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Ostprignitz-Ruppin Unterbringung in Wohnungen war der Trumpf
Lokales Ostprignitz-Ruppin Unterbringung in Wohnungen war der Trumpf
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18:52 30.08.2018
Das Wittenberger Sprachcafé für Flüchtlingsfrauen. Quelle: Archivfoto: Kerstin Beck
Perleberg

In der Prignitz ist vieles anders. Brandenburgs Nordwestzipfel führt aber nicht nur in Sachen Mentalität ein Eigenleben, sondern geht auch in der einen oder anderen Sache eigene Wege. So ist es im Umgang mit Flucht und Migration.

Was den Landkreis von allen anderen im Land unterscheidet, das ist die ausschließliche Unterbringung von zugewiesen Asylbewerbern in Wohnungen. So wird es hier seit dem 1. Juli 2009 praktiziert. Mit einem gewissen Stolz vermerkte Landrat Torsten Uhe bei seiner Halbzeit-Bilanz – er war am 1. August genau vier Jahre im Amt –, dass dieses Prinzip der Wohnungsunterbringung auch in den vergangenen Jahren, als die Zahlen sprunghaft in die Höhe gingen, weitestgehend durchgehalten wurde. „Dadurch hat es bei uns viele Probleme, die bei Sammelunterkünften existieren, nicht gegeben“, konstatierte Torsten Uhe.

444 Wohnungen angemietet und hergerichtet

Nach Angela Merkels berühmtem Satz „Wir schaffen das“ gingen auch in der Prignitz die Zahlen der Asylbewerber deutlich nach oben. Waren es ganze 142 im Jahr 2014, so kamen 2015 dann 1021 Asylbewerber. Auch 2016 waren es dann immer noch 622  Asylbewerber, die neu im Landkreis untergebracht werden mussten. Das war kein Selbstläufer: Die Unterbringung von Asylbewerbern stellte den Landkreis wie alle anderen vor große Herausforderungen. Im Umbruchjahr 2015/2016 mussten in Spitzenzeiten für die Unterbringung von Asylbewerbern kurzfristig diverse Wohnungen – der Landkreis bezifferte ihre Zahl mit 444 – sowie andere Gebäude, etwa das Jugendgästehaus in Wittenberge, angemietet und hergerichtet werden. Des Weiteren wurde eine kreiseigene Immobilie als Gemeinschaftsunterkunft bereitgestellt.

Dass die Situation sich wieder gewandelt hat, sieht man daran, dass 2017 ganze zwölf neue Asylbewerber in der Prignitz verzeichnet wurden. Für 2018 liegt ihre Zahl bislang nur bei zwei – es handelt sich um Fälle der Familienzusammenführung. Mit Stand September 2018 sind laut Kreis noch 173 Wohnungen für die Unterbringung angemietet.

332 anerkannte Flüchtlinge leben im Landkreis

Im Jahr 2015 erhielten 1117 Asylbewerber im Landkreis Prignitz Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Mit Stand Juli 2018 waren es noch 454. Im ersten Halbjahr 2018 wurden übrigens 87 Asylverfahren von in der Prignitz untergebrachten Menschen beendet. In 55 Fällen sind die Anträge abgelehnt worden. Das betrifft insbesondere Antragsteller aus der Russischen Föderation: Von 32 Verfahren endeten hier 30 mit einem ablehnenden Bescheid. Das trifft auch für zehn von 23 Afghanen zu. 13 Verfahren endeten mit einer Anerkennung als Flüchtling. Die besten Chancen darauf hatten Syrer, von denen sieben nun anerkannte Flüchtlinge sind. Weitere erfolgreiche Antragsteller kamen aus Afghanistan (1), Iran (1) und Pakistan (3).

Mit Stand vom 31. Mai leben im Landkreis 903 Menschen mit einem Schutzstatus, 332 davon sind anerkannte Flüchtlinge, 405 subsidiär Schutzberechtigte. Der subsidiäre Schutz greift, wenn weder ein Flüchtlingsstatus noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht. Für 121 Ausländer gilt zudem ein Abschiebeverbot.

Viel Grund, zufrieden zu sein

Insgesamt hat Torsten Uhe guten Grund, tatsächlich zufrieden zu sein, ist es doch in der Prignitz im Vergleich zu anderen Regionen recht ruhig. Verschwiegen werden darf aber nicht, dass das eine oder andere Mal auch hier Vorfälle zu Verwerfungen führten, etwa als 2016 in Glöwen ein afghanischer Jugendlicher des Missbrauchs an einem deutschen Jungen beschuldigt wurde und Rechtsextreme dies für Demos nutzten, zu denen es auch Gegendemos gab. Erinnert sei an die Auseinandersetzung in Perleberg, bei der ein Tschetschene zu Tode kam. Umgekehrt gibt es auch in der Prignitz Fälle, in denen Flüchtlinge und Migranten offen attackiert wurden, etwa jüngst nach dem Pritzwalker Straßenfest.

Erinnert werden muss aber ebenso an die vielen Initiativen, die sich sehr engagiert um die Flüchtlinge kümmern, etwa die Initiative in Meyenburg oder aber das Sprachcafé in Wittenberge. Erwähnt werden muss auch die Awo, die mit großem Engagement Asylbewerber und Migranten betreut.

Von Bernd Atzenroth

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