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Umjubeltes Keimzeit-Konzert im Kornspeicher

Alt Ruppin Umjubeltes Keimzeit-Konzert im Kornspeicher

Fast jedes Jahr ist Norbert Leisegang im Kornspeicher bei Neuruppin zu Gast: mal mit seinem Akustik-Quintett, mal im Club der toten Dichter, mal mit Keimzeit. Und immer ist der Saal rappelvoll – so auch am Samstag, als Keimzeit dort eines von drei Konzerten gab. Das Thema: „Ins Irrenhaus und zurück“.

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Gut gelaunt und mit vollem Einsatz: Keimzeit ist immer ein gern gesehener Gast im Kornspeicher Neumühle.

Quelle: Regine Buddeke

Alt Ruppin. Ein Narr mit der Drei-Zipfel- Kappe sitzt da auf dem vorderen Rand eines Sprungbretts und baumelt mit den Beinen – über ihm der Himmel. Unter ihm der Abgrund. Den man allerdings nicht sieht, weil die Unterkante des Covers nur bis dahin reicht. Insofern ist die verrückte Welt, um die sich das allererste Keimzeit-Album „Irrenhaus“ dreht, auswechselbar.

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Es ist kaum zu zählen, wie oft Norbert Leisegang mit Keimzeit oder dem Keimzeit Akustik Quintett bereits bei Manfred Neumann gespielt haben – schon bevor es den Kornspeicher gab. Dennoch: Die Fans bekommen nie genug und die Konzerte sind zuverlässig ausverkauft. Diesmal gibt es sogar drei Vorstellungen.

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Fast 30 Jahre ist es her, dass Keimzeit mit dieser Scheibe bekannt-beliebt wurde. Seitdem ist viel Zeit ins Land geflossen: von den vier Leisegang-Geschwistern, die Keimzeit einst gründeten, sind nur noch zwei dabei. Viele Alben sind hinzugekommen. Viele Konzerte gesungen. Und Irrenhaus ist immer noch so aktuell wie eh und je. Damals zielte der Titel auf den alltäglichen Irrsinn in der DDR – heute ist die Welt nicht weniger Irrenhaus. „Norbert Leisegang muss damals schon gewusst haben, was heute so abgeht mit Erdogan, Trump und Putin“, sagt Gastgeber Manfred Neumann, der die Auftritte Leisegangs bei sich kaum mehr zählen kann: zuerst in Molchow, später im Museumshof Neuruppin, seit 2005 im Kornspeicher.

Keimzeit war 1990 das erste Mal bei Manfred Neumann zu Gast

„Das allererste Mal war er 1990 bei mir – damals hat er die Nacht auf dem Strohsack geschlafen – heute will er ein Bett haben“, verrät der Kornspeicher-Chef mit einem Augenzwinkern den 200 Gästen am Samstagabend im ausverkauften Saal. „Ihr habt alles richtig gemacht mit dem Mittel-Termin – die Band ist eingesungen aber nicht verbraucht“, witzelt er. Denn bereits am Freitag spielte die Band und auch das Sonntagskonzert ist ausverkauft.

Warum Keimzeit den Saal immer wieder füllt? „Die Band ist ein Phänomen“, erklärt der Gastgeber. Man kann sich in den nächsten drei Stunden ein Bild davon machen, wieso. Die meisten im Saal wissen es ohnehin – die immer wieder laut mitgesungenen Songs zeugen davon, dass etliche die Scheibe in- und auswendig kennen und tief im Herzen tragen.

„Sie klingen wie früher, nur besser“, stellt Manfred Neumann noch vorweg und räumt die Bühne. Nach einigen Takten ist klar: das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Norbert Leisegang beginnt mit dem Titelsong und den „Sommernächten“ vom Album „Bunte Scherben“ – dann startet er – getreu dem diesjährigen Tour-Motto ’Ins Irrenhaus und zurück’ mit eben jener Erstlings-Scheibe. Die Band ist stolz darauf, das hört man. Und widmet es auch den Musikern, die einst dabeigewesen sind. „Rosi“ singt Leisegang – da ist die Stimmung schon locker-leicht und gut gelaunt.

Das Konzert am Samstag war nur eines von dreien im Kornspeicher

Er klang vor 30 Jahren ein bisschen jungenhafter und unbekümmerter, fast rotzig-flapsig hat er damals die Worte herausgesprudelt, genuschelt, manchmal gekräht. Jetzt ist er älter – die leicht heisere Stimme, die sein Markenzeichen ist, ist geblieben. Ein gutes Stück Weisheit und Lebenserfahrung hat den jugendlichen Heißsporn von damals verdrängt – aber nicht völlig ausgelöscht. Da blitzt immer noch viel Ironie und Witz, viel Lust am Leben und an Anarchie zwischen den Zeilen.

Und eigentlich ist es angesichts der zeitlos wunderbaren Songs vollkommen egal, wie weit sich eine Stimme mit den Jahren ändert. Eigentlich muss Norbert Leisegang sowieso nur sein breites Lächeln lächeln, das bis tief in die Augenwinkel reicht, damit ihm alle Herzen zufliegen. Er lächelt oft – mal in den Saal, mal zu seinen wunderbaren Musikerkollegen: sein Bruder Hartmut am Bass, Andreas „Spatz“ Sperling am Keyboard, der den Pianosequenzen wunderbare Moll-Melancholie verpasst.

Martin Weigel, dessen begnadete Gitarrensoli oft genug mit Sonderapplaus honoriert werden, Lin Dittmann, der sich an den Drums die Seele aus dem Leib trommelt und nicht zuletzt Ede Merkel, der als „freier Mitarbeiter“ die feste Vertretung von Trompeter Sebastian Piskorz ist. Er tut das an Saxofon und Querflöte – für manche Stücke taugt das fast noch besser als die übliche Trompete.

Die Tour 2018 steht unter dem Motto ’Ins Irrenhaus und zurück’

Zwischen den Songs plaudert Norbert Leisegang zur Band-Geschichte. Dass man kurz vor der Wende mal als Vorprogramm von Kerschowski spielte – und seitdem alle langgehegten Hoffnungen aufgab, jemals vom DDR-Label Amiga unter Vertrag genommen zu werden. „Dafür kam eine Radio-Frau – und kurz danach die Wende“, erinnert sich Leisegang und lacht sein unwiderstehliches Lächeln, in dem alles steckt, was auch seine Lieder ausmachen. Viel Poesie – in allen Facetten: traurig und fröhlich, bitter und süß, kindlich und weise zugleich.

Es sind Texte, die mit Worten spielen, Bilder zaubern. Leisegang ist ein Poet, der wie ein Seiltänzer über den Grat zwischen Traum und Alltag balanciert. Ein Philosoph, ein Träumer, ein weiser Narr. Unter ihm das ’Irrenhaus’ – zu allen Zeiten. „Das Wasser weiß selbst, wo es hingehört“, bricht er im wunderbaren Song „So“ eine Lanze für Gelassenheit und Vernunft. Ein wunderbarer, magischer Moment voll Sternensprühen. Und immer wieder singt der Saal beseelt mit.

Im zweiten Teil des Abends folgt ein Keimzeit-Best-of, mit blitzenden Jazz-Passagen, mit Swing und ratterndem Blues-Train. Es ist vieles ausprobiert worden in all den Jahren. Leisegang tanzt mitunter – er ist mit jeder Faser drin in den Songs von damals. Natürlich gibts auch den Kult-Song „Kling klang“ – und am umjubelten Ende sage und schreibe fünf Zugaben.

Von Regine Buddeke

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