten der Reformation dem Katholizismus verpflichtet halten wollte. In Begleitung des Kurfürsten und dessen Gefolge zog der vorletzte katholische Havelberger Bischof am 9. August 1521 in seinem Bistum ein und bezog mit der Wittstocker Bischofsburg seine neue Residenz.

Den Luxus der damals reich ausgestalteten Bischofsburg sollte er jedoch nur kurze Zeit genießen können. Und auch den völligen Zusammenbruch der katholischen Kirche in der Mark sollte der Havelberger Bischof nicht mehr erleben. Etwa ein Jahr nach seiner Amtsübernahme starb Schulz am 29. Oktober 1522 in Wittstock.

Wittstocks Marienkirche: Hier wurde Hieronymus Schulz begraben. Quelle: Claudia Bihler

Einige Chronisten wollen dafür Trunksucht als Ursache ausgemacht haben. Im „Versuch einer Geschichte der Churmark“ schreibt 1776 Pfarrer Samuel Buchholz nach ausdrücklicher Anerkennung der Schulzschen Verdienste: „Aber so fromm oder auch so ehrbar wie ein Bischof war er nicht.“ Er habe ein „Räuschchen geliebt“ und sich den Annehmlichkeiten des Hofes nicht versagt. Seine Geschäften allerdings sei er dennoch nachgekommen. Wenn am schärfsten herumgezecht worden sei und alle von Sinnen waren, hätte er immer noch stehend und „mit fertiger Zunge vortreffliche Reden“ halten können.

Bischof Hieronymus Schulz wurde in der Wittstocker Marienkirche bestattet. Sein Grabbildnis verschwand jedoch bereits Ende des 18. Jahrhunderts.

Von Claudia Bihler

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