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Über 1000 Besucher bei "Rudern gegen Krebs"

Benefizregatta in Neuruppin Über 1000 Besucher bei "Rudern gegen Krebs"

Klar, bei so einer Veranstaltung darf es keinen Sieger geben. Am Sonnabend waren auf dem Ruppiner See unzählige Ruderboote für den guten Zweck unterwegs. Sie machten mit bei der Benefizregatta "Rudern gegen Krebs". Wer mitpaddelt spendet einen Teil seiner Antrittsgage. 84 Teams waren dabei.

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Quelle: Henry Mundt

Neuruppin. Die Erkenntnis des Tages verkündete Moderator Marko Krause kurz vor der Siegerehrung: "Heute gibt es keine Verlierer. Ihr seid für mich alle Sieger." Und der laute Beifall der Zuschauer an der Promenade des Ruppiner Sees bestätigte die Worte des 32-jährigen DJs aus Eberswalde. In den acht Stunden zuvor kämpften bei der sechsten Auflage der Benefizregatta "Rudern gegen Krebs" insgesamt 84 Teams um den Sieg, darunter auch ein Team der MAZ-Lokalredaktion. Mehr als 1000 Zuschauer feuerten die Aktiven dabei an.

84 Ruderteams haben sich am Samstag auf den Ruppiner See begeben. Ihr Ziel waren keine Medaillen oder Siege, sondern sie ruderten für den guten Zweck um die Wette. Bei der Benefizregatta "Rudern gegen Krebs" wird ein Teil der Teilnahmegebühr zum Kampf gegen Krebs gespendet. In Neuruppin schauten sich 1000 Zuschauer den Wettkampf auf dem Wasser an.

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"Wir hatten schon mit vielen Zuschauern gerechnet", sagte Mitorganisatorin Antje Schulz. "Aber das so viele gekommen sind, das war schon klasse." Die Volksfest-Atmosphäre der Veranstaltung schien auch die Vereinschefin des Neuruppiner Ruderclubs selbst zu beflügeln: Gemeinsam mit drei Mitstreiterinnen von der Bootswerft Berlin siegte Schulz im Frauen-Finale. Und das in einer Zeit von 1:39.31 Minuten. Mit diesem Wert hätte das Damenquartett auch locker im A-Finale der Männer mithalten können.

Doch damit nicht genug: Mit der Fabelzeit von 1:29.68 Minuten im zweiten Vorlauf erzielten diese Frauen das zweitbeste Tagesergebnis aller 84 teilnehmenden Mannschaften. Lediglich das Goldteam der Männer, der Rudervierer "Talent II" von Bombardier aus Hennigsdorf, war noch schneller unterwegs und sicherte sich damit den Siegerpokal im A-Finale.

Roman Müller, Vize-Verkaufs-chef von Bombardier, freute sich aber nicht nur über den ersten Platz "seiner" Jungs. "Die Regatta verbindet gleich drei positive Aspekte miteinander", so Müller. "Es kommt Geld für wohltätige Zwecke zusammen, die Leute hier haben Spaß, indem sie teilnehmen oder die Teilnehmer anfeuern. Und drittens zeigen wir mit dieser Regatta, dass Krebs nichts ist, für das man sich schämen muss", sagt der 59-Jährige stolz.

Schämen musste sich am Sonnabend überhaupt keiner. Auch nicht die Teilnehmer, die auf dem Wasser nicht ganz so schnell unterwegs waren. "Wir wollten einfach nur dabei sein und Spaß haben", so Sven Bachert vom Neuruppiner Hospiz Wegwarte. "Auch wenn wir etwas weiter hinten gelandet sind -  den Spaß hatten wir trotzdem." Deshalb will das Team, dass mit 2:09.70 Minuten am Ende auf Platz 48 landete, im nächsten Jahr wieder mitmachen.

