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Ostprignitz-Ruppin Tückische Bienenseuche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tückische Bienenseuche
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00:18 06.07.2017
Die Amerikanische Faulbrut wurde auch an Bienenstöcken im Landkreis Oberhavel nachgewiesen. Quelle: Landkreis Oberhavel
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Neuruppin

Der Imker Georg Schultze aus Kagar sorgt sich um seine Bienen. Sein Wohnort befindet sich im Sperrbezirk des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, in dem die Amerikanische Faulbrut nachgewiesen wurde und er hat die Befürchtung, dass seine Bienen eventuell getötet werden müssen. Einige Imker der Region mussten diesen schweren Weg bereits gehen. Da die Bienenkrankheit hochansteckend ist, fällt sie unter die Bienenseuchenverordnung. Das bedeutet, dass die Bienenhalter umgehend ihre Bienen dem Amt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft ihres Landkreises melden müssen, mit Angabe der Anzahl und der Standorte.

Im Sperrbezirk wurden alle Imker überprüft

Im Mai wurde die Seuche in mehreren Bienenständen des Landkreises festgestellt. Mittlerweile gibt es nach Aussage der Amtstierärztin Simone Heiland vier Ausbruchs- und fünf Verdachtsfälle. Betroffen sind die Gemarkungen Banzendorf und Hindenberg im Amt Lindow, die Gemarkungen Braunsberg, Dierberg, Heinrichsdorf, Kagar, Linow, Rheinsberg, Zechow und Zühlen. Der Krankheits-Erreger – Paenibacillus larvae – wurde bei Untersuchungen im Rahmen des Bienen-Monitorings nachgewiesen. Daraufhin wurde der Verdacht auf Amerikanische Faulbrut ausgesprochen. Als bei weiteren Untersuchungen klinische Anzeichen der Erkrankung auftraten, wurde der Sperrbezirk errichtet.

Um zu verhindern, dass sich die Krankheit weiter ausbreitet dürfen weder Bienen, noch Waben oder anderes Zubehör in das Sperrgebiet hinein, beziehungsweise hinaus gebracht werden. Typische Symptome der Amerikanischen Faulbrut sind Veränderungen in der Bienenbrut, wie unregelmäßige, lückenhafte Brutflächen, Brutzellen mit eingesunkenen Zelldeckeln und nicht mehr intakte Körperhüllen. „Wir haben jetzt die meisten Untersuchungen abgeschlossen“, sagt die Amtstierärztin, allerdings stehen noch einige Ergebnisse aus. „Im Sperrbezirk haben unsere Sachverständigen alle Imker überprüft. Ob sich alle gemeldet haben, wissen wir natürlich nicht.“

Bakterien-Sporen über Jahre konserviert

Die Proben wurden an das zuständige Labor geschickt. Parallel dazu wurden umfangreiche Ermittlungen durchgeführt, um herauszufinden, woher die Erreger gekommen sind und wie sie sich ausgebreitet haben. Das Tückische an der Krankheit ist, dass die Bakterien-Sporen über Jahre konserviert bleiben können und erst in der Larve wieder aktiviert werden. In vielen Import-Honigen findet man zum Beispiel immer wieder Sporen dieses Bakteriums. „Ausländischer Honig ist zu über 50 Prozent mit Sporen belastet“, sagt der Rägeliner Imker Bernd Rümenapf. „Es reicht schon, wenn ein Glas nicht richtig ausgewaschen wird.“

Eingefallene Zelldeckel und fadenziehender Schleim sind Hinweise auf das Auftreten der Amerikanischen Faulbrut. Quelle: Archiv

Der Imker ist einer der Wanderimker, der mit seinen Bienen von August bis September in die Kyritz-Ruppiner Heide zieht. Dorthin kommen allerdings immer mehr Imker. „Etwa 3000 Völker stehen in der Heide zur Blütezeit”, sagt Bernd Rümenapf, der ehrenamtlich als Wanderobmann für den Altkreis Neuruppin zuständig ist und die hohe Bienen-Konzentration problematisch findet, denn das Risiko von Krankheitsübertragungen steigt damit ebenfalls an.

Kritisch sieht der Imker auch den Trend, dass Bienenhaltung eine Modeerscheinung geworden ist und Völker kreuz und quer getauscht werden. „Wer ernsthaft mit dem Imkern beginnen will, der sollte sich erst einmal für einen Kurs im Bieneninstitut anmelden, um die Gefahren zu kennen. Wer mit seinen Bienen in den Kreis einwandern will, muss eigentlich eine Seuchenfreiheitsbescheinigung vorlegen, doch das ist nicht für alle selbstverständlich. Es gibt auch immer noch Imker und Imkerinnen, die ihrer Melde-Pflicht nicht nachkommen und so die Eindämmung der Seuche behindern können.

Die Ansteckungsgefahr ist immens hoch

„Für uns war es wichtig, möglichst schnell zu reagieren, um die Gefahr der Weiterverbreitung einzudämmen“, sagt Simone Heiland. „Und dabei haben wir es uns nicht einfach gemacht. Wir haben uns darum bemüht die Völker soweit wie möglich zu erhalten.“ Eine Möglichkeit bietet dabei das „Kunstschwarmverfahren“. Ziel der Behandlung ist die Reduzierung der Faulbrut-Sporen. Dabei wird eine Königin für wenige Tage eingesperrt und in eine sporenfreie Bienenkiste umgesiedelt. Die verseuchten Waben werden verbrannt und die Bienen bauen in ihrem neuen Zuhause ein frisches Brutnest für die Königin. Meistens können so die wertvollen Bienenvölker gerettet werden.

Imker die ihre Völker verloren haben, können an die Tierseuchenkasse einen Antrag auf Entschädigung stellen. Wann die Sperrbezirke wieder aufgehoben werden, kann die Amtstierärztin noch nicht sagen. „In zwei Monaten folgt eine nochmalige Überprüfung, dann werden wir weiter sehen.“

Bienenseuche – Amerikanische Faulbrut

Bei der Faulbrut handelt es sich um eine bakterielle Bruterkrankung der Honigbienen.

Es wird zwischen der Europäischen und der Amerikanischen Faulbrut unterschieden. Dabei wird die europäische Variante als gutartig und die amerikanische als bösartig bezeichnet. Sie ist in Deutschland anzeigepflichtig.

Sporen des Bakteriums Paenibacillus larvae gelangen mit kontaminiertem Honig oder Waben in gesunde Bienenvölker. Durch Körperkontakt und Futteraustausch werden die Sporen im Bienenvolk verteilt.

Prophylaktisch kann jeder Imker seine Bienenvölker durch einen amtlich bestellten Bienensachverständigen auf Amerikanische Faulbrut untersuchen lassen. Der sinnvollste Zeitpunkt dafür ist im Frühjahr.

Eine solche Untersuchung ist zwingend erforderlich, wenn der Imker beabsichtigt, Völker zu verkaufen beziehungsweise abzugeben, eine Belegstelle zu beschicken oder mit Bienenvölkern zu wandern. Bienensachverständige stellen für diese Zwecke Gesundheitsbescheinigungen aus, die sichtbar an den Beuten befestigt werden sollten.

Von Cornelia Felsch

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