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Ulrich Tukur begeistert die Fans mit Jazz

Neuruppin Ulrich Tukur begeistert die Fans mit Jazz

Man kennt ihn aus Film und Fernsehen als Charakterdarsteller: aber Ulrich Tukur ist ein Multitalent. Er schreibt, er spielt wunderbar Klavier, er singt. Mit seiner Band „Rhythmus Boys“, er nennt sie die älteste Boygroup der Welt, spielt er Jazz-Klassiker vom feinsten. Die Show dazu ist komödiantisch gewürzt und riss in Neuruppin das Publikum von den Sitzen.

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Ulrich Tukur sang und spielte inspiriert – und moderierte in locker-plauderiger Manier. Das Publikum war bestens unterhalten.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Sie kommen einzeln auf die Bühne – mit tadellosem Einreiher und unbewegter Miene gibt jeder einen kleinen Vorgeschmack auf sein Instrument: zuerst der Drummer, dann der Bassist, wenig später der Gitarrist. Dann erscheint Ulrich Tukur und der Jubel im Saal ist groß – 350 Fans sind am Samstagabend in Neuruppins Kulturkirche gekommen, um dem bekannten Film- und Fernsehschauspieler bei dem zuzuhören, was er mindestens genausogut kann wie Rollen spielen: Klavier spielen und singen. Dass er auch dabei eine Rolle spielt, macht es nur noch spannender.

Schon die Auswahl seiner Musiker – 1995 hat er die „Rhythmus Boys“ gegründet – macht deutlich, dass Tukur nichts dem Zufall überlässt. Jeder der drei ist eine Klasse für sich: als Musiker und als Erscheinung. steht, ist das schon eine Schau. Wenn er dazu noch schmollend-neidvoll nach oben schaut, ist es stummfilmreif – der Mann mit dem Gardemaß von 2,08 Metern überragt den Drummer um zwei ganze Köpfe. „Europas längster Bassist“, stellt Ulrich Tukur vor. Und beschreibt Kalle Mews als „abgebrochenen Theologen, der später Ornithologie studierte, mit Vögeln in einem Nest lebte und jetzt mit einem Wiedehopf verheiratet ist".

Kalle Mews, Ulrich Mayer, Günter Märtens sind ein Dreamteam

Kalle Mews, Ulrich Mayer, Günter Märtens sind ein Dreamteam.

Quelle: Regine Buddeke

Gitarrist Ulrich Mayer fällt dank seiner dicken Hornbrille und der exakt geschniegelten Stirntolle auf: zweieinhalb Kilo Brillantine seien dafür nötig, frozzelt Tukur. Wenn die drei kerzengerade umeinander herumtänzeln, um ihre Unterschiedlichkeit plastisch zu machen, nennt Tukur es das „Triadische Ballett“ des Bauhaus. Tukur ist es auch, der den Abend über mit lockeren Anekdoten und frechen Sprüchen das Publikum perfekt amüsiert. Er spricht schnell, sehr schnell. Fast zu schnell und in vielen Stimmen. Das scheint er auch noch zu genießen.

Ob Sächsisch oder Schwäbisch, Französisch oder Englisch – es perlt ihm von den Lippen wie ein Wasserfall. Über den 1927 veröffentlichten Jazz-Standard „Puttin’ on the Ritz“ des amerikanischen Jazzkomponisten Irving Berlin etwa. Der war eigentlich ein Russe namens Israel Isidore Beilin, so erfährt das Publikum ganz nebenbei. „Ist der Mann Hellseher oder Visionär?“, sprudelt Tukur und sinniert, was der mit „Putin in der Ritze“ wohl gemeint haben könne.

Musik im Blut

Musik im Blut: ein wunderbares Gitarrensolo.

Quelle: Regine Buddeke

Die Musik ist nicht weniger aufregend – perfekt spielt und singt sich das Quartett durch die Perlen der frühen Jazzliteratur. „Paul Whiteman hatte die Rhytm Boys“, erklärt Tukur bei einem von dessen Songs. „Wir – und den Unterschied werden Sie merken – sind die ...“ „Rhythmus Boys“, sprechen alle vier im Chor – und das mehr als nur einmal. Der Saal lacht immer wieder.

Swing-Klassiker wie Glenn Millers „In the mood“ habe man neu aufpoliert, erzählt Tukur in Höchstgeschwindigkeit über den „von 27 000 Orchestern zuschanden gerittenen Song“. „Lassen Sie sich begeistern von“ ... „den Rhythmus Boys“, wird das Quartett nicht müde, zu betonen. Das Selbstlob gehört zur Selbstinszenierung. Tukur spielt wunderbar Piano und auch sein Gesang kann sich hören lassen. Und ein Sahnestückchen des Abends ist die Bauchredner-Nummer, in der der lange Bassist den halb so langen Drummer am Sakko packt und sich auf den Schoß hievt. Der mimt die schlaffe Bauchrednerpuppe genial.

Von Regine Buddeke

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