Dies gilt auch für Victor Röstel. Der zwölfjährige Schüler von der Neuruppiner Montessorischule eroberte mit seinem Team den Bronzeplatz im Rennen der Grundschulen. Auf dem Treppchen kannte seine Freude anschließend keine Grenzen. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir das schaffen. Aber das Team war echt gut", sprudelte es aus dem Jungen förmlich heraus. Besonders angetan war er auch von der Stimmung unter den Zuschauern und den Ruderern. "Das Publikum hat wirklich jedes Team angefeuert. Die Mannschaften haben sich gegenseitig unterstützt, auch wenn sie auf dem Wasser Gegner waren. Das war schon einmalig."

Das Neuruppiner Patiententeam "Ruderkrebse I" bewies ebenfalls eindrucksvoll, dass nicht immer der erste Platz nötig ist, um sich zu freuen. "Das Publikum, die Atmosphäre, alles war spitzenmäßig", so der launige Kommentar von Angela Ohm. Die 51-Jährige legte stimmungsmäßig nach: "Das Tolle ist, dass es hier keine Konkurrenz gibt. Jeder will einfach nur dabei sein, und jeder motiviert den anderen. Darauf kommt es an", so Ohm. Ihre Mitstreiterin Doris Rogge freute sich aber dennoch über den dritten Platz für das Team. "Es wird von Jahr zu Jahr besser. Wenn die Gesundheit es zulässt, sind wir im nächsten Jahr wieder mit dabei."

Darüber würde sich auch Kerstin Stoytchin freuen. Die Mitorganisatorin der Vorjahre, die aufgrund ihrer eigenen Krebserkrankung in diesem Jahr bei der Organisation etwas kürzer treten musste, freute sich über den gelungenen Tag. "So eine Stimmung und so ein Wetter, das ist das Non-Plus-Ultra. So könnte es jedes Jahr sein." So war es auch kein Wunder, dass die Teilnehmer und die Zuschauer den ganzen Tag mit der Sonne um die Wette strahlten.

Von Odin Tietsche

Interview mit Organisator Stephan Michelis

Wie zufrieden sind Sie als Mitorganisator mit der gesamten Benefizregatta?

Michelis : Ich bin sehr zufrieden mit dem Tag. Für mich war es ja das erste Mal, dass ich an der Organisation so intensiv beteiligt war. Und es gab wirklich viel zu tun, sowohl im Vorfeld bei der Anmeldung der Teams als auch am Veranstaltungstag vor Ort an der Strecke. Es hat zwar nicht alles geklappt, aber insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung, sowohl für die Ruderer als auch für die Zuschauer.

Wie bewerten Sie die sportliche Qualität der Teilnehmer?

Michelis : Ich komme ja eigentlich nicht aus dem Rudersport, sondern bin dann doch eher ein Fußballer. Daher kann ich die Zeiten nicht so gut einschätzen. Aber einige Teams waren wirklich sehr schnell auf dem Wasser unterwegs.

Sie haben ja auch selbst zum Ruder gegriffen ...

Michelis : Das stimmt. Ich saß zuerst bei den Fantastischen 4 mit im Boot. Das war unser Team vom Onkologischen Stützpunkt, wo ich ja arbeite. Da waren die Zeiten eigentlich ganz okay. Und dann bin ich noch im Boot der Hamburger und Kieler Patienten mitgefahren.

In dem Patientenboot sitzen ja, wie man dem Namen entnehmen kann, eigentlich nur Patienten. Wie kam es, dass Sie auch dort mitgefahren sind?

Michelis : Leider ist vor Kurzem eine der Teilnehmerinnen an ihrer Krankheit gestorben. Daher bin ich kurzfristig eingesprungen, damit die anderen drei Ruderer nicht auf den Start in Neuruppin verzichten mussten.

Und konnten Sie den Patienten zum Sieg verhelfen?

Michelis : Nein, leider nicht (lacht). Aber es hat trotzdem riesigen Spaß gemacht. Obwohl es nach insgesamt vier Rennen jetzt schon ziemlich in den Armen zwickt.

Kehrt die Regatta 2014 auf den Ruppiner See zurück?

Michelis : Davon gehe ich aus. Die Benefizregatta gehört mittlerweile zu Neuruppin einfach dazu.

Interview: Odin Tietsche

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