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Unterricht in der Dorfschule

Blandikow Unterricht in der Dorfschule

Von der Haustür bis zur Schule im Ort nur wenige Minuten Fußweg. Das gehörte auch in Blandikow für Generationen von Kindern zum Alltag. Die heute 77-jährige Christa Plagemann stand von 1958 bis zur Schließung im Jahre 1972 als Lehrerin vor den Schülern. Im Mehrstufenunterricht teilten sich mehrere Jahrgänge ein Klassenzimmer.

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Einschulung 1968: Christa Plagemann mit ihren drei Klassen.

Quelle: Privat

Blandikow. Kurze Wege für kurze Beine – die Dorfschule neben der Kirche in Blandikow erfüllte einst diesen Anspruch. Bis zur Schließung der Einrichtung im Jahre 1972 lernten die Kinder das Lesen, Schreiben und Rechnen direkt vor der Haustür. Christa Plagemann stand von 1958 bis 1972 als Lehrerin vor den Klassen.

„Als ich hier anfing, wurden noch vier Klassen in einem Raum unterrichtet, bereits ein Jahr später waren es nur noch drei Klassen“, sagt Christa Plagemann. Im so genannten Mehrstufenunterricht saßen die Kinder aus den einzelnen Jahrgängen in einem Raum. Jede Klasse hatte pro Unterrichtsstunde 15 Minuten direkten Unterricht und die restlichen 30 Minuten waren stille Arbeit. Die erste Klasse erhielt anfangs immer noch mehr direkten Unterricht als die anderen.

Christa Plagemann vor der früheren Dorfschule in Blandikow, in der sie 14 Jahre unterrichtete

Christa Plagemann vor der früheren Dorfschule in Blandikow, in der sie 14 Jahre unterrichtete.

Quelle: Christamaria Ruch

„Der Mehrstufenunterricht förderte auch das Sozialverhalten“, sagt die 77-Jährige. Es standen Arbeitsmaterialien bereit, die gezielt auf den Mehrstufenunterricht ausgerichtet waren. So eine Unterrichtsform setzt viel voraus: Die Schüler müssen diszipliniert sein, sich nicht ablenken lassen und selbstständig arbeiten können. „Das hat funktioniert und der später verpönte Frontalunterricht hatte durchaus Vorteile“, so Plagemann.

„Erziehung ist Liebe plus Konsequenz“

Links vom Hauseingang war der Klassenraum eingerichtet und auf der rechten Seite befand sich eine Wohnung. Blandikow galt immer als kinderreiches Dorf – Christa Plagemann unterrichtete durchschnittlich 18 Kinder der Klassen 1 bis 3. „Ende der 1960er Jahre gab es eine Ausnahme, denn damals hatten wir 17 Schulanfänger.“ Damit platzte der Klassenraum aus allen Nähten und ein Raum auf dem Dachboden wurde als zweiter Klassenraum eingerichtet. Außerdem kam zu dieser Zeit eine zweite Lehrerin ins Dorf. Ein Grundsatz von Plagemanns Lehrertätigkeit nimmt zum Pädagogen Pestalozzi (1746 bis 1827) Bezug: „Erziehung ist Liebe plus Konsequenz.“ Außerdem müssen Kinder immer einen Erfolg spüren, der dann motiviert.

Christa Plagemann stammt aus dem Havelland und besuchte nach der Schule das Institut für Lehrerbildung in Kyritz. In dieser Zeit herrschte Lehrermangel. „Das war mein Traumberuf.“ 1957 trat sie ihre erste Stelle an und unterrichtete in Heiligengrabe. Bereits ein Jahr später wurde sie nach Blandikow versetzt. Die Dorfschule war der Schulleitung in Heiligengrabe unterstellt. Bereits während des Studiums lernte sie den Mehrstufenunterricht im Rahmen von Praktika kennen. „Ich war bei meiner Arbeit viel auf mich allein gestellt“, sagt sie. In Blandikow lernte sie ihren späteren Mann Werner kennen; 1960 heiratete das Paar und zwei Kinder vervollständigten die Familie. Werner Plagemann verstarb im vergangenen Jahr.

Wandertage waren das Größte

Besonders gern legte Christa Plagemann bei den Kindern die Grundlagen für das Lesen. „Der Anfangsunterricht war mir am liebsten, denn am Schuljahresende konnte ich sehen, was die Kleinen in dem Jahr gelernt haben“, so Plagemann. Auch das Fach Schulgarten schätzte sie; der Garten befand sich direkt hinter der Kirche. Sportunterricht wurde draußen erteilt und im Winter turnten die Kinder im Saal der Gaststätte Gabel, wo auch Turngeräte standen. Das Fach Heimatkunde bot viele Möglichkeiten. „Wir unternahmen richtige Wandertage oder fuhren nach Berlin und andere Städte“, sagt sie. Die Dorfschule nutzte für diese Ausflüge einen so genannten Aufsetzer. Das war ein Lkw mit Kastenaufsatz, in dem Bänke standen.

Mit dieser Schultasche wurde Ina Schwarz 1965 in Blandikow eingeschult

Mit dieser Schultasche wurde Ina Schwarz 1965 in Blandikow eingeschult.

Quelle: Christamaria Ruch

„Ich war Lehrerin für alles, aber nicht für alles richtig ausgebildet“, gesteht Christa Plagemann. Doch damit stapelt sie tief. Denn bei Vergleichsarbeiten schnitten ihre Schüler immer gut ab. Ihr Kontakt zu den Familien war ausgeprägt, sie hatte viel Hintergrundwissen zu den Familien „Wir wussten voneinander und der Draht zueinander war sehr eng“, sagt Christa Plagemann. Und: „Ist die Schule aus dem Ort weg, verschwindet auch die Bindung.“ Ab 1972 arbeitete sie wieder in Heiligengrabe und ging 1999 nach 42 Jahren Schuldienst in den Ruhestand.

Von Christamaria Ruch

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