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Ostprignitz-Ruppin Überrascht vom Tod des Nachbarn
Lokales Ostprignitz-Ruppin Überrascht vom Tod des Nachbarn
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00:21 12.10.2017
Susanne Hoch (l.), Koordinatorin für den ambulanten Hospizdienst, und Buchhändlerin Jana Kolar-Voigt Quelle: Andreas Vogel
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Neuruppin

Manchmal lauert der Tod an der Gartenpforte. Ilka Piepgras war 47, als die Journalistin zum ersten Mal mit dem Sterben konfrontiert wurde – die Nachbarstochter klingelte Sturm an ihrer Tür, immer das Handy am Ohr, nie das elterliche Wohnzimmer aus den Augen lassend. Ihr Vater war nach dem Mittagsschlaf nicht wieder aufgewacht, die Mutter noch unterwegs und die 16-Jährige allein mit dem vierjährigen Bruder zu Hause. Piepgras wurde gebraucht, um den Sohn abzulenken von dem, was folgt: Wie Rettungssanitäter das Hemd des Vaters aufreißen, den Brustkorb massieren, versuchen, über einen Schlauch Sauerstoff in dessen Lungen zu pressen, den Körper mit Stromstößen bearbeiten. Doch die Hilfe kommt zu spät.

Ein schockierender Moment

„Es war ein schockierender Moment für mich“, sagt Piepgras. Für sie war der erste Tote nicht nur eine einschneidende Erfahrung, sondern auch Anlass, sich intensiver mit dem Tod und dem Sterben zu beschäftigen. Sie las viel darüber, sprach mit einer Therapeutin, machte eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin und schrieb das Buch „Wie ich einmal auszog, den Tod kennenzulernen, und dabei eine Menge über das Leben erfuhr“.

Aus diesem Buch wird Piepgras am Sonnabend, 14. Oktober, um 16 Uhr in der Fontanebuchhandlung lesen – anlässlich des Welthospiztages. Organisiert haben die Lesung der Verein Ruppiner Hospiz, der ambulante Hospizdienst sowie die Neuruppiner Fontanebuchhandlung. „Das Interesse ist da, sich mit dem Thema Sterben und Tod zu beschäftigen“, sagt Buchhändlerin Jana Kolar-Voigt, die schon mehrfach mit dem Hospiz zusammengearbeitet hat. „Diese Veranstaltungen sind immer gut besucht.“ Bis zu 90 Interessierte kommen in die Buchhandlung. Die einen, weil sie sich erstmals dem Thema widmen wollen; die anderen, weil sie gerade einen Angehörigen verloren haben oder ein Freund die Diagnose erhalten hat, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden.

Piepgras: Ich lebe jetzt bewusster

Immer mehr Menschen überlegen, wo sie ihre letzten Tage, Wochen oder Monate leben wollen. Denn oft wohnen die engsten Angehörigen weit entfernt. „Im Hospiz gibt es eine würdige Atmosphäre zum Abschied“, sagte Kolar-Voigt. Das stationäre Hospiz in Neuruppin mit seinen zwölf Betten wurde 2004 eröffnet. Derzeit gibt es 60 ehrenamtliche Betreuer, zumeist Frauen, die schwer Kranke regelmäßig besuchen, mit ihnen reden, zuhören, einfach immer wieder da sind. Viele von ihnen haben einen Todesfall in der Familie erlebt, einige arbeiten im medizinischen Bereich, sagt Susanne Hoch, die Koordinatorin für den ambulanten Hospizdienst. Es gibt aber auch Helfer, die im IT-Bereich oder im Finanzwesen arbeiten.

„Es lohnt sich, sich mit dem Tod ausein­anderzusetzen“, sagt Ilka Piepgras. Der Journalistin hat die Ausbildung zur Sterbebegleiterin viel gebracht. „Ich lebe jetzt bewusster, bin dankbarer und weiß besser, was gut für mich ist.“

Die Lesung am 14. Oktober beginnt um 16 Uhr in der Fontanebuchhandlung. Dort gibt es auch die Karten dafür. Im Vorverkauf kosten sie 8 Euro, an der Abendkasse 10 Euro.

Von Andreas Vogel

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