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Ulla Meinecke sang in Neuruppin

... und immer triffts ins Herz Ulla Meinecke sang in Neuruppin

Mit der „Tänzerin im Sturm“ gelang ihr ein Ohrwurm – Ulla Meinecke ist eine Poetin des Alltags. Sie singt von Liebe und Schmerz, Hoffnung und Loslassen, von Menschen und vom Meer. Das klingt auch jetzt nach all den Jahren noch schön – gereift, erfahren, voll Wehmut und Lebensfreude zugleich. Sie sprüht, wenn sie auf der Bühne steht – am Sonnabend sang sie in Neuruppin.

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Ulla Meinecke.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Ulla Meinecke ist eine Poetin – ob sie nun spricht oder singt. Ihre tiefe, ein wenig raue, ein wenig samtige Stimme geht so geschmeidig ins Ohr wie die Pianoballaden, die sich bei manchen Titeln drumherum ranken. Ulla Meinecke gibt sich dabei – in aller Natürlichkeit – hochgradig souverän. Und man kauft ihr das sofort ab. Da steht eine, die etwas erlebt hat, kein kicheriges Pop-Mädchen, sondern eine gestandene Frau. Die es sich locker leisten kann, zu singen: „Ich bin zu alt.“ Zu alt für den Druck, den selfiesüchtige Youngster an ihrem dreißigsten Geburtstag haben, „den die schon als Nahtod-Erfahrung wähnen“. Zu alt für die vorgegaukelten Ideale der Schönheitsindustrie, zu alt für die Fitnessarmbändchen – „dem feuchten Traum jeder Krankenkasse“. Zu alt für den Anti-Age-Wahn – „mit dem kleinen schmutzigen Geheimnis: es bringt nichts.“ Das sei dasselbe wie eine Katzenklappe an Booten. Das singt und spricht die 62-Jährige und strahlt dabei von innen wie kaum eine.

200 Zuschauer sind am Samstagabend in die Neuruppiner Pfarrkirche gekommen, um ihren Geschichten – neuen und alten – zu lauschen. „Wenn zwei zueinander passen“, singt sie eingangs und schwindelt dabei ungewollt ein bisschen. Es sind drei, die da aufs allerbeste zueinander passen – rechts von Ulla Meinecke sitzt Reinmar Henschke an den Keyboards, links bringt Ingo York die Bässe in den Sound.

Reinmar Henschke

Reinmar Henschke.

Quelle: Regine Buddeke

„Langsam tragen wir alle wieder Hals“, verkündet die gebürtige Hessin die frohe Kunde des Frühlings, dessen rettende Ufer man mit knapper Not erreicht habe. „Schlendern ist Luxus“ singt sie – und das bezieht sich nicht nur auf den Lenz sondern auf Lebensqualität per se: raus aus dem Tretrad, rein ins Vergnügen. „Ach komm“, schnippt sie mit den Fingern, lacht verschmitzt und wechselt zur nächsten Geschichte. Was so alles passiert in deutschen Betten, die „wehenden Geheimnisse, die nur die Katze durchschaut“. Etwa dass da Johnny Depp mit auf dem Laken liegt, und die Schrödersche aus der Apotheke. Nun ja, die Gedanken sind frei: „Süße Sünden“, singt sie einen ihrer alten Titel – schön verjazzt. Danach „Hafencafé“ – ein bittersüße Ballade – zum Heulen schön. Dann geht es – und tut es das nicht immer? – um das Suchen und Finden der einzig großen Liebe. Ein kurzer Abriss in Sachen Romantik. Elf Jahre hat er sich durch alle Phasen der Suche geschrieben, sagt sie über den Musiker Marc Cohn. „Geblieben ist das magische Album. Und ja, natürlich regnet es“, lässt sie wissen und singt Cohns Welthit „Walking in Memphis“. Ihre gesprochenen Texte sind wie Lieder – vom Piano untermalt. Das tun auch andere als sie – Ulla Meinecke hat keine Scheu, die Songs von denen zu singen, die sie liebt. Sie zückt ein Stück aus ihrer „Seelen-Notfall-Apotheke. Vom untröstlichen Meister des Trostes“ – Tom Waits‘ „Grapefruit moon“.

Ingo York

Ingo York.

Quelle: Regine Buddeke

Sie kann auch frech: „50 Tipps, ihn zu verlassen“ ist einer von den alten Songs – das Publikum ist angetörnt. „Ebbe oder Flut, Asche oder Glut, kein vielleicht“, singt Ulla Meinecke und später „Ein Schritt vor und zwei zurück“ – eine bittersüße Ballade. Es geht um Sehnsucht und Loslassen, um Träume und den süßen Trost des Schlafes. Und um das Meer. „Ist es wirklich schon fast 40 Jahre her, dass ich in Hamburg aufm Hauptbahnhof ankam und Udo mich abholte?“, sinniert sie laut über ihre Zeit mit Udo Lindenberg. „Da war ich 23 und er 30. Jetzt werde ich 63 und er 31“, sagt sie und der Saal lacht. „Der erste, der mir ne Chance gegeben hat“, sagt sie dankbar und singt für ihn „Bis ans Ende der Welt“, das Lied, das sie gemeinsam schrieben. Und auch noch eines, ein trauriger Shanty, von und für Rio Reiser, den Freund und musikalischen Weggefährten. Und natürlich auch – das wurde schon heiß erwartet – „Die Tänzerin im Sturm“. „Jaaa“, jubelt der Saal nach dem ersten Takt. Und Ulla Meinecke lässt die wilde Tänzerin wieder aufleben. Das klingt so ganz anders als damals, mehr wie eine Erinnerung aus dem Rückblick der gelebten Jahre: kraftvoll, lebendig und mit ein bisschen Wehmut. Und schnell wird klar: „Du schmeißt mit Liebe nur so um dich“ – das gilt auch für die, die es singt.

Von Regine Buddeke

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