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Trockenheit und Müll gefährden den Wald

Neuruppin Trockenheit und Müll gefährden den Wald

Schädlinge verursachen Schäden im Wald, klar. Vor allem dann aber, wenn die Bäume durch Wetterextreme wie den trockenen Sommer in diesem Jahr geschwächt sind. Neben den Wetterkapriolen tritt der Mensch mal wieder als Risikofaktor auf: Wenn er seinen Gartenabfall im Wald entsorgt, verändert er die Waldwelt auf Dauer.

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Damit der Wald so bleibt, wie er ist, dürfen die Menschen nicht ihren Müll unter den Bäumen entsorgen – auch dann nicht, wenn es sich um angeblich für die Natur unschädlichen Grünabfall handelt.

Quelle: Celina Aniol

Neuruppin. Ihr Name: ellenlang und damit fast unaussprechlich. Dennoch geht er den Förstern flott über die Lippen. Denn wer viele Kiefernbuschhornblattwespen in seinem Revier hat, der hat ein Problem. Die Larven des Schädlings fressen Kiefernnadeln en masse – und gefährden damit den Kiefernbestand in den Wäldern. Im Landkreis Elbe-Elster waren in diesem Sommer Bäume von 800 Waldbesitzern bedroht. Deshalb rückten dort Experten ähnlich wie beim Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren in Ostprignitz-Ruppin dem Insekt mit einer Chemiekeule zu Leibe. Könnte sich ein ähnliches Szenario rund um Neuruppin auch bald abspielen?

Für ausgeschlossen hält das Annett Engelmann nicht. Tatsächlich sei der Wald zwischen Wulkow und Herzberg, der fast aus Kiefern besteht, gewissermaßen prädistiniert für den Kahlfraß durch die Kiefernbuschhornblattwespe, sagt die Leiterin der Oberförsterei Neuruppin, zu der neben den Flächen der Fontanestadt auch die Reviere Lindow, Fehrbellin, Temnitz und Rheinsberg gehören. Vor etwas mehr als zehn Jahren verursachte der Schädling dort auch schon einmal große Probleme und wird bis heute genau untersucht. „Bis jetzt konnten wir aber kein Auftreten der Kiefernbuschhornblattwespe in größeren Mengen mehr feststellen“, so Engelmann.

Das Problem ist aber, dass die Kiefern, wie auch der Wald insgesamt, durch die Wetterextreme der vergangenen Jahre geschwächt sind. Vor allem der trockene Sommer dieses Jahres trägt dazu bei, zumal es nicht der erste war, in dem zu wenig Regen gefallen ist. Niederschlagsdefizite führen nämlich dazu, dass das Abwehrvermögen der Bäume geringer wird. Sie können Schäden dadurch weniger gut standhalten. Neben Insekten haben dann auch Pilzkrankheiten ein leichteres Spiel. In der Neuruppiner Region seien diese zwar noch nicht vermehrt aufgetreten. Aber im nicht weit entfernten Havelland gibt es große Probleme mit Befall durch den Diplodia-Pilz.

Trotzdem gab es auch in der Neuruppiner Oberförsterei Schäden, die Annett Engelmann direkt auf die Trockenheit zurückführt. So seien einige Fichtenflächen rund um Netzeband und entlang der Autobahn abgestorben. Waldeigentümer mussten dort einige Gebiete kahlschlagen, berichtet die Forstleiterin. Auch bei den Eichen gibt es Probleme. „Wir merken, dass vor allem alte Bäume nicht so leicht mit Veränderungen beim Klima klarkommen.“ Dem Problem begegnen die Waldexperten mit Verjüngungskuren und einem Mix aus unterschiedlichen Baumarten.

Doch nicht nur Wetterkapriolen bereiten Annett Engelmann Bauchschmerzen. „Unser größtes Problem sind illegale Müllablagerungen.“ Von Kühlschränken über McDonalds-Becher und Asbest bis zum Grünschnitt – all das finden die sechs Waldarbeiter der Oberförsterei bei ihren Touren. Rund 30 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen sie mittlerweile damit, den Abfall wieder zu beseitigen, schätzt die Leiterin. Neben der Entzündungsgefahr, dem unschönen Anblick und der Verunreinigung gibt es die Gefahr, dass Gartenpflanzen den Wald verändern. „So werden Arten bei uns eingeschleppt, die nicht hierhergehören.“ Und diese werden die heimische Pflanzenwelt verdrängen. „Für mich ist es schleierhaft, warum sich jemand die Mühe macht, in den Wald zu fahren, um dort seinen Müll abzuladen, wenn die Abfallannahmestelle, die ihn kostenlos entgegennimmt, genauso weit ist.“

Von Celina Aniol

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