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Besuch im Massengrab

Unterirdisches Museum in Wittstock geplant Besuch im Massengrab

Im Jahr 1636 kamen in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) bei einer Schlacht zwischen schwedischen und sächsischen Soldaten Tausende Menschen ums Leben. 2007 wurde in der Dossestadt ein Massengrab gefunden, in dem die Gebeine der Gefallenen lagen. Nun soll aus dem Massengrab ein Museum werden.

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Unter dieser Aussichtsplattform wurde 2007 ein Massengrab entdeckt. Nun soll daraus ein Museum werden.

Quelle: Gerd-Peter Diederich

Wittstock. "Huhu." Zigfach schallt das Echo zurück. "Huhu, uhu, hu, u." Es hört sich an, als komme die eigene Stimme aus einer anderen Welt, aus einer anderen Zeit. Dabei muss man nur den Wittstocker Bohnekamp-Hügel besteigen. Kurz hinter den Neubauten wird man in einem Jahr in eines der finstersten Kapitel der Wittstocker Geschichte eintauchen können, und zwar in der Kaverne unter der Aussichts- und Gedenkplattform, deren Ausbau auf Hochtouren läuft.

"Wir werden hier den historischen Fund eines Massengrabes aus dem Jahr 2007 museal umsetzen", erklärt Wittstocks Vizebürgermeister Dieter Herm. Damals wurden in Sichtweite des alten Wasserspeichers die sterblichen Überreste von 120 Beteiligten der Schlacht von 1636 gefunden. "Wir stellen ein Zeitfenster von zwei Tagen des Dreißigjährigen Krieges nach." Woher die Männer kamen, wie alt sie wurden, an welchen Verletzungen sie starben - mit diesen Fragen haben sich seit 2007 Vertreter von etwa 15 wissenschaftlichen Disziplinen befasst. Sie untersuchten die Knochen und sondierten die Gegend um den Fundort herum. Wo während der Schlacht die Kugeln flogen, wurde erst im Rahmen dieser Forschungen ermittelt. "Der Ehrgeiz der Wissenschaftler wurde dadurch angestachelt", so Herm.

Nachdem vor drei Jahren die Plattform selbst begehbar gemacht wurde, wird im Moment der riesige Innenraum hergerichtet. Eine Tür wurde schon in der ersten Ausbaustufe in den riesigen Wassertopf von 25 Metern Durchmesser und sechs Metern Höhe eingebaut. So konnten Besucher schon mal einen Blick hineinwerfen, "Huhu" rufen und sich übers vielfache Echo freuen.

Da sich die Kaverne am authentischen Ort der Schlacht befindet, überlegten Wissenschaftler, Techniker, Archäologen, Denkmalpfleger und Vertreter der Stadt, was man aus dem Bauwerk am besten machen könnte. Die Lösung war ein Museum. "Wider Erwarten haben wir den Innenraum trocken bekommen", sagt Herm. Anfangs lag die Luftfeuchtigkeit noch bei 80 bis 90 Prozent. Jetzt hat sie sich auf etwa 60 Prozent eingepegelt.

Die Kaverne selbst ist seit 2011 ein technisches Baudenkmal. Errichtet wurden die zwei Behälter, von denen der eine nun ausgebaut wird, Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre. Sie dienten als Druckerhöhungsstation, um während der Sommermonate im nahe gelegenen Wohngebiet den Wasserdruck aufrechtzuerhalten. Mit der Wende und der neuen Pumptechnik war diese Einrichtung nicht mehr nötig.

Statt der früher 2800 Kubikmeter Wasser wird der große Kessel ab April 2015 eine Ausstellung beherbergen. Mit modernen Mitteln wie akustischen und optischen Installationen wird der Verlauf der Schlacht am Scharfenberg nachgestellt. Der Rundgang wird in einer Grabkammer enden, in der die Lage der Gebeine der Verstorbenen optisch nachgestellt wird - ganz so, wie sie in dem Massengrab vorgefunden wurden. "Man wird das Gefühl haben, selbst in einem Grab zu stehen", sagt Dieter Herm. "Der Besucher soll beim Rundgang die Dramatik des Krieges erfassen."

Die Schlacht von Wittstock

1636 im Herbst befand sich die schwedische Armee in einer militärisch fast aussichtslosen Situation. Nach mehreren Niederlagen und weitgehend ohne Verbündete in den Nordosten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation zurückgedrängt, sahen sich die Schweden zu einer Entscheidungsschlacht gezwungen.
Viele tausend Soldaten verloren ihr Leben. Trotz besserer Ausgangsposition unterlag die verbündete kaiserliche und sächsische Armee im Kampf. Die schwedische Kriegspartei kehrte mit diesem Sieg wieder in das Kriegsgeschehen zurück, der Krieg verlängerte sich um weitere zwölf Jahre.

Auch außerhalb des Kessels wird sich einiges ändern. Noch müssen die Beschäftigten der Plattform in einem Gartenhäuschen sitzen. Im Laufe dieses Jahres wird das alte Technikgebäude in einen Empfangsbereich mit Sanitärtrakt umgebaut. Der Weg zur Plattform wird für Autos gesperrt. An der Zufahrt wird ein Parkplatz für einen Bus und acht Autos gebaut. "Mehr wird dort nicht benötigt", sagt Herm. Die knapp 300 Meter können die Besucher zu Fuß gehen. "Wir haben das hoch und runter diskutiert. Ein Parkplatz direkt an der Plattform würde den Gesamteindruck verderben. Auf dem Gelände des Archäologischen Parkes müssen die Besucher längere Wege zurücklegen, da murrt auch niemand."

Für den guten Gesamteindruck sind außerdem noch weitere Installationen in der Fläche geplant: Sogenannte Gevierthaufen, also nachgestellte Formationen von Soldaten, wie sie im Dreißigjährigen Krieg zum Kampf angetreten sind. Einen gibt es bereits jetzt.

In diesen Bauabschnitt werden 708.000 Euro investiert, EU, das Land und der Bund beteiligen sich mit 446.000 Euro. Etwa 1000 Besucher kommen derzeit im Jahr zur Schwedenplattform. Zu wenig, wie Dieter Herm findet. "Es können gar nicht genug Gäste werden. Wenn alles fertig ist, wollen wir Veranstaltungen organisieren und auf Messen werben."

Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann freut sich besonders, dass die Stadt einen Teil der Ausstellung "1636 - ihre letzte Schlacht" des Landesamtes für Denkmalpflege in den neuen Ausstellungsraum bekommt.

Von Uta Köhn

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