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„Unter dem Milchwald“ trotz Sturmregens

Netzeband „Unter dem Milchwald“ trotz Sturmregens

Fast wäre die erste Aufführung des Jahres baden gegangen: Dylan Thomas’ Stück „Unter dem Milchwald“ eröffnet seit 20 Jahren die Saison beim Theatersommer Netzeband. Die 53 überlebensgroßen Puppen strahlen Kraft in verwunschener Szenerie aus, die Magie der Sprache setzt noch einen drauf. Am Freitag hieß es im Gutspark: Bühne frei – mit Sturmpause.

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Stürmische Saisoneröffnung mit dem Stück „Unter dem Milchwald“.

Quelle: Regine Buddeke

Netzeband. Eigentlich hatte Shakespeares „Sturm“ schon vor drei Jahren Premiere im Netzebander Synchrontheater. Was am Freitagabend über dem Gutspark am Himmel tobte, hätte viel eher zur damaligen Inszenierung gepasst. Für die Saison-Premiere in Netzeband bedeutete es erst einmal ein Zwangspause. Schon beim dritten Gong grollte es am Himmel, Wind und dunkle Wolken zogen rasch näher, es blitzte und die Bäume bogen sich gespenstisch.

Immer wieder peitschten Blätter und Zweige durch die Szenerie von Llaregubb und auch die Kulissen und Gewänder der übermannshohen Puppen drohten wegzuwehen. Das Publikum schaute immer wieder besorgt nach oben. Dann öffneten sich auch noch die Himmelsschleusen – die gut 80 Zuschauer schafften es gerade noch bis zur rettenden Kirche und auch die Darsteller zogen sich mit ihren nassen Puppen erst einmal zurück ins Trockene. Schlechte Laune kam dennoch nicht auf – bei Wein in der Kirche und Wasser draußen.

Eine halbe Stunde später kommt die Entwarnung

„Es wäre zu gefährlich, jetzt weiter zu spielen“, erklärte Sabina Matthus-Bébié vom Ensemble. Eine unserer Puppenspielerinnen hat um ein Haar einen meterlangen Ast abbekommen.“ Dennoch fieberten Publikum und Ensemble darauf, dass sich der Himmel aufklart. Eine halbe Stunde später konnte erst einmal Entwarnung gegeben werden, Team und Zuschauer begaben sich zurück in die Szene, putzten die Stühle wieder trocken und dann konnte wieder tief eingetaucht werden in das – nur oberflächlich – verschlafene Fischerdörfchen.

Der Schein trügt jedoch – hinter der Mauern der Fischerhütten und Katen, der Kneipe und der Kirche brodelt es nicht weniger stürmisch als das, was noch eine halbe Stunde zuvor durch die Kulissen fegte. Da wird geliebt und gehasst, getrunken und geträumt, geboren und gebuhlt. Es wird Gift gemischt, zumindest in Gedanken.

Für viele Besucher ist es Kult

Seit 20 Jahren eröffnet „Unter dem Milchwald“ mit seinem expressiv-skurrilen Figurenreigen nun schon die Saison in Netzeband. Für viele Besucher ist er Kult – sie kommen ein ums andere Mal, um dem poetisch-fantasievollen und überaus klangvoll in Szene gesetzten Wortrausch von Dylan Thomas zu lauschen und einzutauchen in die Abgründe der Dorfbewohner.

„Ich war sehr neugierig – hatte bisher nur vom Hörensagen von den Puppen erfahren“, sagt Jutta Kaiser aus Lindow. „Dass es so viele sind, hat mich überrascht.“ Auch die Vielfalt der Charaktere fand sie spannend. Noch faszinierender indes die sprachliche Kraft. „Er jongliert mit Worten, dass Bilder im Kopf entstehen.“ Manchmal ändere sich die Stimmung mitten im Satz. „Das kann man kaum alles fassen. Da muss ich unbedingt noch mal hin.“

Von Regine Buddeke

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