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Tucholsky-Erstausgabe: Zufallsfund bei Ebay

Literaturmuseum Rheinsberg Tucholsky-Erstausgabe: Zufallsfund bei Ebay

Etwa 20 Jahre lang hat Peter Böthig nach diesem Buch gesucht. Jetzt hat der Leiter des Rheinsberger Literaturmuseums die Erstausgabe von Kurt-Tucholskys „Der Zeitsparer“ auf der Internet-Auktionsplattform Ebay entdeckt – und bei dem sensationellen Fund sofort zugegriffen.

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Museumsleiter Peter Böthig mit der neuen Tucholsky-Erstausgabe.

Quelle: Celina Aniol

Rheinsberg. Am Pfingstsamstag erreichte ihn der Tipp: Bei Ebay verkauft jemand die Erstausgabe von Kurt Tucholskys „Der Zeitsparer“. Peter Böthig setzt sich sofort an den Computer. Tatsächlich findet der Leiter des Rheinsberger Literaturmuseums auf der Internet-Auktionsplattform das Buch, nach dem er die vergangenen 20 Jahre im Netz und im echten Leben gefahndet hat. Das Beste: Er kann sich die Zitterpartie einer Versteigerung sparen. Der bisherige Besitzer des Bands hat den Sofort-kaufen-Knopf aktiviert. Der Literaturwissenschaftler greift für 720 Euro zu.

„Damit ist uns ein wirklich sensationeller Kauf gelungen“, sagt Böthig. Denn das Museum schließt damit eine Lücke: Zehn Erstausgaben von Kurt Tucholsky besaß es bislang. „Jetzt haben wir alle elf.“ Zum anderen ist diese Erstausgabe eine absolute Rarität. Denn die Auflage des Buchs, das der Autor unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel 1914 beim Berliner Verlag Reuss & Pollack veröffentlicht hat, lag deutlich unter 1000 Exemplaren. Eine solche Erstausgabe nach über 100 Jahren aufzuspüren, sei oft knifflig, erzählt Böthig, während er weiße Handschuhe anzieht. „Das Buch ist in einem sehr guten Zustand.“ Nur ein paar Spuren am Rand – vermutlich Mäusebisse – gibt es. „Sehr oft anfassen will ich es aber auch nicht“, sagt der Museumsleiter und blättert vorsichtig die schon brüchig scheinenden Seiten auf. Im Werk Tucholskys nehme das Buch eine wichtige Stellung ein, auch wenn es längst nicht so bekannt ist wie sein Rheinsberg-Bestseller. Der Band versammelt groteske Erzählungen, die an Franz Kafka erinnern. Sowohl die Form als auch den Stil habe der Schriftsteller sonst selten benutzt. „Er hielt sich eher am Realen fest, Erfindungen waren nicht so sein Ding.“

Dass die Erstausgabe nun in Rheinsberg ist, verdankt die Stadt auch Sunhild Pflug. Die Tucholsky-Kennerin und Mitarbeiterin der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten hat früher in Rheinsberg geforscht, an Ausstellungen und Lesungen mitgearbeitet „und ist uns immer noch verbunden“. Ihr Ebay-Tipp ist nicht nur wegen des aktuellen Erwerbs wertvoll. Im Fundus des Verkäufers, eines Sammlers aus Baden-Baden, könnten noch einige Kostbarkeiten schlummern, vermutet Böthig. Ein bisschen Geld hat das Museum für weitere Ankäufe übrig. Im April versteigerte Hobbymalerin Hildegard Frede ihre Bilder in Rheinsberg und überließ den Erlös von 1200 Euro der Einrichtung. Von diesem Geld wurde vorerst nur „Der Zeitsparer“ gekauft.

Von Celina Aniol

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