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Von Chicago an die Dosse

US-Sänger wieder in Wittstock Von Chicago an die Dosse

Singen ist sein Leben: Jared Levin ist ein stimmgewaltiger junger Mann, der schon in vielen Ländern Konzerte gab. Jenes in Wittstock im vergangenen Jahr verschaffte ihm nicht nur ganz besondere Erinnerungen, sondern brachte ihn auch auf eine Idee.

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Sänger Jared Levin (3.v.l.) mit seiner Schweser Aubrey zu Gast bei Katrin Gaede (2.v.r.) und Ingo Havemann (l.). Rechts: Tochter Katja.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Jared Levin hat einen Plan: Im nächsten Jahr will er für einige Monate nach Wittstock kommen, um von hier aus seine Gesangskarriere anzukurbeln. Dem 27-jährigen Mann aus Chicago ist die Dossestadt seit dem vergangenen Jahr nicht ganz fremd. Denn im Sommer 2014 gastierte er mit dem Blue Lake International Symphony Orchestra in der Wittstocker St.-Marien-Kirche. Das Erlebnis hinterließ einen bleibenden Eindruck: Noch jetzt schwärmt er von der „super Atmosphäre“, die hier geherrscht habe. Und damit meint er nicht nur den gelungenen Auftritt, die Akustik und das begeisterte Publikum. Denn Jared wohnte damals gemeinsam mit Zachery Vanderburg bei Katrin Gaede und Ingo Havemann in Wittstock. Die beiden Sänger – Jared, der Bass und Zachery, der Tenor – waren die Hauptakteure, die als einzige auch Solopassagen zu Gehör brachten. Es waren zwar nur wenige Tage, die die beiden damals wegen des Konzertes in Wittstock verbrachten, aber die Zeit genügte, um sich mit den Gastgebern anzufreunden. Schließlich seien längst nicht alle Unterkünfte auf den Konzertreisen so toll und die Begegnungen mit den Gastgebern so nett wie in Wittstock, sagt Jared, der noch im vergangenen Jahr fast kein Deutsch sprach, sich aber schon gut in dieser Sprache verständigen kann.

Der Blue-Lake-Chor kommt immer wieder nach Deutschland, hier in Rheinsberg

Der Blue-Lake-Chor kommt immer wieder nach Deutschland, hier in Rheinsberg.

Quelle: Peter Geisler

Dass er jetzt wieder auf der Terrasse von Katrin Gaede und Ingo Havemann sitzt, hat einen einfachen Grund: Nachdem er damals wieder abgereist war, blieb der Kontakt zu den Wittstocker Gastgebern via Skype erhalten. Und als er in diesem Jahr die vierwöchige Sommerkonzerttour mit dem Blue-Lake-Chor beendet hatte, kam er wieder zu ihnen zu Besuch, gemeinsam mit seiner Schwester Aubrey (23). Von vergangenem Sonnabend bis zum Mittwoch blieben sie in Wittstock. Gemeinsam wurde viel unternommen – unter anderem eine Quadfahrt oder auch ein Museumsbesuch. In einem Restaurant aß Jared zum ersten Mal in seinem Leben ein Eisbein, das er liebevoll „Schweineknie“ nennt. Darüber kann Ingo Havemann immer noch herzlich lachen. „Mit einem Gast wie Jared lernt man die Region viel besser kennen, weil man Orte besucht, die man allein nicht besuchen würde“, sagt er und zückt sein Smartphone. Ein kleiner Film zeigt Jared bei einer Kanufahrt in Flecken Zechlin, als er seine Stimme übers Wasser schmettern ließ. „Singen ist mein Leben“, sagt er. Doch in den USA gebe es weit weniger Chancen, mit diesem Talent seinen Lebensunterhalt zu verdienen als in Deutschland. Ingo Havemann berichtet, dass die jungen Leute des Blue-Lake-Chores jeweils 6000 Dollar hätten zahlen müssen, um bei der Tour durch mehrere Länder dabei sein zu dürfen. Lediglich für die beiden Hauptakteure Jared und Zachery sei die Konzerttour kostenlos gewesen. Jared berichtet, dass er in Arizona als Musiklehrer für zehn Dollar die Stunde gearbeitet habe, inklusive einer langen Anfahrt. Er lebt in Chicago. Doch im nächsten Jahr will er wieder zu seinen Wittstocker Gastgebern kommen, dann allerdings nicht nur zum Spaß. Vielmehr möchte der Sänger die Unterkunft als „Homebase“ nutzen, um von hier aus auf musikalische Jobsuche zu gehen.

Die zentrale Lage Wittstocks zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg sei bei seiner Suche von Vorteil. „Von Hause aus bin ich Jazz-Sänger, aber ich könnte auch in einem Opernhaus, einem Musical, als Agent oder Musiklehrer arbeiten“, sagt Jared, der singt, seit er acht Jahre alt ist und inzwischen in Kanada seinen Masters-Abschluss in Opern-Gesang absolvierte.

Deutschland sieht er als Mekka für Opernsänger. Schon wegen der vielen alten Kirchen, die oft für eine wunderbare Akustik sorgten. Der flippige Amerikaner ist begeistert von Deutschland. „Wir haben viel Platz, aber nur wenig Kultur und Historie. Allein eure Kirche in Wittstock ist älter als Amerika, nur die Kirche! Das ist nicht nur cool, das ist soo cool“, schwärmt er, lächelt verschmitzt und breitet die Hände dabei aus, um das alles noch zu bekräftigen.

Wenn es nächstes Jahr noch mit einem passenden Job klappen würde, wäre das für ihn wohl am allercoolsten.

Von Björn Wagener

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