Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Unterkühlter Jungstorch gerettet

Radensleben Unterkühlter Jungstorch gerettet

Nach dem Starkregen vor zwei Wochen sind viele Jungstörche verendet. In Radensleben gelang es Sven Neitzel und Christina Reiser, ein Jungtier zu retten. Unter einer Wärmelampe päppelten sie den Storch wieder auf.

Voriger Artikel
Keine Party mehr im Hangar 312 in Neuruppin
Nächster Artikel
Mit der Axt gegen die Wohnungstür

Durchwachte Nächte: Sven Neitzel und Christina Reiser haben einen Jungstorch aufgepäppelt. In Radensleben war die Anteilnahme an seiner Genesung groß.

Quelle: Frauke Herweg

Radensleben. Seine beiden Geschwister waren bereits gestorben. Doch der kleine Jungstorch ist zäh. Nach einigen Stunden unter der Wärmelampe beginnt er sich zu regen. Als man ihm Wasser und wenig später klein geschnittenes Schweinefleisch gibt, schluckt er gierig. „Er hat sehr gekämpft“, sagt Christina Reiser. „Das hat mich schon sehr berührt.“

Gemeinsam mit ihrem Mann Sven Neitzel hat die Radenslebenerin einen Jungstorch gerettet, der bei dem heftigen Regen vor zwei Wochen kühl und nass geworden war. Den ganzen Donnerstag über hatten die Storcheneltern ihre Flügel über ihren drei Jungen ausgebreitet und sie vor der Nässe geschützt. „Immer abwechselnd“, sagt Neitzel. „Das muss unheimlich stressig gewesen sein.“ Doch am Tag darauf – am Freitag – regte sich nichts mehr Nest.

Neun Meter bis zum Storchennest

Neitzel lieh sich eine Leiter bei seinem Nachbarn und kletterte im Regen zu den Störchen. Neun Meter in die Höhe. „Das ging nur mit Angst“, sagt er. In einem Korb ließ er die Störche zur Erde runter. Er hatte wenig Hoffnung. Die Tiere bewegten sich nicht.

Zuhause versuchten Neitzel und Reiser, die Tiere zu wärmen und ihr Gefieder zu trocknen. Für zwei Jungstörche kam die Hilfe zu spät. Aber der dritte, den sie Balthasar nennen, schaffte es. Neitzel wachte die ganze Nacht neben dem Storch und fütterte ihn alle vier Stunden mit etwas Fleisch aus der Tiefkühltruhe. Weil er nicht wusste, was er dem Storch noch geben könnte, postet er einen Aufruf bei Facebook. Am nächsten Tag brachte ein befreundeter Tierarzt gefrorene Eintagsküken vorbei. Ein Freund opferte ein paar seiner Goldfische für Neitzels Gast.

Hilfe aus den Niederlande

Seine Frau versuchte derweil Hilfe herbei zu telefonieren. Verschiedene Vogleexperten gaben Tipps. Der entscheidende Ratschlag kam schließlich aus den Niederlanden. Ein Vogelexperte rät den Anrufern aus Deutschland, den Jungstorch immer wieder in sein Nest zu setzen. Die Chancen, dass die Eltern ihr Kind wieder annehmen, sind durchaus hoch, glaubt er.

Am nächsten Tag – am Sonnabend – setzte Neitzel den Storch erstmals wieder zurück ins Nest. Einige Zeit hockte das noch grau gefiederte Tier dort. „Aber seine Eltern haben ihn nicht richtig beachtet“, sagt Neitzel. Als es wieder zu regnen anfing, kletterte er wieder auf das Storchennest und holte den Vogel für eine zweite Nacht in sein Haus. Wieder föhnte er ihm das nasse Gefieder. „Es darf nicht alles umsonst gewesen n sein“, dachte er sich.

Wieder zurück ins Nest

Noch ein weiteres Mal brachte Neitzel den Storch auf das Nest und holte ihn doch wieder runter, weil die Eltern ihn nicht richtig füttern. Erst als er ihn am Dienstag wieder in das Nest setzte, nahmen die Eltern ihr Kind voll und ganz an. Von seiner Terrasse im Garten beobachtete der 46-Jährige über Stunden, wie die Eltern immer wieder mit Futter vorbeikommen. „Oh, das läuft wieder“, denkt er sich unendlich erleichtert.

Seit Jahren schon hatte Neitzel gehofft, dass Störche bei ihm im Garten Nachwuchs aufziehen würden. Auf der Scheune und auf einem Turm hatte er ihnen Räder für die Nester aufgebaut. Für den Mann, den sie schon in der Kindheit wegen „der dünnen Beine und der roten Schuhe“ „Storch“ nannten, etwas ganz Naheliegendes. „Eine Storchenfamilie muss auch einen richtigen Storch haben.“

Im vergangenen Jahr verendeten alle Küken

Die ersten Küken im vergangenen Jahr verendeten, weil es auch da einen heftigen Regentag gab. „Der 17. Juni“, erinnert sich Neitzel. Umso mehr hofften er und seine Frau, dass es in diesem Jahr mit den Störchen klappen würde. Als die ersten Kükenköpfe durchs Fernglas zu sehen waren, war ihre Freude riesengroß.

Der gerettete Balthasar ist inzwischen so kräftig, dass er Flügel schlagend auf dem Nestrand steht. Spätestens im August wird er fliegen lernen und wenig später auf eine Reise in Richtung Süden gehen. „Das wird richtig schwer“, sagt Neitzels Frau.

Von Frauke Herweg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg