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Ostprignitz-Ruppin Umjubeltes Heino-Konzert im Stadtgarten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Umjubeltes Heino-Konzert im Stadtgarten
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00:17 10.05.2017
Unverwechselbar und eine Klasse für sich: Volksmusikstar Heino hat sich neu erfunden und färbt den blauen Enzian schwarz. Quelle: Regine Buddeke
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Neuruppin

Heino ist ein Phänomen: Als er noch jünger war, liebte ihn bevorzugt die ältere Generation, die zu seinen Heimatliedern wie „Blau blüht der Enzian“ beseelt mitsang und mit breitem Lächeln schunkelte. Jetzt, wo Heino stolze 78 Lenze zählt, hüpfen vor seiner Bühne gefühlt 17-Jährige herum, mit demselben beseelten Lächeln wie dermaleinst ihre Omas und Uropas. Und der Enzian ist auf einmal schwarz geworden.

Der Termin ist angesichts des laufenden Mai- und Hafenfestes schlecht gewählt: Gerade mal 350 Fans sind am Sonnabend im Neuruppiner Stadtgarten, um die lebende Legende live zu erleben. „In Berlin wären bestimmt Tausend gekommen“, ärgert sich ein Gast, der kein Heino-Fan ist, wie er sagt, aber den Auftritt Heinos „einfach geil“ findet. Und er ist nicht allein. Von der ersten Sekunde an, die er auf der Bühne steht, hat Heino das Geschehen fest im Griff. Und nun, wo er das Fach gewechselt hat und rockt wie der Teufel statt in Heimatliebe zu ertrinken, darf man ihn wahrscheinlich getrost eine Rampensau nennen. Der Mann hat eine Stimme, der man sich geplättet hingibt, ohne Widerrede. Tief und markant, mit gerolltem R und dem Tremolo nur da, wo es passt. „Und wie du wieder aussiehst“, startet er durch – mit dem „Ärzte“-Song „Junge“ nimmt er sich quasi selbst auf die Schippe. Sein früheres Ich war adrett gekleidet – jetzt hat Heino sich den Ledermantel angezogen, mit viel Nieten, viel Strass, dem Gothic-Kreuz an der Kette. Der Rest ist bekannt: platinblondes Haar, die obligatorische Sonnenbrille und ein strahlendweißes Gebiss, für das sich jeder Zahnarzt auf die Schulter klopfen würde. Und das Heino gerne zeigt – sein Lächeln ist gewinnend und beweist nur allzudeutlich, dass er sich seiner Metamorphose freut.

Ein Lächeln für die Fans. Quelle: Regine Buddeke

Zumal die hinter ihm agierende Crew, die man bei elf Leuten getrost Bigband nennen darf, mit Verve ihren Chef unterstützt. Die Basedrum zeigt von Anfang an, was abgeht: Rock, Rap, Metal ist die Musik der Stunde – ob das die Coversongs von Rammstein, Nena, Grönemeyer sind oder die alten Heino-Songs im rockigen Gewand. „Das halt ich nicht mehr aus“, murmelt ein Herr und geht – er hat wohl den alten Heino erwartet. Vorn hüpfen die Youngster herum und schwenken die Arme, irgendwann fliegt ein BH auf die Bühne. Der ganze Saal ist außer Rand und Band und singt beinahe jeden Titel lautstark mit. Heino hat es wie kein anderer geschafft, das deutsche Volksliedgut in die Generation Facebook zu bringen. „Heino, du bist geil“, ruft einer aus dem Saal. Und Heino singt „La Paloma“, das er, wie er sagt, vor 55 Jahren das erste Mal gesungen hat. Er ermuntert immer wieder zum Mitsingen – der Saal ist glücklich. „Rosamunde“, schallt es aus hundert Kehlen – nur dass Rosamunde jetzt eine Rockerbraut ist. Die Volksmusik blitzt durch, der Rhythmus indes geht in die Füße. Er singt – natürlich auch von Frauen: „Früher war’s die schwarze Barbara, heute heißen sie Carmelita, Natascha und Fräulein Meyer. „Meyer mit Ypsilon“, skandiert der Saal im Takt den Westernhagen-Song mit. Heino strahlt und reckt die Arme. Die Fans jubeln. „Wir können später mal sagen, wir waren da", strahlt Tobi Nadler, ein jugendlicher Fan, der mit seiner Clique eigens aus Bayern angereist ist. Da ist Heino, der – Respekt – zwei Stunden ohne Pause durchgesungen hat, schon bei den laut eingeforderten Zugaben: „Alles nur geklaut“, singt er und grient. Und „Ich wollte euch nur mal eben sagen, dass ihr das Größte für mich seid.“ Auf das Gegenkompliment muss er nicht lange warten.

Von Regine Buddeke

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