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Unterricht in Harnisch und Schürze

Wittstock Unterricht in Harnisch und Schürze

Tausende Schüler nutzen im Jahr das museumspädagogische Angebot der Kreismuseen in der Alten Bischofsburg zu Wittstock. Besonders treu ist der Einrichtung eine Schule aus Schwedt. Seit 20 Jahren besuchen Siebt- und Achtklässler das Museum schon, um hautnah in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges einzutauchen.

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Die Jungs waren in die Rollen von Landsknechten, Kürassieren und Pikenieren, die Mädchen in die von Marketenderinnen geschlüpft.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Fast 400 Jahre in der Zeit zurückzureisen, das erleben Schüler im Geschichtsunterricht nicht alle Tage. Fernab von Büchern und Theorie sollen junge Menschen in den Wittstocker Kreismuseen mit den Begebenheiten der damaligen Zeit vertraut gemacht werden – die Vergangenheit buchstäblich am eigenen Leib spüren.

Auf den sieben Ebenen des Museums gab es die Antworten für den Fragebogen

Auf den sieben Ebenen des Museums gab es die Antworten für den Fragebogen.

Quelle: Christian Bark

Seit 20 Jahren lassen sich immer wieder Siebt- und Achtklässler der Gesamtschule Talsand aus Schwedt auf diesen Geschichtsunterricht der besonderen Art ein. Zuletzt waren 42 Achtklässler zur Alten Bischofsburg nach Wittstock gekommen, um im Museum des Dreißigjährigen Krieges etwas über die Zeit zwischen 1618 und 1648 zu lernen. „Wir behandeln den Krieg gerade im Unterricht als Folge der Reformationszeit“, erklärte Geschichtslehrerin Carmen Schwandtke. Für sie sei der Besuch des Museums auch immer wieder ein „Nachhausekommen“, wie die gebürtige Wittstockerin sagte. Als Klassenlehrerin war auch Friederike Börninck, die sonst Biologie und Chemie unterrichtet, mit an die Dosse gekommen. „Vor 15 Jahren war ich als Schülerin zuletzt hier“, sagt sie. Vieles im Laufe der folgenden Stunden, insbesondere das Praktische, sollte der jungen Frau bekannt vorkommen, vieles aber auch nicht, weil sich viel im Museum verändert hatte.

Die fachliche Betreuung der Achtklässler übernahm Heike Dierich. 1989 hatte sie in Wittstock als wissenschaftliche Assistentin angefangen, seit 1991 ist sie als Museumspädagogin tätig. Sie führte in die Zeit ein, erklärte, was bei der Schlacht bei Wittstock 1636 geschah und welche Spuren davon in einem Massengrab zu finden waren, das vor zehn Jahren entdeckt worden war. Als audiovisuelle Unterstützung gab es eine Dokumentation über den Krieg zu sehen. „Wir arbeiten im Unterricht auch viel mit Filmen“, sagte Carmen Schwandtke.

Beim Filzen halfen die Frauen der Beschäftigungsgesellschaft

Beim Filzen halfen die Frauen der Beschäftigungsgesellschaft.

Quelle: Christian Bark

Im Anschluss ging es für die Schüler mit einem Fragebogen ab durch die Ausstellung. „Wer gehört zur Infanterie?“ – „Wie heißt der Friedensvertrag von 1648 allgemein?“ – Fragen, denen die Jugendlichen auf den sieben Stationen des Museums im alten Amtsturm der Bischofsburg auf den Grund gingen. „Mich interessiert besonders die Geschichte um die Pest“, sagte der 13-jährige Yannes Schüler. Über den Dreißigjährigen Krieg habe er zuvor nur wenig gewusst, ebenso seine Mitschülerin Elaine Neumann. „Mein Opa hat mal davon erzählt, mehr weiß ich darüber aber auch nicht“, so die Zwölfjährige.

„Wenn wir den Jugendlichen die Zeit anschaulich vermitteln, kommt auch das Interesse“, erklärte Heike Dierich. Denn nach der Ausstellung ging es in den Kostümfundus des Museums. Die Mädchen verkleideten sich mit Rock und Schürzen als Marketenderinnen, die Jungs als Soldaten. Als Kürassier trug der 13-jährige Jannik Ruszbült eine fast 15 Kilo schwere Rüstung mit Helm. „Ganz schön schwer“, stellte er fest, als er versuchte, seine Reiterpistole in Positur zu bringen. Fürs Gruppenfoto stellten sich die Schüler in historischer Kluft vor der Burg auf. Dann erfuhren sie von den Frauen der Wittstocker Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft, die im Museum Schauhandwerk betreiben, wie die Kleidung damals überhaupt entstand.

Ganz praktisch konnten sich die Jugendlichen dann beim Filzen versuchen. „Hat Spaß gemacht“, konstatierte Yannes Schüler am Ende des Tages. Am lustigsten sei die Kostümprobe gewesen.

Von Christian Bark

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